(1911) Schubart

Asteroid des Hauptgürtels From Wikipedia, the free encyclopedia

(1911) Schubart ist ein Asteroid jenseits des äußeren Hauptgürtels, der am 25. Oktober 1973 vom Schweizer Astronomen Paul Wild am Observatorium Zimmerwald bei einer Helligkeit von 16,5 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass er bereits vom 27. Februar bis 17. März 1928 mehrfach an der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, 1933 am Krim-Observatorium in Simejis, 1941 am Iso-Heikkilä Observatory in Finnland, 1951 und 1952 am McDonald-Observatorium in Texas, 1960 am Goethe-Link-Observatorium in Indiana sowie 1968 und 1972 am Krim-Observatorium in Nautschnyj fotografiert worden war.

Schnelle Fakten Asteroid ...
Asteroid
(1911) Schubart
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Eigenschaften des Orbits Animation
Oskulation für Epoche: 21. November 2025 (JD 2.461.000,5)
Orbittyp Hauptgürtelasteroid
Asteroidenfamilie Schubart-Familie
Große Halbachse 3,981 AE
Exzentrizität 0,173
Perihel – Aphel 3,292 AE  4,670 AE
Perihel  Aphel  AE   AE
Neigung der Bahnebene 1,6°
Länge des aufsteigenden Knotens 284,8°
Argument der Periapsis 181,9°
Zeitpunkt des Periheldurchgangs 31. Juli 2022
Siderische Umlaufperiode 7 a 344 d
Siderische Umlaufzeit {{{Umlaufdauer}}}
Mittlere Orbital­geschwin­digkeit {{{Umlaufgeschwindigkeit}}} km/s
Mittlere Orbital­geschwin­digkeit 14,82 km/s
Physikalische Eigenschaften
Mittlerer Durchmesser 67,5 km ± 0,7 km
Abmessungen
Masse Vorlage:Infobox Asteroid/Wartung/Masse kg
Albedo 0,04
Mittlere Dichte g/cm³
Rotationsperiode 11 h 55 min
Absolute Helligkeit 10,0 mag
Spektralklasse {{{Spektralklasse}}}
Spektralklasse
(nach Tholen)
P
Spektralklasse
(nach SMASSII)
Geschichte
Entdecker Paul Wild
Datum der Entdeckung 25. Oktober 1973
Vorläufige Bezeichnung 1928 DW, 1933 UX1, 1941 SU1, 1951 AH1, 1952 DS2, 1960 EF, 1968 FM, 1972 RO, 1972 TY4, 1973 UD
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten.
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Der Asteroid ist benannt nach dem deutschen Astronomen Joachim Schubart (* 1928) vom Astronomischen Rechen-Institut, der Mittelungsverfahren zur Untersuchung der Langzeitbewegungen von Kleinplaneten entwickelte und diese zur detaillierten Erforschung der Theorie der Hilda-Gruppe anwandte, zu der auch dieser Asteroid gehört. Zusammen mit Peter Stumpff (1925–2005) entwickelte er ein weit verbreitetes Computerprogramm zur numerischen Integration von n Körpern und nutzte es zur Bestimmung der Massen von (1) Ceres und (2) Pallas.

(1911) Schubart wird zwar zu den Hauptgürtelasteroiden gezählt, bewegt sich aber weit außerhalb der Hecuba-Lücke und ist ein Mitglied der Hilda-Gruppe. Diese bewegt sich in einer 3:2-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter um die Sonne.[1] Obwohl der gegenseitige Bahnabstand (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Jupiter und (1911) Schubart immer wieder zwischen 0,47 und 0,57 AE schwankte, sind sich die beiden Himmelskörper durch die Bahnresonanz in den vergangenen 10.000 Jahren nie näher gekommen als bis auf etwa 1,92 AE (288 Mio. km).[2]

Wissenschaftliche Auswertung

Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 erstmals Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (1911) Schubart, für den damals Werte von 80,1 km bzw. 0,02 erhalten wurden.[3] Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot speziell für Mitglieder der Hilda-Gruppe führte 2012 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 67,5 km bzw. 0,04.[4] Eine Untersuchung von 2021 berechnete aus Beobachtungen mit dem Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (SOFIA) vom 4. Juni 2011 in Verbindung mit weiteren Daten von IRAS, AKARI und WISE Werte für den Durchmesser und die Albedo von 72 km bzw. 0,04. Darüber hinaus stimmten die thermischen Messungen gut mit einer ellipsoidischen Form mit einem Achsenverhältnis von 1,3:1 überein.[5]

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 29. August bis 2. September 1995 am La-Silla-Observatorium in Chile. Die aufgezeichneten Lichtkurven zeigten kaum Helligkeitsänderungen und konnten nicht weiter ausgewertet werden.[6] Weitere Beobachtungen ohne verwertbares Ergebnis erfolgten vom 17. Februar bis 9. März 2015 während fünf Nächten am Oakley Southern Sky Observatory, der australischen Außenstation des Rose-Hulman Institute of Technology in Indiana,[7] und vom 6. bis 16. April 2016 am gleichen Ort.[8]

Dagegen konnte bei Messungen am 26. Februar und 10. März 2015 am Lindby Observatory in Schweden eine unvollständige Lichtkurve aufgezeichnet werden, aus der eine Rotationsperiode von 7,91 h abgeleitet wurde.[9] Dies war aber offenbar wegen der kurzen Beobachtungszeit eine Fehlauswertung, denn weitere Messungen vom 3. bis 24. April 2016 während zehn Nächten am Center for Solar System Studies (CS3) in Kalifornien ließen sich zu einer Rotationsperiode von 11,915 h auswerten.[10] Dieses Ergebnis konnte auch durch weitere Beobachtungen vom 27. bis 23. November 2021 am Command Module Observatory in Arizona mit einer abgeleiteten Periode von 11,930 h bestätigt werden.[11]

Im Jahr 2023 wurde aus photometrischen Messungen von Gaia DR3 erstmals ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit prograder Rotation und einer Periode von 11,9229 h berechnet.[12] Neue Messungen vom 24. Februar bis 7. Juli 2024 während zehn Nächten am New Mexico Skies Observatory in New Mexico führten in der Auswertung zu einer Rotationsperiode von 11,921 h.[13]

Schubart-Familie

(1911) Schubart ist namensgebendes und größtes Mitglied einer Asteroidenfamilie mit ähnlichen Bahneigenschaften, wie eine Große Halbachse von 3,98–4,04 AE, eine Exzentrizität von 0,15–0,23 und eine Bahnneigung von 2,6°–3,2°. Taxonomisch handelt es sich um Asteroiden der Spektralklassen C und X, die mittlere Albedo liegt bei 0,04. Der Schubart-Familie wurden im Jahr 2019 etwa 660 Mitglieder zugerechnet,[14] ihr Alter wurde auf 1,7 ± 0,7 Mrd. Jahre geschätzt, als ein Vorgängerkörper von 110–130 km Größe von einem möglicherweise 25 km großen Impaktor getroffen wurde, der wahrscheinlich aus dem Bereich des Hauptgürtels kam.[15] Eine neuere Untersuchung von 2019 schätzte das Alter der Familie auf 1,56 ± 0,34 Mrd. Jahre.[16]

Siehe auch

Einzelnachweise

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