A Esfera
Zeitschrift in Portugal
From Wikipedia, the free encyclopedia
A Esfera war eine für die Propaganda Nazi-Deutschlands tätige und dem Estado Novo nahestehende Zeitschrift in Portugal, die vom 6. Juli 1940 bis Anfang Mai 1945 in Lissabon erschien.
| A Esfera | |
|---|---|
| Hauptsitz | Lissabon |
| Erstausgabe | 1940 |
| Einstellung | 1945 |
Geschichte
A Esfera gehörte dem einschlägig bekannten Verlag Sociedade Editorial Alma, der unter der Leitung von Félix Correia und Francisco Rodrigues Torres stand. Erster Chefredaktor wurde Álvaro Maia, nach dessen Tod 1940 übernahm Correia ab der 10. Nummer vom 20. November 1940 die Leitung der Zeitschrift. Sitz der Redaktion war die Rua do Alecrim 65, wo auch der Verlag domiziliert war. Gedruckt wurde A Esfera in der nahen Travessa Condessa do Rio 27 vom Unternehmen des in Portugal lebenden Deutschen Rudolf Burnhoft, mit Wohnsitz in Mafra, der für die deutsche Spionage tätig war. Burnhoft galt als der einflussreichste Propagandist der Nazis in Portugal. Für die Zeitschrift schrieben auch Alfredo Pimenta, Eduardo Frias, Tomé Vieira, Satúrio Pires, Joaquim Lança oder der Visconde do Porto da Cruz. Seltener waren übersetzte Beiträge spanischer Falangisten oder französischer Kollaborateure dabei, so erschien am 20. Juli 1944 (Nr. 106) ein zuvor im rechtsextremen Le Gringoire abgedruckter antisemitischer Artikel von Jacques Boulenger (1879–1944). Dem Beitrag war eine Fotomontage beigefügt, die rassistisch gegen die Völker der Sowjetunion zu insinuierten versuchte.[1]
Die zur Verfügung stehenden Titelseiten und Bildserien belegten gleichermaßen von der deutschen Botschaft zugespielte Fotos und Aufnahmen, die António Salazar und den Estado Novo feierten. Stets wurden die Programmzeiten von Radio Berlin angegeben. A Esfera hetzte gegen sogenannte „Entartete Kunst“ und gegen den Jazz, den die Autoren als „degenerierte Negermusik“ beschimpften. Die Zeitschrift, wiewohl mit einem Literaturteil mit Buchempfehlungen ausgestattet und somit auch einen Kulturkampf betreibend, argumentierte keineswegs subtil, sondern verbreitete bis Kriegsende offene Kriegspropaganda und übernahm von ihrem deutschen Vorbild – wenn auch nicht ganz im Tonfall des Stürmer – den Antisemitismus, neben einem offenen Rassismus gegen Schwarze und Lobreden auf die portugiesischen Kolonien. Juden wurden dabei stets mit Kommunisten gleichgesetzt, doch griff der Direktor Félix Correia auch den ins Exil geflüchteten österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig mit einer antisemitischen Polemik an.[1]
Spezifisch für den iberischen Faschismus wurde dabei der Krieg gegen die Juden als Krieg zur Erhaltung des Christentums dargestellt. Beiträge, die sich auf diese Weise gegen so dargestellte Juden richteten, nahmen zum Kriegsende zu. Schwarze wurden bevorzugt dargestellt, um durch das Appellieren an rassistische Vorurteile die USA als Land der Schwarzen unliebsam zu machen. Daneben gab es Artikel für Frauen und vom Fußballtrainer Tavares da Silva (1903–1958) verfasste Sportbeiträge. Werbeanzeigen kamen ausschließlich von deutschen, italienischen und portugiesischen Unternehmen.[1]
Die portugiesische Regierung, offiziell um Neutralität bemüht, ging in ihren Verlautbarungen nicht so weit wie A Esfera, ließ den Machern des Blattes aber freie Hand. Nur bei der Kritik an Großbritannien scheint die Zensur eine gewisse Zurückhaltung erzwungen zu haben. Wenn deshalb in A Esfera die Ablehnung der Demokratie zum Ausdruck gebracht werden sollte, wurden dafür die USA als Zielscheibe herangezogen. Erbittert antikommunistisch, störte die Autoren von A Esfera an den kapitalistischen USA jedoch ihr angeblicher „materialistischer Geist und ihr eindeutiger Mangel an Spiritualität“. Nazi-Deutschland wurde hingegen „Trägerin der höchsten Werte der Zivilisation, des Christentums und der Kultur“ genannt. Damit konnte sich der offiziell neutral gebliebene Estado Novo problemlos arrangieren und integrierte A Esfera in sein System geduldeter faschistischer Organisationen in Portugal.[1]