Şeyda Kurt
deutsche Journalistin und Autorin
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Şeyda Kurt (* 1992 in Köln) ist eine deutsche Journalistin, Schriftstellerin und Aktivistin.

Leben
Şeyda Kurt wuchs im rechtsrheinischen Kölner Veedel Kalk auf,[1] wohin ihre Großeltern in den 1960er Jahren aus der Türkei gekommen waren.[2] Ihre Familie ist kurdischer und türkischer Herkunft. Nach ihrem Abitur am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium in Köln-Mülheim[3] studierte sie von 2011 bis 2017 an der Universität zu Köln und an der Université Bordeaux Montaigne Philosophie und Romanistik. Während ihres Studiums absolvierte sie unterschiedliche journalistische Praktika und arbeitete als freie Journalistin unter anderem für Die Tageszeitung und den Kölner Stadt-Anzeiger. Außerdem war sie für unterschiedliche Filmfestivals (u. a. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen) und Kulturveranstaltungen tätig. Zwischen 2017 und 2020 absolvierte sie den Masterstudiengang Kulturjournalismus an der Universität der Künste Berlin, unter anderem beim Theaterkritiker Dirk Pilz und Bascha Mika. Zwischen 2018 und 2020 war sie Studienstipendiatin der Fazit-Stiftung. Sie lebt in Köln-Kalk[4] und in Berlin.
Im Oktober 2023 reiste sie auf Einladung der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International nach Lampedusa und nahm an einem Einsatz im Aufklärungsflugzeug der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch über dem Mittelmeer teil. Im November 2025 war Kurt unter anderem neben dem kroatischen Philosophen Srećko Horvat und dem schottischen Guardian-Journalisten Ewen MacAskill Teil einer internationalen Delegation der Progressiven Internationalen, die das Westjordanland besuchte.[5]
Seit Januar 2026 ist sie Beiratsmitglied des Vereins Medien in Bewegung, der sich der politischen Medienbildung widmet.[6]
Werk
Als Journalistin und Autorin arbeitet Kurt für unterschiedliche Medien. Von 2018 bis 2019 arbeitete sie in der Redaktion von Ze.tt und veröffentlichte in dieser Zeit zahlreiche Kommentare, Berichte und Reportagen.[7] Für nachtkritik.de schrieb sie bis April 2021 die Kolumne Utopia (Eigenschreibweise: ❤️topia). Darin beschäftigte sie sich unter anderem mit marginalisierten Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern. Als Redakteurin arbeitete sie für den Spotify-Podcast 190220 – Ein Jahr nach Hanau über den rassistischen Terroranschlag in Hanau, der 2021 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Information ausgezeichnet wurde.[8] Kurt moderierte bis 2022 den Spotify-Podcast Man lernt nie aus. Sie war Autorin für das Politische Feuilleton im Deutschlandfunk Kultur.[9][10]
Im April 2021 erschien ihr autobiografisches Sachbuch Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist, in dem sie ein Konzept der „radikalen Zärtlichkeit“ als Programm der Gerechtigkeit entwirft. Sie analysiert darin bürgerliche Liebesnormen aus einer queerfeministischen, dekolonialen, anti-rassistischen und anti-kapitalistischen Perspektive und thematisiert unter anderem ihre eigenen, gescheiterten Beziehungen.[11] Das Buch stieg auf Platz vier der Spiegel-Bestsellerliste ein, hielt sich dort über 20 Wochen und wurde von zahlreichen Medien positiv besprochen.[12][13][14][15][16][17]
Im März 2023 erschien Kurts Essay Hass – Von der Macht eines widerständigen Gefühls. Auch dieses Buch wurde ein Bestseller und bekam positive Kritiken.[18] In der Süddeutschen Zeitung schrieb etwa Aurelie von Blazekovic, „Kurt dürfte nach ihrem zweiten Buch […] als eine der interessantesten jungen Autorinnen in diesem Land in Erinnerung bleiben.“[19]
Kurt ist mit den Medienwissenschaftlern Holger Pötzsch und Thomas Spies Herausgeberin des Sammelbandes Spiel*Kritik. Kritische Perspektiven auf Videospiele im Kapitalismus, der im April 2025 im Transcript Verlag erschien.[20]
Sie hat Texte für die Neuinszenierung von Eine Volksfeindin am Nationaltheater Mannheim verfasst, das Stück und ihre Beiträge wurden von der Kritik lobend rezipiert.[21] So schreibt Katharina Kovalkov-Walth: „Die radikale Sprache der scharfsinnigen Journalistin Şeyda Kurt kennt keine rhetorischen Tabus und wühlt sich tief ins Gewissen […].“[22] Im April 2025 wurde erstmals unter der Regie von Felicitas Brucker die Inszenierung von Bertolt Brechts Drama Trommeln in der Nacht mit zusätzlichen Texten von Kurt am Schauspielhaus Bochum aufgeführt.
Kurt ist außerdem regelmäßig als Moderatorin im Einsatz und moderierte im Juli 2021 die Preisverleihung des Theaterpreises des Bundes 2021. Sie hält Vorträge und gibt Workshops zum journalistischen Schreiben. Sie ist regelmäßig als Fernseh- und Radiogast eingeladen.[23][24][25]
Seit Januar 2025 moderiert sie ihre eigene Talkreihe am Schauspielhaus Bochum, zu den Gästen zählten die Rapperin Ebow und die Philosophin Eva von Redecker.[26] Im Juli 2026 startete ihre Ratgeberkolumne bei Jacobin.[27]
Am 21. Juli 2026 erschien Kurts Debütroman Zeit der Monster im Carl Hanser Verlag. In ihrem ersten Roman geht es Kurt darum, dass sie nach ihren zwei Sachbüchern kein weiteres Sachbuch schreiben wolle, um „der Verengung der Meinungskoridorre“ in der deutschen Debattenkultur zu entgehen. Ihr Buch sei zwischen Gesellschaftsroman, Tragikomödie, politischem Thriller angesiedelt; sie wolle sich in einer „Zeit der pathologischen Zukunftsunfähigkeit“ für den politischen Wandel aussprechen.[28]
Der Roman wurde in mehreren Medien positiv besprochen. Kritiker hoben insbesondere die ungewöhnliche Verbindung von dystopischen, politischen und popkulturellen Elementen sowie die Auseinandersetzung mit Gemeinschaft und Solidarität hervor. Denis Scheck bezeichnete den Roman im WDR 3 als „fulminantes Debüt“.[29] Florian Schmid schrieb im der Freitag, Kurt habe ein „aberwitziges Pop-Epos“ verfasst, das „zum richtigen Kracher“ werde.[30] Sally-Charell Delin würdigte den Roman im Saarländischen Rundfunk als „außergewöhnliches Stück Literatur“, das „Gemeinschaft und Solidarität beschwört“.[31] Anja Kümmel hob im Tagesspiegel hervor, dass Kurt in ihrem „fulminanten Debüt“ Utopien freilege.[32] Im Büchermarkt des Deutschlandfunks bezeichnete Leander Berger das Werk als „eine Zumutung ja, aber auch ein großes Vergnügen.“[33]
Das Werktagebuch zum Roman übergab Kurt DOMiD für die Sammlung des Migrationsmuseums Selma.[34]
Veröffentlichungen
Bücher
- Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist. HarperCollins Germany, Berlin 2021, ISBN 978-3-7499-0114-2.
- als Hörbuch: Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist (gelesen von Şeyda Kurt). HarperCollins Germany, 2021, ISBN 978-3-7499-0182-1.
- Hass. Von der Macht eines widerständigen Gefühls. HarperCollins Germany, Berlin 2023, ISBN 978-3-365-00158-5.
- als Hörbuch: Hass. Von der Macht eines widerständigen Gefühls (gelesen von Şeyda Kurt). HarperCollins Germany, 2023, ISBN 978-3-365-00219-3.
- englischsprachige Übersetzung: Hate. The Uses of a Powerful Emotion, übersetzt von Jackie de Pont, Verso, London 2025.
- Zeit der Monster. Roman. Hanser, München 2026, ISBN 978-3-446-70082-6.
- als Hörbuch: Zeit der Monster (gelesen von Şeyda Kurt). Tacheles!, 2026, ISBN 978-3-86484-879-7.
als Herausgeberin
- mit Thomas Spies und Holger Pötzsch: Spiel*Kritik: Kritische Perspektiven auf Videospiele im Kapitalismus. transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-6797-4 (Open Access).
Buchbeiträge (Auswahl)
- Texte in der Anthologie Daniela Dröscher, Paula Fürstenberg (Hrsg.): Soll und Habitus. Sukultur, 2021, ISBN 978-3-95566-139-7.
- Widerstand im Traumaland. Was migrantische Kämpfe in Ost und West voneinander lernen können. In: Franziska Richter (Hrsg.): TRAUMaLAND. Dietz Verlag, Bonn 2021, ISBN 978-3-8012-0621-5.
- Ein Zuhause im Glitch. Nachwort. In: Tice Cin: Ein Zuhause schaffen. Aki Verlag, 2022, ISBN 978-3-311-35008-8.
- Kultur ist kein Luxus. In: Ines Schwerdtner, Lukas Scholle (Hrsg.): GENUG! Warum wir einen politischen Kurswechsel brauchen. Brumaire, Berlin 2023, ISBN 978-3-948608-27-9.
- In welchem System relevant? In: Svenja Reiner, Simon Sievers, Henning Mohr (Hrsg.): Systemkritik! Essays für eine Kulturpolitik der Transformation. transcript Verlag, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6655-7, S. 93–96.
- Protest. In: Tanja Raich (Hrsg.): Frei sein. Kein & Aber Verlag, Zürich 2024, ISBN 978-3-0369-5028-0.
- Instagram. In: Wolfgang M. Schmitt, Ann-Kristin Tlusty (Hrsg.): Selbst Schuld! Carl Hanser Verlag, München 2024, ISBN 978-3-446-28130-1, S. 154–175.
Auszeichnungen
- Grimme Online Award in der Kategorie Information für "190220 – Ein Jahr nach Hanau"[35]
- Platz 3 bei den besten Journalisten-Teams des Jahres 2021 im Medium Magazin (mit Viola Funk, Alena Jabarine und Sham Jaff) für die Arbeit an "190220 – Ein Jahr nach Hanau"[36]
- Die TH Nürnberg wurde bei der Aktion "Eine Uni – ein Buch" vom Stifterverband prämiert. Mit dem dazugehörigen Projekt "OHMYLOVE – Technologie trifft Zärtlichkeit" bot sie im Sommersemester 2022 und im Wintersemester 2022/2023 Veranstaltungen und Aktionen rund um das Werk „Radikale Zärtlichkeit – warum Liebe politisch ist“ an.[37]
- In der Ausgabe vom September 2021 wählte das Magazin Zeit Campus Kurt zu 30 jungen Helden, die für eine bessere Zukunft kämpfen
- In der Ausgabe vom Januar 2023 wählte das Kulturmagazin tipBerlin Kurt zu den 25 Köpfen, die 2023 Berlin aufmischen werden