(761) Brendelia
Asteroid des Hauptgürtels
From Wikipedia, the free encyclopedia
(761) Brendelia ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 8. September 1913 vom deutschen Astronomen Franz Kaiser an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg bei einer Helligkeit von 13,5 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass er am gleichen Ort bereits am 13. und 15. November 1904 fotografiert worden war. Es handelt sich wahrscheinlich um ein Doppelasteroidensystem aus zwei ähnlich großen Komponenten.
| Asteroid (761) Brendelia | |
|---|---|
| Eigenschaften des Orbits Animation | |
| Orbittyp | Äußerer Hauptgürtel |
| Große Halbachse | 2,863 AE |
| Exzentrizität | 0,062 |
| Perihel – Aphel | 2,686 AE – 3,039 AE |
| Neigung der Bahnebene | 2,155° |
| Länge des aufsteigenden Knotens | 23,7° |
| Argument der Periapsis | 298,7° |
| Zeitpunkt des Periheldurchgangs | 24. September 2024 |
| Siderische Umlaufperiode | 4 a 308 d |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 17,59 km/s |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mittlerer Durchmesser | 20,8 km ± 0,3 km |
| Albedo | 0,16 |
| Rotationsperiode | 2 d 10 h |
| Absolute Helligkeit | 10,9 mag |
| Spektralklasse (nach Tholen) |
SC |
| Geschichte | |
| Entdecker | Franz Kaiser |
| Datum der Entdeckung | 8. September 1913 |
| Andere Bezeichnung | 1904 VE, 1913 RE, 1940 EM, 1966 QF |
| Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten. | |
Der Asteroid wurde 1922 vom Entdecker benannt zu Ehren von Martin Brendel (1862–1939), Leiter der Sternwarte des Physikalischen Vereins in Frankfurt am Main und zu jener Zeit Direktor des Planeten-Instituts der Universität Frankfurt, in Anbetracht seiner Verdienste um die Theorie der Kleinen Planeten.[1] Brendel selbst wählte dafür unter den von Kaiser entdeckten, aber noch unbenannten Asteroiden denjenigen mit der geringsten Bahnneigung aus.
(761) Brendelia ist eines der größeren Mitglieder der Koronis-Familie, einer sehr zahlreichen Gruppe von Asteroiden, die durch eine kollisionsbedingte Zerstörung des Vorgängerkörpers von (158) Koronis entstanden.
Wissenschaftliche Auswertung
Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 für (761) Brendelia zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 22,5 km bzw. 0,17.[2] Nachdem die Werte nach neuen Messungen mit NEOWISE 2012 auf 23,0 km bzw. 0,16 geändert worden waren,[3] wurden sie 2014 auf 20,8 km bzw. 0,19 korrigiert.[4]
Eine spektroskopische Untersuchung von 820 Asteroiden zwischen November 1996 und September 2001 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (761) Brendelia eine taxonomische Klassifizierung als S-Typ.[5]
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 27. und 28. März 1974 am Observatorium Kvistaberg in Schweden. Die aufgezeichneten Daten zeigten keine Veränderlichkeit und konnten nicht weiter ausgewertet werden.[6] Weitere Beobachtungen erfolgten am 16. und 17. Dezember 2001 am Whitin Observatory in Massachusetts. Da die registrierten Daten auf eine Rotationsperiode >15 h schließen ließen, wurden vom 21. Februar bis 20. Mai 2003 am gleichen Ort zusätzliche Messungen durchgeführt. Aus der während 16 Nächten aufgezeichneten Lichtkurve wurden zwei mögliche Perioden von 26,25 und 57,96 h abgeleitet, wovon die kürzere aber verworfen und die längere Periode als die Richtige angesehen wurde.[7]
Aus einer Kombination von photometrischen Daten der Lowell Observatory Database mit thermischen Infrarot-Messungen von NEOWISE wurde in einer Untersuchung von 2018 erstmals ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für eine Rotationsachse mit retrograder Rotation und einer Periode von 57,995 h berechnet.[8]
Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 57,999 h bestimmt werden.[9]
Doppelasteroidensystem
Photometrische Beobachtungen vom 24. Juli bis 5. August 2024 durch die Grupo de Observadores de Rotaciones de Asteroides (GORA) an mehreren Observatorien in Argentinien, Spanien und Italien zeigten, dass es sich bei (761) Brendelia um einen Doppelasteroiden mit einer Umlaufperiode von 57,08 h handelt. Gegenseitige Verfinsterungen und Bedeckungen deuten darauf hin, dass beide Komponenten ähnliche ellipsoidische Formen mit mittleren Durchmessern von etwa 14,7 km aufweisen und sich auf einer Bahn mit einer Großen Halbachse von etwa 72 km umrunden, vermutlich in einer gebundenen Rotation.[10][11][12]
Siehe auch
Weblinks
- (761) Brendelia beim IAU Minor Planet Center (englisch)
- (761) Brendelia in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
- (761) Brendelia in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch).
- (761) Brendelia in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).