Ovotestis

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Ein Ovotestis (Zwitterdrüse oder Zwittergonade, auch Testovar[1]) ist eine Gonade (Keimdrüse), die die Funktion von Eierstock (Ovar) und Hoden (Testis) vereint und daher sowohl Eizellen als auch Spermien produzieren kann. Ovotestes finden sich regulär bei verschiedenen Gruppen der Schnecken und bei manchen Seescheiden.[2] Ansonsten sind solche Zwitterdrüsen die Ausnahme, denn Individuen der meisten zwittrigen Tiere besitzen Eierstock und Hoden anatomisch getrennt.

Als Fehlbildung können Ovotestes auch bei anderen Tierarten inklusive des Menschen vorkommen.

Zwitterdrüsen bei Schnecken

Zwitterdrüse der Süßwasserschnecke Biomphalaria glabrata

Zwitterdrüsen treten bei den fast ausschließlich zwittrigen Heterobranchia, darunter Hinterkiemerschnecken (Opisthobranchia) und Lungenschnecken (Pulmonata), auf. Die Zwitterdrüsen sind je nach Art aus einem oder mehreren Lappen und diese je nach Art und Größe des Tieres aus einzelnen bis tausenden Acini, blind endenden, abgerundeten oder birnenförmigen Schläuchen, innerhalb derer die Keimzellen gebildet werden, wobei Ei- und Spermienzellen in verschiedenen Verwandtschaftsgruppen entweder in separaten Regionen oder über den gesamten Acinus verteilt gebildet werden. Die beiden Arten von Keimzellen werden dabei häufig nicht gleichzeitig gebildet, wobei Proterandrie (Bildung von Spermien vor der Bildung von Eizellen) die Regel und Proterogynie die Ausnahme ist. Durch diese zeitliche Trennung wird eine Selbstbefruchtung verhindert.[3]

Ovotestes als Fehlbildungen

Ovotestes können als Fehlbildungen bei verschiedenen Säugetieren auftreten, darunter Menschen, Mäuse und Hunde. Bei echtem Hermaphroditismus (Hermaphroditismus verus) entwickelt sich die Anlage der Keimdrüsen dabei nicht zu einem reinen Eierstock oder Hoden, sondern weist Gewebe beider Organe auf. Hermaphroditen mit zwei Gonosom X-Chromosomen haben dabei meist entweder eine Ovotestis und ein Ovar oder zwei Ovotestes, während Hermaphroditen mit einem X- und einem Y-Chromosom zu 75 % einen rechten Hoden und ein Ovar oder einen Ovotestis und nur selten zwei Ovotestes aufweisen. Der Anteil des Ovar- und Hodengewebes kann dabei fast vollständig auf einer Seite oder irgendwo in der Mitte liegen.[4]

Problem: Maulwurf

Die weiblichen Gonaden der Maulwürfe (Gattung Talpa) bestehen aus einer äußeren Schicht, die als Ovar funktioniert. Der Kernbereich dieser Keimdrüsen sieht jedoch wie bei Hoden aus. Dazu kommen eine zweilappige Prostata, zwei Harnröhrendrüsen und eine penisartige Klitoris. Diese Merkmale führten zu der Hypothese, in dieser Tiergattung gäbe es Zwitter.[5]

Nun wurde bei zwei Maulwurf-Arten (T. europaea und T. romana) gefunden, dass die äußere Schicht der weiblichen Gonaden befruchtungsfähige, reguläre Eizellen entwickelten. Im strangartigen Kernbereich bildeten sich jedoch niemals Spermien. Die Untersuchungen ließen keinen Zweifel: Solche Gonaden sind echte Eierstöcke. Zumindest diese beiden Maulwurfsarten sind getrenntgeschlechtlich – trotz der eigenartig strukturierten Gonaden in den Weibchen.

  • Mit einem anscheinend eindeutigen Phänotyp muss nicht immer die von ihm erwartete Funktion gekoppelt sein.
  • An der Geschlechtsbestimmung wirken viele Gene mit.

Die Erklärung fliefert ein Gen, das bei Säugern die Entwicklung der Hoden bestimmt. Es handelt sich um die geschlechtsbestimmende Region des Y-Chromosoms, kurz SRY (Sex determining Region of Y). Und SRY sei selbstverständlich nicht im XX-Paar des weiblichen, wohl aber im Gonosomenpaar XY des männlichen Karyotyps gegeben.[6] Inzwischen hat man begonnen, die DNA-Sequenz der SRY genauer zu untersuchen.[7]

Nachweise

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