William Leslie Arnold

US-amerikanischer Doppelmörder und Gefängnisausbrecher From Wikipedia, the free encyclopedia

William Leslie Arnold (* 28. August 1942 in Omaha, Nebraska; † 6. August 2010 in Mount Tamborine, Australien) war ein US-amerikanischer Doppelmörder, der im Alter von 16 Jahren seine Eltern ermordete. Acht Jahre später gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis; er konnte sich danach bis zu seinem Tod mit Erfolg der Verhaftung durch die Strafverfolgungsbehörden entziehen.

William Leslie Arnold (1959)

Leben

Frühes Leben

William Leslie Arnold war der Sohn von Bill und Opal Arnold und wuchs zusammen mit seinem jüngeren Bruder in Omaha heran. Sein Vater war Manager einer Handelsagentur, seine Mutter Hausfrau. Arnold wurde als intelligenter Jugendlicher beschrieben, der einen Notendurchschnitt von 2,0 erarbeitete und in seinen jungen Jahren am Programm des Reserve Officer Training Corps (ROTC) teilnahm. Ob seine Eltern seinen Bruder bevorzugten, und dies mit ein Grund für die Tat gewesen sein dürfte, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Morde

Am 27. September 1958 wollte Arnold zusammen mit seiner Freundin Crystal den Horrorfilm Die Untoten im Autokino besuchen und erbat sich von seinen Eltern den Autoschlüssel. Als diese verneinten, geriet er derart in Zorn, dass er mit einer geladenen Waffe ins Esszimmer des Hauses in der Poppleton Avenue 6477 zurückkehrte und mit je sechs Schuss seine Mutter und seinen Vater tötete. Er fuhr danach trotzdem mit seiner Freundin ins Kino, als sei nichts geschehen. Nach der Rückkehr hub er im Garten hinter dem Haus ein Grab unter einem Fliederbusch aus und vergrub die Leichen. Da der kommende Tag, der 28. September 1958, ein Sonntag war, nahm er auch ohne Aufsehen zu erregen, am Gottesdienst der Gemeinde teil.

Zwei Wochen lang gelang es ihm die Umgebung glauben zu lassen, seine Eltern seien verreist. Er besuchte die Central High School, nahm an Saxophonunterricht sowie am Leichtathletiktraining teil. Auch nahm er Kundenaufträge im Geschäft seines Vaters entgegen, die der Vater nach dessen Rückkehr abarbeiten wolle. Doch schon bald stellten Verwandte und Freunde der Familie Nachforschungen nach dem Verbleib der Arnolds an, seine Großeltern kamen von North Loup nach Omaha. Auch verstrickte sich Arnold in Widersprüche. So gab er an, seine Eltern wären am 27. September 1958 mit dem Zug verreist, er habe sie zum Bahnhof begleitet. Als Rose Grossman, eine Nachbarin der Familie begann, zu recherchieren, konnte sie rasch feststellen, dass an jenem Tag kein Zug Omaha verlassen hatte. Als Gerüchte die Runde machten, Arnold habe Streit mit seinen Eltern gehabt, geriet er schon bald in den Kreis der Verdächtigen. Am 11. Oktober 1958 wurde Arnold erstmals von der Polizei verhört; rasch gestand er die Morde. In Handschellen führte er sie zum Fliederbusch, unter dem die Polizisten die beiden Toten bergen konnten.

Das Verbrechen zählte auf den Titelseiten der Tageszeitungen zu den dominierenden Schlagzeilen. Die Frage "Wie konnte ein derart unschuldig wirkender Junge wegen eines Autoschlüssels eine derartige Tat begehen?" machte die Runde und konnte nie beantwortet werden.

Im Juni 1959 wurde William Leslie Arnold vor einem Gericht wegen zwei Morden zweiten Grades zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Noch nicht einmal 17 Jahre alt, und somit als einer der jüngsten Insassen, trat er seine Haftstrafe im Frühsommer 1959 im Nebraska State Penitentiary in Lincoln an. In den kommenden Jahren gebärdete sich Arnold als Musterhäftling, der seinen Schulabschluss nachholte und auch an beruflichen Ausbildungsmaßnahmen teilnahm. Experten vermuteten, nach damaliger Einschätzung des Gefangenen, hätte dieser nach wenigen Jahren Anspruch auf Begnadigung gehabt.

Flucht

Im Gefängnis freundete sich Arnold mit dem acht Jahre älteren Mitgefangenen James Harding an. Beide planten die Flucht, in deren Planung auch die Bewährungshelfer der beiden eingebunden waren, da diese das dafür nötige Werkzeug ins Gefängnis schmuggelten. Um mit diesen zu kommunizieren, wurden verschlüsselte Anzeigen im Lincoln Journal Star geschaltet. Am Abend des 14. Juli 1967, nach acht Jahren, in denen Arnold im Gefängnis gewesen war, gelang es ihm und Harding sich im Musikzimmer des Gefängnisses einzuschließen. Mit einem Schneidewerkzeug gelang es ihnen, die Gitterstäbe vor dem Fenster durchzuschneiden und sich mit Seilen über einen vier Meter hohen Stacheldrahtzaun in die Freiheit abzuseilen.

Die Suche nach den beiden Flüchtigen wurde auf vier US-Bundesstaaten ausgeweitet; dabei wurde eine Armada an Hubschraubern, Sheriffs und Polizisten aktiviert. Im Oktober 1967 zollte selbst Maurice Sigler, der Gefängnisdirektor des Nebraska State Penitentiary den beiden Männern Respekt, als bis dahin noch immer keine Spur gefunden wurde.

James Harding wurde rund ein Jahr nach dem Ausbruch, im Jahr 1968, in Los Angeles, Kalifornien erneut verhaftet. Im anschließenden Verhör gab er zu Protokoll, er und Arnold seien nach dem Ausbruch mit einem Bus von Lincoln nach Chicago, Illinois gefahren. Hier hätten sich die beiden getrennt. Dies war auf Jahrzehnte hinaus der letzte Anhaltspunkt, wo sich William Leslie Arnold aufhalten hätte können.

Suche und Verbleib

In den Jahren nach der Flucht gelangten beim Federal Bureau of Investigation (FBI) bundesweit zahllose Hinweise ein. Man vermutete sogar, Arnold habe sich 1968 nach Brasilien abgesetzt, doch das Einwanderungsdokument der brasilianischen Behörden nannte einen Mann gleichen Namens als Auswanderer. Als der Fall in den 1990er Jahren noch immer nicht gelöst werden konnte, und Arnolds Verbleib noch immer nicht geklärt, wurde der Fall als Cold Case zu den Akten gelegt.

Im August 2020 nahm sich der stellvertretende U.S. Marshal Matthew Westover des Falls an. In Zusammenarbeit mit Geoff Briton, einem ehemaligen Ermittler der Strafvollzugsbehörde von Nebraska, der selbst rund ein Jahrzehnt am Fall gearbeitet hatte, wurde der Cold Case noch einmal neu aufgerollt. Dabei wurden moderne Ermittlungsmethoden, darunter die DNA-Analyse oder die Genealogie zur Unterstützung herangezogen. Arnolds mittlerweile in Missouri lebender jüngerer Bruder, der am Abend des 27. September 1958, an dem seine Eltern getötet worden waren, bei einem Freund übernachtet hatte, fand sich bereit, seine DNA abzugeben. Entsprechende Daten wurden online auf die Ahnenforschungs-Website Ancestry.com gestellt. Nach zwei weiteren Jahren Wartens gelang den Ermittlern 2022 der Durchbruch.

Ein Mann aus Australien hatte Nachforschungen über seinen mittlerweile verstorbenen Vater angestellt; der Name des Vaters lautete John Vincent Damon. Dieser habe ihm stets gesagt, er wäre ein Waisenkind gewesen, der in Chicago in den USA aufgewachsen sei. John Vincent Damon war der neue Name von William Leslie Arnold. Er hatte diesen bereits wenige Tage nach dem Ausbruch aus dem Gefängnis, im Sommer 1967, angenommen. Selbst seinen Geburtstag konnte er in den ebenfalls gefälschten Dokumenten mit Erfolg ändern; so dass er künftig am 1. August 1941 geboren worden war. Die ersten Monate nach der Flucht arbeitete er in einem Restaurant in Chicago. Im November 1967, nur vier Monate in Freiheit, heiratete er das erste Mal. Seine erste Ehefrau, eine geschiedene Mutter von vier Kindern, wie auch seine Stiefkinder, hatten keine Ahnung von der wahren Identität ihres Ehemannes und Stiefvaters. In den kommenden Jahren lebte die Familie unter anderem in Cincinnati, Miami und Los Angeles; im Jahr 1978 ließ sich Arnold von seiner Ehefrau scheiden.

Anfang der 1990er Jahre zog John Vincent Damon kurzzeitig nach Neuseeland und schließlich nach Australien, hier ließ er sich in Mount Tamborine im Bundesstaat Queensland nieder, wo er, den Beruf seines von ihm ermordeten Vaters ergreifend, als Handelsvertreter seinen Lebensunterhalt bestritt. Hier heiratete er ein zweites Mal und wurde selbst Vater von zwei Kindern.

Als Arnolds Sohn 2022 von der wahren Herkunft seines Vaters erfuhr, war dieser bereits 12 Jahre tot. Er war im August 2010, kurz vor seinem 68. Geburtstag, in Australien gestorben. Ein Abgleich der DNA zwischen dem australischen Mann und seinem Onkel in den USA erbrachte im Jahr 2023 eine Übereinstimmung.

William Leslie Arnold liegt in einem Grab auf dem Tamborine Mountain Cemetery in Australien begraben. Seine Grabstein trägt bis heute den falschen Namen John Vincent Damon.

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