Sturmholz

durch Stürme entwurzelte oder geknickte Bäume From Wikipedia, the free encyclopedia

Sturmholz, auch Windwurf oder Windbruch genannt, bezeichnet die aufgrund von starken Stürmen oder Orkanen entwurzelten oder geknickten Bäume. Dies kann an einzelnen Bäumen oder flächenmäßig auftreten, wobei Letzteres insbesondere bei großen Fichten-Monokulturen auftritt und meist mit sehr hohen Schadenssummen einhergeht. In der Forstwirtschaft werden die abgängigen Sturmholzbestände zur Kalamität gezählt.

Windbruch und Windwurf im Fichtenwald nach einem Sturm mit Orkanstärke
Gedenktafel an große Schäden im Jahr 2002 in der Steiermark
Denkmal in Naas zum Windbruch durch Sturm Paula 27. Jänner 2008

Beim Windwurf reicht die Verankerung des Baumes im Boden durch die Wurzeln nicht aus und der Stamm wird samt Wurzelballen umgeworfen. Beim Windbruch hält die Bodenverankerung stand, jedoch wird die Biegefestigkeit des Stammes überschritten und er bricht.

Die größten Windbruchschäden entstehen in Mitteleuropa in der Regel durch Herbst- und Winterstürme. Besonders viel Sturmholz verursachten dort zum Beispiel die Orkane Wiebke (1990), Lothar (1999), Kyrill (2007) und Friederike (2018).

Baumwurf als Lastfall

Im Bauingenieurbereich ist Baumwurf kein Lastfall, welcher in den Normen geregelt ist. So sahen in Deutschland viele Bauordnungen der Länder vor, dass Gebäude einen Abstand von 30 m zu Wäldern haben müssen, und entsprechend gab es keine Ereignisse. Jedoch wurde diese Regel aufgeweicht, und inzwischen darf man in Deutschland auch näher an den Wald bauen. Schlüter und Gerold haben ein Verfahren vorgeschlagen, um einen Baumwurf auf ein Gebäude zu behandeln.[1][2]

Folgen

Bei großen Sturmschäden kommt es zu einem Überangebot an Holz, wodurch die Holzpreise der betroffenen Qualitäten auf dem Markt oft deutlich sinken. Deshalb stellt Windbruch auch für nicht direkt betroffene Waldbesitzer meist eine finanzielle Einbuße dar. Dieses liegt daran, dass Holz nicht unbegrenzt lagerfähig ist, ohne an Qualität und damit im Preis zu verlieren. Allerdings werden die finanziellen Einbußen durch eine besondere ertragssteuerliche Behandlung der Kalamitätsnutzung gemildert.

Auf der anderen Seite bieten die vom Wind entwurzelten Bäume als Totholz einen idealen Lebensraum für Pilze oder Insekten. Neben positiven Effekten für den Naturschutz kann dies aber auch eine starke Vermehrung von Schädlingen, wie z. B. den Borkenkäfern, und Käferjahre bedeuten. Diese Gefahr ist besonders in Nadelwäldern von Bedeutung.

Windbruch kann insbesondere Forststraßen und Wanderwege verlegen und damit Fortkommen und Orientierung stark erschweren.[3]

Beseitigung

Beseitigung von Windwurf durch die Feuerwehr

Die Aufarbeitung von Sturmholz gehört zu den gefährlichsten Tätigkeiten bei der Waldarbeit. Nach Sturmschäden häufen sich die schweren Verletzungen oder gar Todesfolgen bei der Aufarbeitung. Deshalb sind spezielle Kurse und/oder maschineller Einsatz (Harvester) unbedingt zu empfehlen. Da ein Einsatz der Säge an unter Spannung stehenden Stämmen lebensgefährlich ist, werden gelegentlich sogar Sprengungen eingesetzt.

Literatur

  • Michael Rottmann: Wind- und Sturmschäden im Wald. Beiträge zur Beurteilung der Bruchgefährdung, zur Schadensvorbeugung und zur Behandlung sturmgeschädigter Nadelholzbestände. Sauerländer, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-7939-0710-4, 128 S.
  • Dieter Germann: Die Bewertung des Windwurfrisikos der Fichte auf verschiedenen Standortstypen. Mitteilungen der Hessischen Landesforstverwaltung (Band 12). (Dissertationsschrift.) Sauerländer, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-7939-0390-7, 103 S.
  • Marco Heurich (Schriftl.) et al.: Waldentwicklung im Bergwald nach Windwurf und Borkenkäferbefall. Nationalpark Bayerischer Wald; Wissenschaftliche Reihe (Heft 14). Herausgegeben von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald und dem Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten. Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Grafenau 2001, ISBN 3-930977-26-5, 182 S.

Einzelnachweise

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