AN-M47
Brandbombe
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Die AN-M47 war eine Fliegerbombe aus den Vereinigten Staaten, die während des Zweiten Weltkrieges produziert und eingesetzt wurde.
| AN-M47 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | AN-M47, M47, T6E1 |
| Typ: | Fliegerbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Chemical Warfare Service, Ordnance Departement |
| Entwicklung: | 1937 |
| Indienststellung: | 1940 |
| Einsatzzeit: | 1940–1970er-Jahre |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 28–59 kg |
| Länge: | 1,24–1,29 m |
| Durchmesser: | 206 mm |
| Spannweite: | 276 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | Brandkampfstoffe oder Chemische Kampfstoffe |
| Zünder: | Aufschlagzünder |
| Waffenplattformen: | Bomber, Kampfflugzeuge |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Entwicklung
Das Ursprungsmodell M47 wurde vom Chemical Warfare Service (CWS) ab 1937 als Fliegerbombe für chemische Kampfstoffe entwickelt. Von diesen mit dem Kampfstoff Senfgas (Bis(2-chlorethyl)sulfid) gefüllten Bomben wurden in dieser Zeit 539.727 Stück produziert. Nach dem Befüllen der ersten Chargen wurde festgestellt, dass die dünnwandigen Bomben z. T. leckten und der Kampfstoff auslief.[1] Daraufhin wurden die leeren Bombenkörper im Pine Bluff Arsenal und im Edgewood Arsenal gelagert und sollten dort bei Bedarf mit dem Kampfstoff befüllt werden.[2] Im Jahr 1940 wandten sich die United States Army Air Forces (USAAF) auf der Suche nach einer Fliegerbombe für flüssige Brandkampfstoffe an den Chemical Warfare Service. Dieser stellte daraufhin der USAAF die massenhaft zur Verfügung stehenden leeren M47-Bombenkörper zur Verfügung.[3] Nach erfolgreichen Versuchen mit M47 Bomben, befüllt mit weißem Phosphor, wurden daraufhin für die USAAF rund 3,5 Millionen der nun AN-M47 bezeichneten Bomben bereitgestellt.[2][4]
Technik
Das Nominalgewicht der AN-M47-Bombe betrug 100 Pfund (45,3 kg). Tatsächlich bewegte sich das Gewicht zwischen 27,6 und 59,4 kg, je nachdem was für Füllungen verwendet wurden.[5] In Abhängigkeit zum verwendeten Heckteil war die komplette Bombe zwischen 1,24 und 1,29 m lang.[6] Der Bombenkörper hatte eine Länge von 0,99 m (ohne Zünder und Heckteil) sowie einen Durchmesser von 205,7 mm.[7] Er bestand aus gefalzten und geschweißten Blechen mit einer Wanddicke von 0,76 mm, die später auf 1,52 mm erhöht wurde. Das Leergewicht der Bombe betrug je nach Modell 9,1 bis 13,6 kg. Hinten am Bombenkörper war das Heckteil aus geschweißten Blechen mit vier Stabilisierungsflächen (Heckflossen) aufgesetzt. Dieses hatte anfänglich eine Länge von 0,277 m und wurde bei späteren Modellen später auf 0,328 m verlängert.[6] In der Mitte des Bombenkörpers erstreckte sich über die gesamte Länge ein stählernes Zentralrohr (Sprenggehäuse). In diesem konnten verschiedene Spreng- und Anzündladungen untergebracht werden. Verwendet wurden die Ladungen AN-M12 (500 g Schwarzpulver und Magnesium), AN-M13 (70 g TNT und Tetryl), AN-M18, AN-M20, M4 (1.100 g Tetryl), M7 (910 g Schwarzpulver), M12, M13 (TNT und weißer Phosphor), M18 (270 g Schwarzpulver) sowie M20 (390 g Tetryl).[5] Vorne an der Bombenspitze wurde der Zünder in das Zentralrohr eingeschraubt. Es wurden die Aufschlagzünder AN-M126, AN-M147, AN-M159, M108, M126 und M159 verwendet.[8] Um den Bombenkörper liefen zwei Blechbänder mit den Aufhängeösen im Abstand von 356 mm. Die Bombe hatte eine hellblaue oder graue Grundfarbe. Zwei grüne Streifen kennzeichneten die mit Senfgas gefüllten Bomben. Die Bomben mit weißem Phosphor waren mit einem gelben Streifen markiert. Ein violetter Streifen markierte die übrigen, mit Brandstoffen gefüllten, Bomben. Die AN-M47-Bomben konnten mit Senfgas sowie verschiedenen Brandkampfstoff-Mischungen befüllt werden. Folgende Füllungen bzw. Füllmischungen sind bekannt:[5][6][8][9]
- CR: Mischung aus Weißem Phosphor, Naturkautschuk, Natriumhydroxid, Kokosöl und Wasser.
- IM: Mischung aus 18,1–21,3 kg Motorenbenzin, Methacrylsäurebutylester, Stearinsäure und Calciumoxid.
- N: 30,3–33,1 kg Senfgas (H/HD).
- HP: Mischung aus 30,1–32,2 kg Weißem Phosphor, Senfgas und Kohlenstoffdisulfid.
- NP: 18,1–21,3 kg Napalm.
- PT-1: Mischung aus 28,1–29,4 kg Motorenbenzin, Methacrylsäurebutylester, Magnesiumpulver, Kerosin sowie Erdölrückständen, Asphalt, Aktivkohle und Natriumnitrat.
- PWP: 33,5–34 kg trockener Phosphor.
- SR: Mischung aus Weißem Phosphor und Naturkautschuk.
- WP: 31–46,7 kg Weißer Phosphor.
- LA-60/LA-100: Mischung aus Motorenbenzin, Gummilatex, Natronlauge, Kokosöl und Wasser.
Die dünnwandigen Bomben waren infolge Korrosion und Fabrikationsmängeln z. T. undicht, so dass die flüssige Bombenfüllung in den Depots auslief. Dies war bei den mit Weißem Phosphor gefüllten Bomben besonders problematisch, da sich der Phosphor beim Kontakt mit Luft entzünden konnte. Trotz der Imprägnierung der Bombeninnenseite und der Vergrößerung der Wanddicke konnte dieser Mangel erst nach Kriegsende behoben werden.[10][11]
Um eine große Anzahl AN-M47-Bomben in den Waffenschächten mitführen zu können, konnten die Bomben mittels Litzen zu losen Bombenpaketen zusammengebunden werden. Am häufigsten wurde aus 4–6 Bomben ein sogenannter M35/T19 Cluster Adapter erstellt.[9] Mit Hilfe dieser Adapter konnte z. B. ein Bomber vom Typ B-29 „Superfortress“ mit bis zu 184 AN-M47-Bomben beladen werden.[4] Beim Abwurf wurde mit einer Sicherungsleine der Splint an dem Zünder ausgerissen und der Zünder wurde durch die Windradentsicherung geschärft. Wurde die AN-M47 aus einer Flughöhe von 7.620 m (25.000 Fuß) abgeworfen, hatte sie beim Einschlag eine Geschwindigkeit von rund 251 m/s. Aus dieser Abwurfhöhe konnte die AN-M47A1 12,7 cm Beton durchschlagen bevor sie zündete.[12] Beim Aufschlag detonierte der Zünder und zündete die Spreng- und Anzündladung. Diese zerriss die dünne Bombenhülle und entzündete die Brandmischung. Dabei wurde diese in einem Radius von 15 bis 20 m verspritzt.[5] Die Brandmischung hatte je nach Typ eine Brenndauer von 5 bis 10 Minuten bei einer Brandtemperatur von 800 bis 1.800 °C.[12] War die AN-M47-Bombe mit Senfgas gefüllt, so wurde durch die Detonation der Sprengladung der flüssige Kampfstoff auf eine Fläche von 600 bis 700 m² verspritzt.[2] Nach den ersten Einsätzen wurde festgestellt, dass beim Aufschlag der Bombe auf dem Erdboden vielfach das schwere Zentralrohr mit dem Zünder aus der Wandung herausgerissen wurde. Da die anfänglich verwendeten Zünder nicht schnell genug zündeten, wurde dabei das Zentralrohr in den Boden versenkt, während der Bombenkörper als Blindgänger an der Erdoberfläche verblieb.[6] Mit der Verwendung von verbesserten Zündern konnte dieser Mangel behoben werden.
Varianten
- AN-M47A1: Modell mit auf 1,52 mm vergrößerter Wanddicke. Befüllt mit chemischen Kampfstoffen oder Brandkampfstoffen.
- AN-M47A2 & AN-M47A2C: Modell mit einem Öl-Anstrich an der Innenseite der Bombenhülle. Weiter hatte dieses Modell bei der Bombenspitze ein Entlüftungsstopfen, um den während der Lagerung entstandenen Gasdruck ablassen zu können. Befüllt mit chemischen Kampfstoffen oder Brandkampfstoffen.
- AN-M47A3 & AN-M47A3C: Modell mit einer Imprägnierungsschicht auf der Innenseite der Bombenhülle sowie verlängertem Heckteil mit größeren Heckflossen. Eingeführt Ende 1944. Befüllt mit Brandkampfstoffen.
- AN-M47A4 & AN-M47A4C: Modell mit phenolischer Schutzbeschichtung an der Innenseite der Bombenhülle sowie verstärkten Aufhängeösen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hergestellt. Befüllt mit Brandkampfstoffen.
Einsatz

Anfang der 1940er Jahre kam die AN-M47-Brandbombe versuchsweise in Europa und Asien zum Einsatz. Die primären Einsatzplattformen waren die Bomber B-17 „Flying Fortress“ (max. 42, normal 24 AN-M47-Bomben), B-24 „Liberator“ (52 AN-M47-Bomben), B-25 „Mitchell“ (je nach Modell 20–30 AN-M47-Bomben), B-26 „Marauder “ (30 AN-M47-Bomben) und die B-29 „Superfortress“ (max. 184, normal 80 AN-M47-Bomben).[4] Der erste großangelegte Luftangriff mit AN-M47-Bomben erfolgte am 9. Oktober 1943 auf das Montagewerk Malbork von Focke-Wulf bei Marienburg. Die Fabrik wurde durch die mit Napalm und Phosphor befüllten Bomben nahezu komplett niedergebrannt.[13] Der nächste Einsatz der AN-M47 erfolgte am 14. Oktober 1943 im Rahmen der Operation Double Strike bei dem Luftangriff auf die Kugellagerwerke in Schweinfurt. Danach kam die AN-M47 bei den Luftangriffen auf deutsche Städte zum Einsatz. Dabei wurde der Bombentyp auch zur Zielmarkierung verwendet.[2] Der erste großangelegte Luftangriff mit AN-M47-Bomben im Pazifikkrieg erfolgte am 11. Februar 1945 beim Luftangriff auf Rangun.[14] Danach kam der Bombentyp bei den Vernichtungsangriffen auf die japanischen Städte Osaka, Kōbe, Yokohama, Tokio und Nagoya zum Einsatz.[15] Allein zwischen Januar und Juni 1945 warf die USAAF über 10.598 Tonnen AN-M47 auf japanische Städte ab.[3] Während des Zweiten Weltkrieges wurden 806.394 AN-M47 auf Deutschland und 862.650 auf Japan abgeworfen.[16][17]
Der nächste Einsatz der AN-M47 erfolgte während des Koreakrieges Dort wurde der Bombentyp durch die Bomber B-29 „Superfortress“ beim Flächenbombardement nordkoreanischer Städte eingesetzt.[18][19][20]
Der letzte Kriegseinsatz der AN-M47 erfolgte während des Vietnamkrieges. Dort kam dieser Bombentyp primär bei der Luftnahunterstützung und zur Zielmarkierung zum Einsatz. Als Einsatzplattformen wurden überwiegend die Flugzeuge A-26 „Invader“ (max. 20 AN-M47 Bomben im Waffenschacht), A-1 „Skyraider“ sowie A-37 „Dragonfly“ eingesetzt.[21][22]
Die AN-M47-Bomben verblieben bis Anfang der 1970er-Jahre im Arsenal der United States Air Force und wurden dann ausgesondert.[23]
Nutzerstaaten
Galerie
- Vorbereiten von AN-M47-Bomben für einen Luftangriff in China 1944
- AN-M47-Bomben bei einem Luftangriff auf Oschersleben 1944
- AN-M47-Bomben beim Luftangriff auf Kōbe am 5. Juni 1945
Literatur
- Malvern Lumsden: Incendiary Weapons. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), Schweden, 1975, ISBN 0-262-19139-3.
- Robert M. Neer: Napalm. Harvard University Press, 2013, ISBN 0-674-07545-5.