Hintertuxer Gletscher

Skigebiet in Österreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Hintertuxer Gletscher (Tirol)
Hintertuxer Gletscher (Tirol)
Hintertuxer Gletscher
Der Hintertuxer Gletscher im August 2017
Luftbild des Hintertuxer Gletschers (Juni 2026)

Hintertuxer Gletscher ist die touristische Bezeichnung für das Skigebiet auf dem Tuxer Ferner und dem benachbarten Riepenkees bei Hintertux, am Ende des Tuxertals, einem Seitental des Zillertals in Tirol, Österreich. Erschlossen wird das Gebiet durch 21 Seilbahnen und Lifte.[1] Das Skigebiet reicht an seinen höchsten Punkten bis auf 3.250 Meter zur Wildlahnerscharte am Olperer sowie zum Sattel zwischen den Gefrorene-Wand-Spitzen.

Gletscher

Tuxer Ferner

Der Tuxer Ferner (Ferner, von hochdeutsch Firn für ‚Gletscher‘, ebenso Kees) regional auch Hintertuxer Gletscher genannt, ist ein ausgedehntes Gletscherfeld, das sich nordöstlich unterhalb des Kleinen Kaserers (3093 m ü. A.), des Großen Kaserers (3263 m), des Olperers (3476 m) und der Gefrorene-Wand-Spitzen (3288 m und 3270 m) erstreckt.

An seiner Nordflanke liegt das Gefrorene-Wand-Kees als Teilgletscher. Das Gletscherende bildet ein markanter Eisbruch oberhalb von rund 2600 m Seehöhe. Die maximale Eisdicke beträgt bis zu 120 Meter, die Länge etwa vier Kilometer, wobei sich diese durch jährliche Fließbewegung von bis zu 40 Metern verändert. Daher müssen einzelne Liftanlagen regelmäßig neu positioniert werden. Das Eisvolumen des Gletschers wurde um 2010 auf etwa 190 Millionen Kubikmetern Eis geschätzt.[2][3] Der Gletscher ist das Quellgebiet des Großen Kunerbachs, einem Tuxbach-Quellbach.

Riepenkees

Das Große Riepenkees erstreckt sich im Zamser Grund südöstlich des Olperers zur südlichen Gefrorene-Wand-Spitze (das Kleine Riepenkees ist ein Gletscherrest östlich zwischen den beiden Gefrorene-Wand-Spitzen). Er hängt am gänzlich vergletscherten Riepensattel mit dem Tuxer Ferner zusammen. Dieser Gletscher ist aufgrund seiner südseitige Lage vergleichsweise klein und etwa 1 km lang. Im Kar unterhalb liegt ein Gletschersee, der heute die Quelle des Riepenbachs darstellt. Dort liegt auch das Südende des Skigebiets, mit der Schlegeis-Seilbahn, bebannt nach dem Schlegeisspeicher im Zemmgrund.[4]

Neben dem Riepenkees geht der Tuxer Ferner auch am Wildlahnersattel in Olpererferner und Wildlahnerferner in der Schmirn über. Verbindungen zu früher benachbarten Gletschern wie dem Unterschrammachkees und dem Friesenbergkees bestehen heute nicht mehr.

Der Hintertuxer Gletscher liegt außerdem im Bereich des Hochgebirgs-Naturparks Zillertaler Alpen, eines rund 422 km² großen Schutzgebiets am Zillertaler und Tuxer Hauptkamm. Der Naturpark umfasst zahlreiche hochalpine Lebensräume, Gletscherregionen und naturnahe Kulturlandschaften.[5]

Gletscherentwicklung

Seit dem Ende der Kleinen Eiszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befindet sich der Hintertuxer Gletscher bestehend aus mehreren Firn- und Eisfeldern wie dem Gefrorene‑Wand‑Kees und dem Riepenkees in einem langfristigen Rückzugsprozess.[6] Diese Entwicklung entspricht dem allgemeinen Trend der Alpengletscher, die seit etwa 1850 einen erheblichen Verlust an Fläche und Volumen verzeichnen.[7]

Historische und glaziologische Untersuchungen zeigen, dass die Gletscher der Zentralalpen im Verlauf des 20. Jahrhunderts deutlich an Masse verloren haben. Auch für die Gletscher im Zillertal ist seit Beginn systematischer Messungen ein kontinuierlicher Rückgang dokumentiert, der sich seit den 1980er‑Jahren beschleunigt hat.[8] Ursachen sind vor allem steigende Lufttemperaturen, eine zunehmende Häufigkeit von Hitzesommern sowie eine abnehmende winterliche Schneedeckung, die für die Akkumulation der Gletscher entscheidend ist.

Für den Hintertuxer Gletscher werden analog zu vergleichbaren Tiroler Gletschern seit Beginn des 21. Jahrhunderts überwiegend negative Massenbilanzen festgestellt.[9] Fachliteratur weist darauf hin, dass alpine Gletscher in dieser Höhenlage besonders sensibel auf Temperaturänderungen reagieren. Modellrechnungen gehen davon aus, dass selbst bei einer Stabilisierung der globalen Erwärmung ein weiterer deutlicher Eismassenverlust nicht zu vermeiden ist.[10]

Neben dem flächenhaften Rückzug der Gletscherzungen sind auch morphologische Veränderungen zu beobachten. Dazu zählen das Freilegen von Fels‑ und Schuttflächen, die Ausbildung neuer Moränen sowie eine Zunahme paraglazialer Prozesse wie Steinschlag und Erosion. Diese Veränderungen beeinflussen sowohl den Naturraum als auch die langfristigen Nutzungsmöglichkeiten des hochalpinen Geländes.[11]

Insgesamt folgt der Hintertuxer Gletscher damit dem allgemeinen Entwicklungspfad der Alpengletscher: einem fortschreitenden, klimabedingten Rückgang, dessen Dynamik sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verstärkt hat.[12][13]

Skigebiet

Eine Piste auf dem Hintertuxer Gletscher (Tuxerfernerhang)

Der Hintertuxer Gletscher zählt zu den hochgelegenen Skigebieten der Alpen und bietet die längste Skisaison Österreichs. Der Skibetrieb ist bereits ab Frühherbst bis in das späte Frühjahr möglich. Aufgrund der Höhenlage zwischen 1.500 m und 3.250 m gilt das Gebiet als vergleichsweise schneesicher, wodurch ein Großteil der Lifte und Pisten betrieben werden kann. In den Wintermonaten ist das Gebiet Teil der Ski- & Gletscherwelt Zillertal 3000 (gemeinsam mit Eggalm, Rastkogel, Finkenberg, Penken/Mayrhofen und Ahorn), mit insgesamt 206 Pistenkilometern. Die Talabfahrt führt vom höchsten lifterschlossenen Punkt des Zillertals auf 3.250 Metern Höhe bis in den Ortsteil Hintertux.[14]

Der Hintertuxer Gletscher war bis 2022 ein Ganzjahresskigebiet und zuletzt das einzige Skigebiet Österreichs mit einem durchgehenden Sommerskilaufbetrieb. 2023 wurde dann erstmals an mehreren Tagen im Sommer der Skibetrieb eingestellt, ein Jahr später ab Mitte August für sechs Wochen,[15][16] schließlich 2025 für zwei Monate von Ende Juli bis Ende September und in 2026 ab Mitte Juli.[17][18]

Im Januar 1965 wurde mit dem Einsessellift Sommerberg das Liftskigebiet eröffnet. Nach dem Bau des Schleppliftes zum Tuxerjoch (1968) wurde im selben Jahr mit der Fertigstellung des Einsesselliftes zum Tuxer Fernerhaus (Fertigstellung 1969) erstmals der Gletscher wie auch das Spannagelhaus des ÖTK mit Liften erreicht. Die ersten beiden Gletscherschlepplifte (Olperer- und Gefrorene-Wand-Lift) wurden 1969 errichtet und waren die ersten Gletscherlifte Tirols (der Olpererlift (nicht zu verwechseln mit dem heutigen von 1982) musste allerdings aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit des Gletschers nach gut einem Jahr wieder abgebaut werden). 1971, mit Errichtung des Einsessellifts Gefrorene Wand, wurde der Hintertuxer Gletscher zum Ganzjahresskigebiet.[19]

Lifte und Seilbahnen

Heute wird der Hintertuxer Gletscher mittels drei großer Seilbahnen erreicht, Gletscherbusse genannt. Der Gletscherbus 3 ist die höchste Seilbahn an 2 Stahlseilen der Welt.[20] Die Gletscherbusse sind Seilbahnen des Typs Funitel. Die dritte große Seilbahn wurde erst in der Wintersaison 2008/2009 in Betrieb genommen. Sie trägt nun den Namen Gletscherbus 1 und führt von der Talstation hinauf bis zur Sommerbergalm. Damit wurden die älteren 4-Personengondeln abgelöst, die bisher die Personenbeförderung, zusammen mit der immer noch in Betrieb befindlichen 8-Personen-Kabinenbahn zur Sommerbergalm übernommen hatten. Um einen ganzjährigen Betrieb zu gewährleisten, gibt es in jedem Abschnitt der Zubringerkette von der Talstation zur Gefrorenen Wand 2 Seilbahnen. Insgesamt werden 21 Lifte zum Transport von der Talstation Hintertux (1500 m) bis auf den Gletscher zur Verfügung gestellt.[1]

Weitere touristische Angebote

Brückenspalte im Natureispalast

Neben den Wintersportmöglichkeiten ermöglicht der Hintertuxer Gletscher von einer auf knapp 3.250 Metern gelegenen Panoramaterrasse einen Rundumblick über die Alpen. Zudem wird er als Ausflugsziel genutzt, das auch ohne sportliche Aktivitäten per Seilbahn erreichbar ist.

Das Gebiet eignet sich auch für das Bergwandern, es sind einige Hütten vorhanden, zum Teil mit ganzjähriger Bewirtung. Unterhalb des Bergrestaurants "Spannagelhaus" befindet sich die als Naturdenkmal geschützte Spannagelhöhle. Das Höhlensystem weist eine erforschte Ganglänge von über 13 Kilometern auf und zählt zu den größten Marmorkarsthöhlen der gesamten Zentralalpen.

Der Hintertuxer Gletscher dient zudem als Ausgangspunkt für hochalpine Wanderungen. In der Umgebung verlaufen alpine Routen zu Hütten und Gipfeln der Zillertaler Alpen. Anbindungen bestehen unter anderem an Abschnitte des Berliner Höhenwegs sowie an die Olpererhütte.[21]

Eine Gletscherspalte kann besichtigt werden ("Natur Eis Palast"); der Eingang dazu befindet sich knapp unterhalb der Bergstation des Gletscherbus 3. Besucher steigen dabei über Leitern und Treppen ca. 25 Meter tief ins Eis hinab.[22]

Bilder

Historische Bilder

Commons: Hintertuxer Gletscher – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

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