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Parteitag der CDU Deutschlands 2021

Parteitag der CDU 2021 From Wikipedia, the free encyclopedia

Der 33. Parteitag der Christlich Demokratischen Union Deutschlands fand vom 15. Januar bis zum 16. Januar 2021 erstmals als digitale Veranstaltung ohne örtliche Präsenz von Delegierten statt. Wichtigster Programmpunkt war die Neuwahl des gesamten CDU-Bundesvorstands und eines neuen Parteivorsitzenden.

Schnelle Fakten
Titel 33. ordentlicher Parteitag
Ordnungsnummer 33
Ort Berlin/digital
Beginn 15. Januar 2021
Dauer (in Tagen) 2
Delegierte 1.001
Website www.cdu-parteitag.de
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Weitere Informationen Ergebnis des 2. Wahlgangs ...
Ergebnis des
2. Wahlgangs
52,6 %
47,0 %
Laschet Merz
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Weitere Informationen Ergebnis des 1. Wahlgangs ...
Ergebnis des 1. Wahlgangs
38,8 %
38,3 %
22,6 %
Merz Laschet Röttgen
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Um den Vorsitz kandidierten die nordrhein-westfälischen Politiker Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Laschet gewann die digitale Abstimmung im zweiten Durchgang. Das Ergebnis wurde in einer anschließenden Briefwahl rechtlich abgesichert.[1][2]

Vorgeschichte

Geplanter Parteitag am 25. April 2020

Am 10. Februar 2020 kündigte die amtierende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl 2021 sowie den Rückzug vom Parteivorsitz an.[3] Ursprünglich sollte daraufhin bereits am 25. April 2020 in Berlin ein zusätzlicher Parteitag zur Neuwahl eines Vorsitzenden stattfinden, die Einberufung des ordentlichen Parteitages war am 24. Februar 2020 vom Bundesvorstand beschlossen worden. Am 12. März 2020 wurde bekannt, dass der Parteitag aufgrund der COVID-19-Pandemie verschoben werde.[4]

Geplanter Parteitag am 4. Dezember 2020

Am 14. September 2020 gab CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bekannt, dass der reguläre Bundesparteitag verkürzt auf einen Tag am 4. Dezember 2020 in Stuttgart stattfinden solle, nachdem am Vortag das Präsidium und der Bundesvorstand getagt hatten. Auf der Tagesordnung des Parteitages, der unter einem straffen Corona-Hygienekonzept erfolgen sollte, hätten demnach lediglich die Rede der scheidenden Parteivorsitzenden Kramp-Karrenbauer, eine Aussprache und die Wahl des neuen Vorstandes gestanden. Inhaltliche Debatten wären entfallen.[5]

Am 26. Oktober 2020 entschied sich der Parteivorstand der CDU wegen der Entwicklung der COVID-19-Pandemie gegen die bisher geplante Terminierung des Parteitags und beschloss, frühestens Mitte Dezember über den neuen Termin zu entscheiden. Wegen der Einladungsfrist von vier Wochen stand somit fest, dass der Parteitag erst 2021 stattfinden konnte. Insbesondere Friedrich Merz, der selber nicht im Bundesvorstand sitzt, kritisierte diese Entscheidung heftig und vermutete, „dass die Verlegung des Parteitages mit Corona wenig und mit anderen Erwägungen sehr viel zu tun hat“.[6] Er interpretierte die Parteitagsverschiebung als Teil einer Strategie des „CDU-Establishments“, seine Wahl zum Parteivorsitzenden zu verhindern.[7]

Digitalparteitag und Briefwahl

Die drei Kandidaten für den Parteivorsitz, Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen, verständigten sich am 31. Oktober 2020 darauf, dem Parteivorstand Mitte Januar 2021 als neuen Termin für den Parteitag vorzuschlagen.[8] Am 14. Dezember 2020 beschloss der CDU-Parteivorstand, dass der Parteitag am Freitagabend, dem 15. Januar 2021, beginnen und fast vollständig digital erfolgen sollte. Ausschließlich das Präsidium der Partei sowie die Kandidaten nahmen gemeinsam aus der Messe Berlin teil, alle anderen Delegierten wurden digital zugeschaltet.[9]

Ferner wurde festgelegt, den gesamten neuen CDU-Bundesvorstand inklusive des Vorsitzenden am 16. Januar zunächst digital zu wählen. Anschließend folgte eine rechtlich verbindliche Schlussabstimmung per Briefwahl, deren Ergebnis am 22. Januar 2021 verkündet wurde.[10][11] Bei dieser Briefwahl stand ausschließlich Armin Laschet als Gewinner der digitalen Wahl zur Abstimmung, die Ankreuzmöglichkeiten waren „ja“, „nein“ und „Enthaltung“.[12] Laschet erhielt 796 von 980 abgegebenen Stimmen.[11] Es handelte sich um die erste digital durchgeführte Personenwahl der deutschen Parteiengeschichte.[13]

Hackerangriffe

Laut Generalsekretär Paul Ziemiak erfuhr die CDU während des Parteitags Hackerangriffe in Form von DDoS-Attacken auf die eigene Internetpräsenz. Doch sei die Partei auf solche Angriffe vorbereitet gewesen und konnte diese größtenteils abwehren und ihnen ausweichen. Die digitalen Arbeitsplätze der Delegierten waren außerhalb der CDU-Infrastruktur aufgesetzt und daher nicht betroffen, genauso wie das digitale Wahlsystem des Anbieters, das auf nicht öffentlich bekannten Servern lief. Dadurch war nur zwischenzeitlich das Streaming des Parteitags über die CDU-Webseite eingeschränkt – die Übertragung bei YouTube und im Fernsehen lief jedoch weiter.[14]

Personalien

Auf dem Parteitag stand eine Neuwahl des gesamten CDU-Bundesvorstands an, der auf dem Parteitag im Dezember 2018 gewählt worden war.[15]

Bundesvorsitz

Bereits im Februar 2020 hatte die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer erklärt, auf das Amt zu verzichten.[16][17] Zunächst gab Norbert Röttgen am 18. Februar seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt, am 25. Februar folgten dann kurz hintereinander NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, unterstützt vom zeitweilig selbst als Kandidaten gehandelten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, und Friedrich Merz, der zuvor bereits beim Parteitag 2018 kandidiert hatte.[18][19][20][21]

Die Wahl zum Vorsitzenden galt auch als programmatische Richtungsentscheidung und wichtige Vorwahl für den Kanzlerkandidaten von CDU und CSU bei der Bundestagswahl, weil Angela Merkel angekündigt hatte, nicht wieder anzutreten. Hierauf wurden auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Jens Spahn Ambitionen nachgesagt.[22]

Kandidaten und Ergebnisse

Digitale Abstimmung
Weitere Informationen Bild, Persönliches ...
BildPersönlichesÄmter (Stand: 15.01.2021)Verkündung Ergebnis

1. Wahlgang

Ergebnis

2. Wahlgang

Armin Laschet

(* 1961)
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen

Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (seit 2017)

Stellvertretender Vorsitzender der CDU (seit 2012)
Vorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen (seit 2012)
Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen (seit 2010)
Mitglied des Europäischen Parlaments (1999–2005)
Mitglied des Bundestags (1994–1998)

25. Februar 2020
380/1001
521/1001
Friedrich Merz

(* 1955)
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen

Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag (2000–2002)

Mitglied des Bundestags (1994–2009)
Mitglied des Europäischen Parlaments (1989–1994)

25. Februar 2020
385/1001
466/1001
Norbert Röttgen

(* 1965)
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen

Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses (seit 2014)

Mitglied des Bundestags (1994–heute)
Bundesumweltminister (2009–2012)
Stellvertretender Vorsitzender der CDU (2010–2012)
Vorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen (2010–2012)
Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (2005–2009)

18. Februar 2020
224/1001
—
Enthaltung
3/1001
4/1001
nicht abgestimmt
9/1001
10/1001
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Briefwahl
Weitere Informationen Bild, Kandidat ...
BildKandidatStimmen
Armin Laschet

(* 1961)
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen

796/1001
Nein
159/1001
Enthaltung
22/1001
Ungültig
3/1001
nicht abgestimmt
21/1001
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Wahlkampf

Vor dem Parteitag gab es Mitte Dezember 2020 jeweils einen Livestream mit den drei Kandidaten für den Parteivorsitz sowie zwei gemeinsame Kandidatenrunden am 14. Dezember 2020 und 8. Januar 2021. Bereits im Oktober hatte die Junge Union den sogenannten JUPitch mit den drei Kandidaten durchgeführt und sich anschließend in einer online durchgeführten Abstimmung mehrheitlich für Friedrich Merz entschieden. Der JU-Vorsitzende Tilman Kuban erklärte, dass er das Ergebnis für sich selbst als bindend und für die 100 Delegierten der JU als eine wichtige Empfehlung betrachte.[23]

Der CDU-Wirtschaftsflügel, die Mittelstands-Union, unterstützte schon vor Absage des ersten Parteitagstermins per Beschluss einer Präsidiumssitzung im März 2020 die Kandidatur von Friedrich Merz[24], der Bundesvorstand des Arbeitnehmerflügels CDA sprach sich im Dezember einstimmig für Armin Laschet aus.[25] Die Frauen-Union erklärte rund eine Woche vor dem digitalen Parteitag, die Kandidaturen von Armin Laschet und Norbert Röttgen zu unterstützen.[26]

Umfragen

Weitere Informationen Erhebungszeitraum, Institut ...
Erhebungszeitraum Institut Befragte
Laschet

Merz

Röttgen
Andere/Keiner
15. Januar 2021 Forsa[27] ? 19 % 21 % 29 % 31 %
4–5. Januar 2021 Infratest dimap[28] 1.020 18 % 27 % 22 % 19 %
CDU-Wähler 25 % 29 % 25 % —
24–25. November 2020 Infratest Dimap[29] 1.047 15 % 27 % 16 % 21 %
CDU-Wähler 15 % 39 % 22 % 15 %
20–22. Oktober 2020 Forsa[30] 1.007 CDU-Mitglieder 24 % 45 % 13 % —
3–5. März 2020 Forschungsgruppe Wahlen[31] 1.276 24 % 27 % 11 % 30 %
CDU-Wähler 27 % 40 % 10 % 19 %
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Prognose von Delegiertenstimmen
Weitere Informationen Datum, Institut ...
Datum Institut
Laschet

Merz

Röttgen
Andere
14. Januar 2021 The European[32] 310 410 180 100
11. Januar 2021 The European[33] 310 395 125 170
8. Januar 2021 The European[34] 290 395 115 200
3. Januar 2021 The European[35] 260 380 60 300
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Stellvertretende Vorsitzende

Die bisherigen Stellvertreter traten, mit Ausnahme des neuen Vorsitzenden Armin Laschet, alle wieder an. Für seinen Platz kandidierte Jens Spahn, der bereits im parteiinternen Wahlkampf Laschet als Teampartner unterstützt hatte.

Weitere Informationen Kandidat, Digital ...
KandidatDigitalBriefwahl
Volker Bouffier806834
Silvia Breher777806
Julia Klöckner787818
Jens Spahn589624
Thomas Strobl670723
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Schatzmeister

Weitere Präsidiumsmitglieder

Zur Wahl der sieben weiteren Präsidiumsmitglieder kandidierte Mike Mohring nicht wieder, Jens Spahn war bereits zuvor zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt worden. Es wurden gewählt:

Weitere Informationen Kandidat, Digital ...
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Weitere Bundesvorstandsmitglieder

In den Bundesvorstand wurden 26 Beisitzer gewählt:

Weitere Informationen Kandidat, Landesverband ...
KandidatLandesverbandDigitalBriefwahl% Briefwahl
Christian BaldaufRheinland-Pfalz87293397,09
Thomas BareißBaden-Württemberg62083987,30
Peter BeuthHessen66288091,57
Hermann GröheNordrhein-Westfalen78388692,20
Serap GülerNordrhein-Westfalen77185789,18
Elke HannackNordrhein-Westfalen61683887,20
Stefan HeckHessen66286089,49
Mechthild HeilRheinland-Pfalz68387290,74
Elisabeth Heister-NeumannNiedersachsen56379983,14
Gudrun Heute-BluhmBaden-Württemberg53277080,12
Laura HopmannNiedersachsen77387891,36
Anna KreyeSachsen-Anhalt70685088,45
Thomas KufenNordrhein-Westfalen72689593,13
Carsten LinnemannNordrhein-Westfalen72683987,30
Mike MohringThüringen52771874,71
Karin PrienSchleswig-Holstein67181684,91
Lucia PuttrichHessen61386489,91
Jan RedmannBrandenburg62486089,49
Herbert ReulNordrhein-Westfalen82190393,96
Ina ScharrenbachNordrhein-Westfalen64682585,85
Dagmar SchipanskiThüringen62382786,06
Marc SpeicherSaarland60385689,07
Marco WanderwitzSachsen71586489,91
Wiebke WinterBremen73585488,87
Monica WüllnerBaden-Württemberg59981684,91
Otto WulffNordrhein-Westfalen71083486,78
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Als Mitgliederbeauftragter wurde gewählt:

Ablauf

Am Freitag, 15. Januar, standen neben den Reden von Parteivorsitzender und Generalsekretär Grußworte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, des CSU-Vorsitzenden Markus Söder und des Präsidenten der Europäischen Volkspartei (EVP) Donald Tusk an, zudem die Berichte des Bundesschatzmeisters sowie des Mitgliederbeauftragten. Gewählt wurden bereits Vertreter für den EVP-Vorstand und die Kongresse der EVP sowie der Mitgliederbeauftragte und das Bundesparteigericht.

Am Samstag wurde in zwei Wahlgängen, da keiner der drei Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichte, der neue Parteivorsitzende gewählt. Der Bundestagsfraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus sowie der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament Daniel Caspary erstatteten Bericht. Bevor die weiteren Posten in Vorstand und Präsidium gewählt wurden, richteten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz und die belarussische Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja Grußworte an die Delegierten. Der Parteitag endete mit den Antragsberatungen und dem Schlusswort des neugewählten Vorsitzenden Laschet.

Die Vorstellung der Kandidaten für Beisitzerpositionen in Präsidium und Bundesvorstand erfolgte digital durch zuvor eingereichte Videos. Nur die Kandidaten für Parteivorsitz und stellvertretenden Parteivorsitz waren in Berlin versammelt.

Beschlüsse

Da das Hauptziel des digitalen Parteitags die Neuwahl des Bundesvorstands war, wurde auf eine sonst übliche Antragsberatung verzichtet. Lediglich über den Leitantrag des Bundesvorstands Die CDU: digital und schlagkräftig wurde abgestimmt, er wurde von den Delegierten mit großer Mehrheit angenommen. Hierin fordert die Partei unter anderem eine Reform des Parteiengesetzes, „um Rechtssicherheit für die Durchführung von Online-Parteitagen mit verbindlicher Beschlusskompetenz herbeiführen zu können“.[36]

Siehe auch

Einzelnachweise

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