ÖBB 1062

Elektrolokomotiv-Reihe der Österreichischen Bundesbahnen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Reihe 1062 der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) waren vierachsige elektrische Verschubdienstlokomotiven die von 1955 bis 1995 im Einsatz waren. Die Maschinen wurden von der Lokomotivfabrik Floridsdorf gebaut.

Schnelle Fakten
ÖBB 1062
Museumslokomotive 1062.07 auf der Wiener Vorortelinie
Museumslokomotive 1062.07 auf der Wiener Vorortelinie
Museumslokomotive 1062.07 auf der Wiener Vorortelinie
Anzahl: 12
Hersteller: Lokomotivfabrik Floridsdorf
Baujahr(e): 1955
Ausmusterung: 1995
Achsfolge: D
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 10.820 mm
Dienstmasse: 68 t
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Stundenleistung: 660 kW
Dauerleistung: 775 kW
Anfahrzugkraft: 190 kN
Stromsystem: 15 kV/16,7 Hz
Schließen

Geschichte

Durch das Elektrifizierungsprogramm der Österreichischen Bundesbahnen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle großen österreichischen Verschiebebahnhöfe elektrifiziert, wodurch einerseits die bisher eingesetzten Dampflokomotiven überflüssig wurden, andererseits die Anschaffung neuer, elektrischer Verschublokomotiven nötig war. Die ÖBB entschieden sich für die Weiterentwicklung der vorhandenen Reihen 1061 und 1161. Auf der Basis dieser Reihen entstand die Reihe 1062.

Zu Beginn waren die Lokomotiven tannengrün lackiert. Im Zuge einer Hauptausbesserung im April 1981 erhielt 1062.01 eine Lackierung in Blutorange (RAL 2002).

Die Lokomotiven wurden nicht nur im Verschubdienst, sondern auch vor Güterzügen eingesetzt. Zu Beginn waren sie in Villach und Salzburg stationiert, wo sie im Verschub aber auch z.b. als Vorspannloks zwischen Bischofshofen und Eben im Pongau zum Einsatz kamen. Später wurden alle Maschinen nach Wien Süd überstellt. Ein langjähriges Einsatzgebiet waren die Pendler zwischen Hütteldorf und Unterpurkersdorf bei denen die Lok in der Mitte zwischen jeweils zwei Personenwagen eingereiht war.

Nach 40 Dienstjahren wurden alle noch vorhandenen Lokomotiven im Jahre 1995 ausgemustert. Zwei Lokomotiven sind bis heute erhalten geblieben.

Technik

1062.03 beim Verschub des „Orient-Express“ in Wien West (1970)
1062 003-7 noch im Plandienst in Wien Penzing, 1993

Im vorderen Vorbau befinden sich der Luftbehälter, Batteriekästen, Hilfskompressor, Lichtumformer, Zugheizschütz und Hilfsbetriebsschütz. Im hinteren Vorbau sind der Transformator, die Stufenschütze, Fahrtwender, Fahrmotor, Lüftergruppe und der Bremskompressor angeordnet. Dadurch ergeben sich kurze elektrische Leitungswege und eine vorteilshafte Luftführung.

Fahrmotor

Bei der Type ASM 660 handelt es sich um einen Einphasenwechselstrom-Reihenschlußmotor mit Kompensations- und Wendepolwicklung.

  • Dauerleistung: 775 kW an der Motorwelle bzw. 748 kW am Radumfang bei 1000 U/min
  • Stundenleistung: 660 kW an der Motorwelle bzw. 637 kW am Radumfang bei 360 U/min
  • Kühlluftmenge: 3 m³/sek.
  • 100 Kohlenbürsten
  • 20 Pole
  • Gewicht: 9020 kg

Der Fahrmotor befindet sich im hinteren Vorbau oberhalb der Blindwelle zwischen Transformator und Lüfteraggregat. An beiden Wellenenden des Motors sind federnde Ritzelkupplungen aufgesetzt, die die auf der Blindwelle sitzenden Großzahnräder antreiben. Von dort werden die mittels Gestänge die Radsätze angetrieben.

Die Kühlung erfolgt über einen Doppellüfter der gemeinsam mit dem Trafolüfter angetrieben wird. Die Kühlluft tritt auf einer Seite durch einen Stutzen ein und strömt axial über das Statorblechpaket und parallel durch die Kühlkanäle der Ankerbleche. Während ein Teil der Kühlluft den Motor durch eine Öffnung in der unteren Gehäusehälfte verlässt strömt der Rest über den Kommutator und Bürsten durch einen Stutzen auf der Kommutatorseite direkt ins Freie.

Steuerung

Die Schützesteuerung wurde großteils von der Reihe 1161 übernommen. Der Trafo hat sekundarseitig zehn Fahrstromanzapfungen, wobei die erste mit einem Leistungsschütz und die restlichen mit je zwei besetzt sind. Daraus ergibt sich eine sehr hohe Feinstufigkeit mit 19 Fahrstufen.

Zusätzlich wurde eine Umschaltung des Wendefeldwiderstandes für Verschubbetrieb und Fahrten mit höherer Geschwindigkeit hinzugefügt. Mittels eines Hilfskontaktes wurde das Nullspannungsrelais überbrückt, um bei gesenktem Stromabnehmer die Steuerung bei Störungen oder zu Prüfungen durchschalten zu können.

Führerstand

Am Führerpult sind zwischen den beiden Fahrschalter-Handrädern, den Fahrtrichtungsschaltgriffen und den Sandstreuhebeln alle Kippschalter für Hilfsbetrieb und Beleuchtung sowie mechanische Fahrschalterungverriegelung, das Führerbügelventil und der Isolationsprüfschalter untergebracht. Das geneigte Instrumentenpult zeigt das Zugheizamperemeter, das Rückmeldegehäuse, das Primärvolt- und Amperemeter sowie das Batterievoltmeter.

Zusätzlich gibt es links und rechts noch je ein Motoramperemeter und sowie eine Anfahranzeige. Sie zeigt die Anfahrt der Lokomotive durch Pendelbewegung des Zeigers auf einer unbezifferten Skala an. Die Speisung erfolgt von einem Drehbewegungsgeber, welcher in der Nähe der Schmierpumpe angeordnet ist und gemeinsam mit dieser angetrieben wird. Der Ausschlag ist bei der Anfahrt am größten und wird mit steigender Fahrgeschwindigkeit kleiner, bis er sich schließlich auf einem Mittelwert einpendelt da er den rasch folgenden Spannungsschwankungen aufgrund seiner Trägheit nicht mehr folgen kann. Diese Anzeige erleichtert dem Lokführer die Wahl der Fahrstufen beim Anfahren und vermeidet eine Überbeanspruchung des Motors.

Die Fahrtwenderhebeln bzw. Fahrschalter-Handräder sind mechanisch miteinander gekuppelt, wodurch es dem Lokführer jederzeit möglich ist von der linken zur rechten Führerstandseite oder umgekehrt zu wechseln.

Die Automaten sind auf einem eigenen Schaltpult unterhalb des vorderen Mittelfenstern untergebracht. Darunter befindet sich ein zweitüriger Schrank mit sämtlichen Klappdeckelsicherungen, der Remisenumschalter, Lüfterwandler und die Lüfterrelais.

Verbleib

Weitere Informationen Nummer, Baujahr ...
Nummer Baujahr Farbgebung Eigentümer Standort Betriebsfähig
1062.007-8 1955 grün Austrovapor Eisenbahnmuseum Strasshof Ja
1062.012-8 1955 rot ÖGEG Lokpark Ampflwang In Aufarbeitung
Schließen

Siehe auch

Literatur

  • Vorbericht zur Reihe 1062. Eisenbahn 11/1954, Verlag Ployer & Co., Wien, S. 174.
  • Peter Hahn: Beschreibung des elektrischen Teils der Verschublok Reihe 1062. Eisenbahn 5/1956, Verlag Ployer & Co., Wien, S. 76–79.
  • Richard Rotter, Helmut Petrovitsch: Triebfahrzeuge Österreichischer Eisenbahnen  Elektrische Lokomotiven und Triebwagen (2. Aufl.). alba, Düsseldorf, 1999, ISBN 3-87094-174-X.
  • J. Rank: Ausmusterung der Reihe 1062. Eisenbahn Österreich 8/1995, Minirex, Luzern, S. 337–341.
  • Markus Inderst: Bildatlas der ÖBB-Lokomotiven. Alle Triebfahrzeuge der Österreichischen Bundesbahnen. GeraMond, München 2010, ISBN 978-3-7654-7084-4.
Commons: ÖBB 1062 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Related Articles

Wikiwand AI