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AEG Bo Bo 100t

elektrische Tagebaulokomotive From Wikipedia, the free encyclopedia

Die 13 elektrischen Tagebaulokomotiven AEG Bo Bo 100t wurden von 1942 bis 1950 bei AEG, bei Henschel und bei Škoda gefertigt. Die vierachsigen normalspurigen Tagebaulokomotiven wurden an verschiedene Tagebauunternehmen geliefert. Während des Zweiten Weltkrieges wurden sieben Lokomotiven produziert, sie wurden bei der Sudetenländischen Bergbau AG in Brüx eingesetzt. 1949 wurden von Škoda noch fünf Lokomotiven für das nun als Severočeské hnědouhelné doly (SHD) bezeichnete Unternehmen weiterproduziert. Henschel stellte 1950 in Zusammenarbeit mit der AEG noch eine Lokomotive her, die zuerst bei den Niederrheinischen Braunkohlenwerken Frimmersdorf und der Roddergrube, später bei Rheinbraun lief. Die Lokomotive war bis Ende der 1980er Jahre im Einsatz und wurden danach ausgemustert und verschrottet.

Schnelle Fakten Industrielokomotive für Tagebaue ...
Industrielokomotive für Tagebaue
AEG Bo Bo 100t
Bedienungsfahrt bei der Grube Hedwig Brüx mit AEG 5603 (1943)
Bedienungsfahrt bei der Grube Hedwig Brüx mit AEG 5603 (1943)
Bedienungsfahrt bei der Grube Hedwig Brüx mit AEG 5603 (1943)
Nummerierung: SUBAG / SHD 301–312
Rheinbraun 693
KBE E1
Anzahl: 13
Hersteller: AEG, Fabr.Nr. 5600–5606, 7051
Henschel, Fabr. nr. 28393
Škoda Typ 11 ELo 308–312
Baujahr(e): 1942–1950
Ausmusterung: bis 1988
Achsfolge: Bo'Bo'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 14.730 mm
Breite: 2975 mm
Höhe: 3700 mm (bis Dachoberkante)
Drehzapfenabstand: 7400 mm
Drehgestellachsstand: 3000 mm
Treibraddurchmesser: 1100 mm
Dienstmasse: 100 t
Reibungsmasse: 100 t
Radsatzfahrmasse: 25 t
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
Stundenleistung: 1100 kW SUBAG
1088 kW Rheinbraun
Anfahrzugkraft: 300 kN
Stromsystem: 1500 V = SUBAG
1200 V = Rheinbraun
Stromübertragung: Oberleitung und Seitenfahrleitung
Fahrmotoren: 4
Kleinster Halbmesser: 80 m
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Vorkriegsgeschichte

Werkfoto der typisierten EL2 Abart AEG

Ähnlich wie die typisierte Henschel/SSW EL 2 gab es auch von AEG eine so bezeichnete Lokomotive, die vom Aussehen her die typischen Merkmale mit abgerundeten Seitenteilen und dazwischenliegenden Vorbauabdeckungen besaß.[1.1] In manchen Tagebaulokomotivsammlungen wird dieser Typ auch als EL 2 von Henschel Abart AEG bezeichnet.[2]

Sudetenländische Bergbau AG 301–307

Die ersten und einzigen Lokomotiven aus der Vorkriegszeit wurden 1942 an die SUBAG in Brüx für die Grube Hedwig geliefert. Die Lokomotiven trugen bei der AEG die Fabriknummern 5600–5606 und erhielten die Betriebsnummern 301–307.[3] Die Maschinen, die keine Kriegslokomotiven waren, wurden zusammen mit den dreiteiligen Tagebaulokomotive KEL 3 nach Brüx geliefert und besaßen das gegenüber den mitteldeutschen Bergbaubetrieben abweichende Spannungssystem von 1500 V Gleichspannung. Das brachte eine geringfügig höhere Leistung als bei der nach dem Krieg für Rheinbraun gefertigten Lokomotive. Die Maschinen waren vorrangig für den Abraumbetrieb eingesetzt und besaßen trotz ihrer anderen Bauart mit der KEL 3 viele gemeinsame Bauteile,[4] konnten aber auch mit einem Kupplungsadapter reguläre Güterzüge mit standardmäßiger Zug- und Stoßeinrichtung befördern.

Nachkriegsgeschichte

SHD 301–312

Alle Lokomotiven überstanden im heruntergewirtschafteten Zustand den Krieg. Dazu sollten weitere Lokomotiven bestellt werden. Für eine Generalüberholung wandte sich das nun als Severočeské hnědouhelné doly (SHD) firmierende Unternehmen an Škoda zum Wiederaufbau der vorhandenen Lokomotiven und gleichzeitigem Neubau weiterer Exemplare, da eine Weiterbeschaffung bei AEG aufgrund der politischen Rahmenbedingungen nicht mehr in Frage kam. Auf der Grundlage von einer in Komořany demontierten Lokomotive entstanden bei Škoda fünf Exemplare der Typ 11 Elo, sie erhielten bei den SHD die Betriebsnummern 308–312.[4] Dies waren die einzigen neugebauten vierachsigen Lokomotiven, denn die SHD setzten mehr auf sechsachsige Lokomotiven. Diese Modellreihe wurden von Škoda in mehreren Typen 21E und 37E für den Eigenbedarf sowie den Export in die Sowjetunion, die Volksrepublik China und nach Bulgarien[5] bis zu den Škoda 26Em und Škoda 27E weiterentwickelt.

Wie lange die 301–312 eingesetzt wurden, ist nicht bekannt. Die Lokomotive 304 (AEG 5603) wurde 1958 an den Tagebau Espenhain gegeben und erhielt dort im Fahrbetrieb die Nummer 25.[3] Diese kam auf Grundlage eines Vertrages des Tagebaues Espenhain mit den SHD über die Generalreparatur von KEL 3 als Gegenleistung in die DDR.[6] Die letzten Altbaulokomotiven wurden in Espenhain bis Ende der 1970er Jahre eingesetzt und dann ausgemustert.

Rheinbraun 693

Im Jahr 1950 wurde in Zusammenarbeit von Henschel und AEG die Lokomotive mit den Fabriknummern Henschel 28393 und AEG 7051 gebaut. Sie war ebenso wie die Henschel/SSW EL 2 für die unmittelbar nach dem Krieg noch als Bahn für Gleichspannung vorgesehene Nord-Süd-Bahn als Zuglokomotiven in Doppeltraktion gedacht.[1.2] Sie wurde an die Niederrheinischen Braunkohlewerke Frimmersdorf geliefert und erhielt die Nummer 5. Nachdem sich das Projekt bei der Nord-Süd-Bahn zerschlagen hatte, wurde sie bei den Verarbeitungsbetrieben der Roddergrube, speziell im Bereich des Zentraltagebaues Frechen mit derselben Nummer verwendet.[1.3] Auch im Bereich des Kohleveredlungsbetriebes Frechen war die Lokomotive eingesetzt. Dem Vernehmen nach hatte die AEG-Lokomotive gegenüber der Henschel/SSW EL 2, bei der die Mittelpufferkupplung an dem Fahrzeugrahmen befestigt war, einen ruhigeren Fahrzeuglauf.[1.4] Trotzdem blieb die Lok bei Rheinbraun ein Einzelgänger. Nach der Elektrifizierung der Villebahn wurde die Lokomotive auch dort eingesetzt.

1960 wurde sie von Rheinbraun übernommen und erhielt dort die Nummer 693. Nach der Schließung der Villebahn wurde sie an die Köln-Bonner Eisenbahnen vermietet. Eingesetzt wurde sie im Raum Brühl-Vochem und für Güterzugleistungen, z. B. nach Kendenich,[7.1] oder zum Werk Hürth der Hoechst AG verwendet.[7.2] Bei den KBE benötigte die Lokomotive schmalere Haupt-Stromabnehmer.[8] Im Jahr 1980 wurde sie von der KBE gekauft.[1.5] Zu einer Betriebseinschränkung kam es, weil der Abschnitt Vochem-Wesseling Mitte der 1980er Jahre auf 750 V Gleichspannung umgestellt wurde.[1.5] Ende der 1980er Jahre hatte der Güterverkehr der KBE so stark abgenommen, dass die Lokomotive ausgemustert und verschrottet wurde.

Technik

Die technischen Daten beziehen sich auf der Grundlage für die Lokomotive Rheinbraun 693: Die Lokomotiven hatten einen mittleren Führerstand und flache Vorbauten, auf denen die Stromabnehmer sowie die seitlichen Hilfsstromabnehmer auf einem Gestell untergebracht waren. Der Lokkasten wurde wie bei den Henschel/SSW-Lokomotiven vorrangig in Nietkonstruktion hergestellt, um die Austauschbarkeit von Teilen zu vereinfachen. Dieser wurde auf den Drehgestellen auf mehrere Punkte abgestützt. Durch diese Ausführung konnte die Achsentlastung beim Anfahren stark minimiert werden und der Drehzapfen diente nur noch zur Übertragung horizontaler Kräfte. Außerdem wurde die Federung verbessert. Beide Achsen im Drehgestell wurden durch Blattfedern abgefedert und mit Ausgleichshebel verbunden, an den Enden der Federspannschrauben sind Schraubenfedern gelagert.[2]

Der mechanische Teil wurde bei der Rheinbraun-Lokomotive von Henschel, der elektrische Teil bei allen Loks von der AEG hergestellt. Die Vorkriegslokomotiven waren nur mit seitlichen Puffern und Mittelpuffer-Kupplung ausgestattet,[4] bei den KBE besaß sie die Zug- und Stoßeinrichtung der Regelbauart.

Die Lokomotiven waren Gleichstromlokomotiven, der Strom wurde von den Fahrleitungen über den zentral gelegenen Fahrschalter mit dem waagerecht liegenden Handrad und der Widerstandssteuerung zu den Fahrmotoren geschaltet. Bei den Rheinbraun-Lokomotiven wurde ein Fahrschalter mit zwei Handrädern auf jeder Führerstandsseite verwendet, die beide mechanisch verriegelt waren. Somit konnte der Fahrschalter von jeder Seite auch bedient werden.[1.6] Die Fahrmotoren als Reihenschlussmaschinen waren im Drehgestell in Tatzlagerbauart eingebaut. Die Lokomotiven für die Förderbetriebe besaßen mittlere Haupt- und seitliche Hilfsstromabnehmer. Für die KBE wurde nur ein schmalerer Hauptstromabnehmer auf jedem Vorbau benötigt. Die Druckluft für die Druckluftbremse und die pneumatische Steuerung der Entladeeinrichtung der Selbstentladewagen und Seitenkipper wurde von zwei Kompressoren erzeugt, elektromechanische Schütze schalteten die Hilfsbetriebmotoren. Als Signaleinrichtung besaßen die Lokomotiven ein Druckluftläutewerk, Druckluftpfeife und Spitzen- sowie Zugschluss-Beleuchtung.

Siehe auch

Literatur

  • Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft: Elektrische Tagebaulokomotiven, 1952, BTJ 5741
  • Hans-Dieter Stolle: Legende einer Tagebau-Lokomotive Normalspur vom Typ Henschel EL2, Weilerswist : Handpresse, 1999
  • Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010
  • Wolfgang Herdam: Die Köln-Bonner Eisenbahnen, EK-Verlag, Freiburg, 1994, ISBN 3-88255-540-8

Einzelnachweise

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