Weyer (Oberösterreich)

Marktgemeinde im Bezirk Steyr-Land, Oberösterreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Weyer ist eine Marktgemeinde mit 3995 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) in Oberösterreich im Bezirk Steyr-Land im Traunviertel. Der 1897 von Weyer-Markt abgespaltene ländliche Teil Weyer-Land wurde per 1. Jänner 2007 wieder mit Weyer-Markt zu einer einzigen Gemeinde vereint.

Schnelle Fakten Marktgemeinde, Wappen ...
Marktgemeinde
Weyer
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Weyer
Weyer (Oberösterreich) (Österreich)
Weyer (Oberösterreich) (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Oberösterreich Oberösterreich
Politischer Bezirk: Steyr-Land
Kfz-Kennzeichen: SE
Fläche: 223,81 km²
Koordinaten: 47° 51′ N, 14° 40′ O
Höhe: 399 m ü. A.
Einwohner: 3.995 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 18 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 3335, 4464, 8934
Vorwahlen: +43 7355, 7357, 3631
Gemeindekennziffer: 4 15 22
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Marktplatz 8
3335, 4464, 8934 Weyer
Website: www.weyer.eu
Politik
Bürgermeister: Leopold Buchriegler (SPÖ)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2021)
(25 Mitglieder)
10
7
5
3
10 7 5 3 
Insgesamt 25 Sitze
Lage von Weyer im Bezirk Steyr-Land
Lage der Gemeinde Weyer (Oberösterreich) im Bezirk Steyr-Land (anklickbare Karte)PfarrkirchenWeyer
Lage der Gemeinde Weyer (Oberösterreich) im Bezirk Steyr-Land (anklickbare Karte)
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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BW

Geografie

Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 21,4 km, von West nach Ost 22,6 km. Die Fläche der Gemeinde beträgt 223,81 km². Weyer-Markt war 4 km² groß und Weyer-Land 219 km².

Gemeindegliederung

Ortsteile der Gemeinde waren bis 2007 Obsweyer und Weyer, wobei fast die gesamte Bevölkerung im Ortsteil Weyer konzentriert war. Per 1. Jänner 2007 kamen die Ortsteile des eingemeindeten Weyer-Land hinzu: Anger, Au, Frenz, Kleinreifling, Küpfern, Mühlein, Nach der Enns, Oberlaussa, Pichl, Rapoldeck, Unterlaussa und Weißwasser.

Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2025[1]):

Die Gemeinde besteht aus den sechs Katastralgemeinden Anger, Kleinreifling, Laussa, Nach der Enns, Pichl und Weyer.

Die Gemeinde gehört seit 2014 zum Gerichtsbezirk Steyr.

Nachbargemeinden

Gaflenz
Reichraming

Rosenau am Hengstpaß (KI)
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Hollenstein an der Ybbs (AM)
St. Gallen (LI) Altenmarkt bei Sankt Gallen (LI)

Klima

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Weyer
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) −1,9 −0,3 3,7 8,1 13,3 16,2 18,0 17,7 13,4 8,9 3,4 −0,6 8,4
Mittl. Tagesmax. (°C) 3,0 5,5 10,0 15,2 20,3 22,8 25,0 24,9 20,2 15,7 8,3 3,6 14,6
Mittl. Tagesmin. (°C) −5,5 −4,2 −0,6 2,8 7,4 10,7 12,4 12,5 9,1 4,7 0,1 −3,9 3,8
Niederschlag (mm) 101 89 128 98 129 153 163 148 137 89 104 112 Σ 1451
Luftfeuchtigkeit (%) 67,8 58,7 54,2 47,6 48,5 52,6 50,1 52,2 56,0 56,9 67,3 73,0 57,1
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
3,0
−5,5
5,5
−4,2
10,0
−0,6
15,2
2,8
20,3
7,4
22,8
10,7
25,0
12,4
24,9
12,5
20,2
9,1
15,7
4,7
8,3
0,1
3,6
−3,9
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte

Der Ort wird im Jahr 1259 in lateinischer Übersetzung „ad Piscinam“[2] und 1371 erstmals als Weyer urkundlich erwähnt.[3]

Ursprünglich im Ostteil des Herzogtum Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt.

1897 strebte die Landbevölkerung Weyers eine Abtrennung vom Zentrum der Gemeinde an, da sie eine Benachteiligung durch die Eisenindustrie befürchtete. Der überwiegende, 219 Quadratkilometer große Teil der Gemeinde war fortan als Weyer-Land eine selbstständige Gemeinde. Weyer selbst bestand nun nur noch aus dem vier Quadratkilometer großen Ortszentrum und hieß fortan zur Unterscheidung Weyer-Markt.

Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Ab 1941 wurden Kriegsgefangene in einem Barackenlager untergebracht und für Bauarbeiten entlang der Enns eingesetzt. Von Juli 1943 bis 29. August 1944 bestand im Gemeindegebiet von Weyer (damals: Weyer-Land) das Lager Diepoldsau, ein Außenlager des KZ Mauthausen bzw. ein Nebenlager des Lagers Großraming. Etwa 130 Häftlinge wurden hier beim Bau des Enns-Staudammes eingesetzt. Im Frühjahr 1945 wurden tausende ungarische und jüdische Zwangsarbeiter in mehreren Kolonnen durch das Ennstal getrieben, viele Menschen kamen auf dem Gemeindegebiet beim Todesmarsch um.[4]

Im April und Mai 1945 war der so genannte Auffangstab Weyer tätig, der nach vermutlichen Deserteuren fahndete. Diese wurden verhaftet und – wenn für schuldig befunden – an zwei Stellen in Weyer erschossen. Zwei Gedenkstätten in Weyer erinnern daran. 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.

Am 8. Juni 1966 kam es bei der Kastenreith-Brücke zu einem Unfall, bei dem mehrere Arbeiter zu Tode kamen.[5]

Im November 2005 fand eine Befragung der Einwohner von Weyer-Markt und Weyer-Land über eine Zusammenlegung der beiden Gemeinden statt, wobei 87 % Zustimmung erreicht werden konnten. Dass 13 % gegen eine Zusammenlegung gestimmt haben, ist durch befürchtete Benachteiligungen zu erklären. So konnte im Ortsteil Kleinreifling nur 57 % Zustimmung erreicht werden, da eine Schließung der dort befindlichen Volksschule befürchtet wird. Die Zusammenlegung der beiden Gemeinden, die von den Politikern beider Gemeinden tatkräftig unterstützt und vorbereitet wurde, wurde mit 1. Jänner 2007 rechtswirksam. Die beiden Bürgermeister traten von ihren Ämtern zurück und übergaben die Gemeindeführung an den Regierungskommissär Johann Singer. Neuwahlen wurden für den 15. April 2007 ausgeschrieben.[6][7]

Bevölkerungsentwicklung

Weyer: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
4.313
1880
 
4.459
1890
 
4.713
1900
 
4.971
1910
 
5.341
1923
 
5.568
1934
 
5.325
1939
 
5.170
1951
 
5.993
1961
 
5.461
1971
 
5.087
1981
 
4.765
1991
 
4.721
2001
 
4.716
2011
 
4.226
2021
 
4.055
2025
 
3.995
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Weyer an der Enns
Pfarrkirche Kleinreifling
Pfarrkirche Unterlaussa

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Seewiesenfest: Wird seit 1991 vom Kulturverein FRIKULUM (Unabhängige Initiative für Friede, Kultur & Umwelt) veranstaltet und findet im Ortsteil Kleinreifling statt. Die Kooperation mit dem Radiosender FM4 brachte u. a. Deichkind und Wir sind Helden als Gäste.[11]
  • Der Powerman: Ein internationaler Duathlon findet jährlich gemeinsam mit den Orten Großraming und seit 2009 auch mit Maria Neustift statt. Er ist einer der sportlichen Höhepunkte im Ennstal und wird auch von Duathlon-Profisportlern besucht.
  • Turnerball: Jeweils am 5. Jänner in der großen Turnhalle.
  • Marktfest: Findet jeweils am 1. Wochenende im Juli am Weyrer Marktplatz statt.
  • Haflingermarkt Weyer[12]
  • Christbaumsetzen: Findet jährlich Mitte Dezember in Kastenreith beim Ennsmuseum statt. Dabei wird ein Christbaum gesegnet und die Mitglieder des Tauchsportvereines Eisenwurzen schwimmen mit diesem, durch Fackeln beleuchtet, die Enns hinunter.
  • Weyrer Ortslauf
  • „Weyer Seminar“ der UHS Oberösterreich im Jutel Weyer

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaftssektoren

Im Jahr 2010 gab es gleich viele landwirtschaftliche Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe, wobei die Nebenerwerbsbetriebe nur sieben Prozent der Flächen bewirtschafteten. Fast sechzig Prozent bearbeiteten die sieben Betriebe, die von juristischen Personen oder Personengemeinschaften geleitet wurden. Der größte Arbeitgeber des Produktionssektors war die Bauwirtschaft mit 125 Arbeitnehmern. Beinahe 500 Menschen waren in sozialen und öffentlichen Diensten tätig (Stand 2011).[13][14][15]

Weitere Informationen Wirtschaftssektor, Anzahl Betriebe ...
Wirtschaftssektor Anzahl Betriebe Erwerbstätige
2011200120112001
Land- und Forstwirtschaft 1) 109138114132
Produktion 045043203293
Dienstleistung 222170922950
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1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999

Verkehr

Der Bahnhof Weyer liegt an einem Teil der Rudolfsbahn.

Politik

Rathaus

Der Gemeinderat hat 25 Mitglieder.

Bürgermeister

  • (1997–2007 von Weyer-Markt),
  • ab 2007 Gerhard Klaffner (SPÖ) und
  • ab 2025 Leopold Buchriegler (SPÖ)[15]

Wappen

Die Marktgemeinde Weyer führt als Gemeindewappen die Wappen der ehemaligen Gemeinden Weyer-Markt und Weyer-Land nebeneinander angeordnet.

Weyer-Markt (links):

„Zweimal halbgespalten und geteilt;
oben 1: in Grün ein silberner, rot bewehrter, flammenspeiender, aufgerichteter Panther;
2: in Rot ein silberner Balken;
3: in Blau eine goldene, zugekehrte, gesichtete Mondsichel, in der Höhlung begleitet von einem goldenen Stern. Unten ein natürlicher (grünfarbiger) Teich, darin drei silberne, linkshin schwimmende Fische, begrenzt von einer vom linken Schildrand ausgehenden, grünen Wiese, darauf ein aus dem Wasser kommender, naturfarbener (brauner), widersehender Biber mit rot ausgeschlagener Zunge sowie ein in den blauen Himmel ragender und an die Teilungslinie stoßender, grüner Laubbaum; im Hintergrund grüne Hügel und (braunes) Schilfrohr.“

Das Marktwappen wurde 1564 von Kaiser Ferdinand I. verliehen. Der obere Teil zeigt die Elemente des vereinigten Kloster- und Konventswappens des Stiftes Garsten, zu dem Weyer ursprünglich gehörte. Der untere Teil bezieht sich auf eine Sage zum Namen und zur Entstehung des Ortes: Demnach befand sich einst an der Stelle des Marktes ein vom Gaflenzbach gebildeter, fischreicher Weiher. Der eine Talsperre gegen die Enns bildende Damm wurde von Bibern durchwühlt und schließlich vom Bach durchbrochen, wodurch der Talgrund trockengelegt wurde.[18]

Weyer-Land (rechts):

„In Rot ein silberner, schräglinker Wellenbalken, belegt mit einem schwarzen Flößerhaken; oben und unten aus dem Wellenbalken hervorgehend je ein silberner, nach außen zuckender Blitz.“

Das 1970 verliehene Wappen symbolisiert mit dem Wellenbalken die auf mehr als 20 km Länge durch das Gemeindegebiet fließende Enns und die damit verbundene frühere und heutige Nutzung. Der Flößerhaken steht für die einst bedeutende Flößerei und die Blitze als Symbole der Elektrizität für die beiden in der Gemeinde gelegenen Wasserkraftwerke Weyer und Schönau.[19]

Die Gemeindefarben sind Weiß-Grün.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Mit der Gemeinde verbunden

  • Hermann Baumann (1866–1940), Landwirt und Abgeordneter im Oberösterreichischen Landtag

Literatur

  • Georg Grüll: Der Markt Weyer und sein Archiv. Marktkommune Weyer, 1937.
  • Adolf Brunnthaler: Weyer. Weishaupt, Gnas 2009.
  • Adolf Brunnthaler (Hrsg.): Auf den Spuren der schwarzen Grafen. Innenhöfe der Renaissance in Weyer. Ein Projekt des IV. Jahrganges der HBLA Weyer im Schuljahr 1995/96. Höhere Bundeslehranstalt für Wirtschaftliche Berufe, 1995.
  • Heimat Eisenwurzen. Beiträge zum Eisenstraßensymposion Weyer. Verlag Ennsthaler, Steyr 1997.
  • Martin Prieschl: Zu wahrer Urkund dessen … Die Urkunden der Marktarchive Purgstall an der Erlauf, Weyer an der Enns und Ybbsitz. Herausgeber und Verleger: Marktgemeinden Purgstall an der Erlauf, Weyer an der Enns, Ybbsitz, 2013, ISBN 978-3-9503124-8-5, S. 49–123 (Abschnitt „Weyer an der Enns“).
  • Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Weyer – Teilbereich Weyer-Markt. Endbericht. Gutachten Naturschutzabteilung Oberösterreich. Kirchdorf an der Krems 2008, S. 1–38 (zobodat.at [PDF]).
  • Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Weyer-Land. Endbericht. Gutachten Naturschutzabteilung Oberösterreich. Kirchdorf an der Krems 2004, S. 1–144 (zobodat.at [PDF]).
Commons: Weyer – Sammlung von Bildern und Videos
Wikivoyage: Weyer – Reiseführer
  • 41522 – Weyer. Gemeindedaten der Statistik Austria
  • Karte im Digitalen Oberösterreichischen Raum-Informations-System (DORIS)
  • Weitere Infos über die Gemeinde Weyer auf dem Geo-Infosystem des Bundeslandes Oberösterreich.
  • Webpräsenz der Gemeinde Weyer
  • Weyer (Ober-Österreich) auf www.weyer.de.com
  • Reliefkarte von Weyer Markt und Umgebung. In: carto.at. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); (keine Mementos).@1@2Vorlage:Toter Link/www.carto.at (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)

Einzelnachweise

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