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Die Ursache des Todes

Märchen der Kamba From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Ursache des Todes ist ein Märchen der Kamba[1] aus der Ostprovinz Kenias.

Handlung

Da Gott Erbarmen hat, sprach er, dass die Menschen nach ihrem Tod nicht sterben, sondern wieder auferstehen sollen. Nachdem er die Menschen erschaffen hatte, beobachtet er das Chamäleon und den Webervogel und er sieht, dass letzterer des Öfteren lügt, ersteres aber stets die Wahrheit spricht. Also beauftragt er das Chamäleon zu den Menschen zu gehen, um ihnen auszurichten, dass sie nach ihrem Tod wieder auferstehen werden. Doch das Chamäleon ist sehr langsam, sodass es dauert, bis es die Menschen erreicht, und bei ihnen angekommen wiederholt es andauernd die Worte „Mir ist gesagt worden“, ohne das zu berichten, was ihm aufgetragen worden war.

Der Webervogel beschließt derweil heimlich zu den Menschen zu fliegen und findet sie alle beim Chamäleon versammelt vor. Er spricht zu ihnen, dass die Menschen vergehen, wenn sie tot sind, woraufhin das Chamäleon doch noch herausbringt, was Gott ihm hatte aufgetragen auszurichten. Die Elster aber meint, dass der erste Spruch weise sei und so sterben die Menschen und stehen nicht wieder auf.[1]

Hintergrund

Das Märchen stammt aus Ernst Brutzers Der Geisterglaube bei den Kamba (Leipzig 1905, 15 f.). In Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (München 1991) trägt es den Titel Die Ursache des Todes. Das Märchen ist in Zentral- und Südafrika weit verbreitet. Verglichen werden können B. Strucks Das Chamäleon in der afrikanischen Mythologie (Globus 96, Nr. 11 (1909), 174–177), Meinhofs Die Dichtung der Afrikaner (Berlin 1911, 20, 36) sowie Wilhelm Heinrich Immanuel Bleeks und Lucy C. Lloyds Specimens of Bushman Folklore (London 1911).[1]

Nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk Literature (Kopenhagen 1955–1958, 6 Bände) bekam das Märchen die Motive A 1335 und A 1335.1 (Chamäleon und Webervogel als Todesboten) zugeordnet. Verglichen werden kann die Enzyklopädie des Märchens (Berlin / New York 1977 ff.) Band 2, S. 1215.[1]

In Ulla Schilds Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen (Düsseldorf / Köln 1975) sind mehrere Märchen verzeichnet, die allesamt den Titel Wie der Tod in die Welt kam erhielten und nach Thompsons Werk dem Motiv A 1335: Ursprung des Todes zugeordnet wurden. Eine Variante von den Aschanti aus Ghana ist in Edmond Perregauxs Chez les Achanti (Bulletin de la Société neuchâteloise de Géographie, XVII, S. 198 f.) zu finden. In dieser soll eine Ziege die Botschaft überbringen, dass die Menschen nach ihrem Tod in den Himmel kommen. Diese findet aber einen saftigen Busch und knabbert daran, sodass Gott den Hammel schickt, der aber ausrichtet, dass die Menschen nach ihrem Tod keine Ruhe finden werden. Eine Variante der Dagomba in Nordghana nennt den Hund und die Ziege, die die falsche Botschaft überbringt; bei den benachbarten Krachi ist es umgekehrt (A. W. Cardinall: Tales Told in Togoland. Oxford 1970, S. 28 f.). Die Ibo in Nigeria erzählen von dem Hund und der Kröte (Charles Kingsley Meek: Lawand Authority in a Nigerian Tribe, London 1937, S. 53 und Josef Schönhärl: Volkskundliches aus Togo. Dresden / Leipzig 1909). Bei den Somba in Benin werden der Hund und das Chamäleon genannt, das die Todesbotschaft überbringt (Michel Sédolo: Contes, légendes, croyances, coutumes des Somba. In: Notes africaines, Nr. 33, 1947, S. 5–8). Das Motiv der vertauschten Botschaft ist in Afrika weit verbreitet.[2]

In Mali heißt es bei den Dogon, dass Gott die Menschen als zu zahlreich empfand und ihnen deshalb eine weiße Kuh anbot, die den Tod bringen sollte. Da niemand sie wollte, meinte eine Frau zu ihrem Mann, dass er eigentlich vor nichts Angst haben sollte, also nahm er sie an und sie aßen sie. Die Frau versuchte daraufhin ihren Mann im Stall zu verstecken, der verschlossen wurde und nur ein kleines Luftloch zur Außenwelt bot, wohinein Gott die Krankheit blies, die den Menschen seither den Tod bringt. Das Märchen stammt aus Deborah Lifchitz’ La littérature orale chez les Dogon du Soudan Français (Africa, XIII, 1940, S. 242 f.)[2]

Ein weiteres Märchen der Krachi, das ebenfalls bei Cardinall zu lesen ist, erzählt von dem menschenfressenden Riesen Owuo, der sehr langes Haar hatte und den Bruder sowie die Schwester eines jungen Mannes gefressen hatte. Er wurde dadurch besiegt, dass man ihm das Haar anzündete und in dessen Wurzeln fand sich ein Zaubermittel, mit dem die Geschwister wieder zum Leben erweckt wurden. Als dann aber ein Tropfen des Zaubermittels in eins der Augen des Riesen gegeben wurde, kam daraus der Tod und seitdem stirbt ein Mensch, jedes Mal, wenn der Riese blinzelt, was er oft tut.[2]

Literatur

Einzelnachweise

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