A Quiet Passion – Das Leben der Emily Dickinson
Film von Terence Davies (2016)
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A Quiet Passion – Das Leben der Emily Dickinson (Originaltitel A Quiet Passion) ist ein Filmdrama von Regisseur und Drehbuchautor Terence Davies aus dem Jahr 2016. Bei der britisch-belgischen Ko-Produktion handelt es sich um eine Filmbiografie über das Leben der Dichterin Emily Dickinson, die von Cynthia Nixon als ältere Frau und von Emma Bell als junge Frau dargestellt wird. Der Film gewann 2016 den Großen Preis Prix beim Film Fest Gent und wurde in der Publikation Reverse Shot des Museum of the Moving Image zum besten Film des Jahres 2017 gewählt.[2]
| Film | |
| Titel | A Quiet Passion – Das Leben der Emily Dickinson |
|---|---|
| Originaltitel | A Quiet Passion |
| Produktionsland | Vereinigtes Königreich, Belgien |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2016 |
| Länge | 125 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Terence Davies |
| Drehbuch | Terence Davies |
| Produktion |
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| Kamera | Florian Hoffmeister |
| Schnitt | Pia Di Ciaula |
| Besetzung | |
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Handlung
Der Film stellt das Leben der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson von ihren Jugendjahren bis zu ihrem Tod dar. Emily wächst in gutsituierten Verhältnissen mit ihren Geschwistern Austin und Vinnie als Tochter des Anwalts und Politikers Edward Dickinson auf. Während ihres Schulbesuches am Mount Holyoke Female Seminary eckt Emily gegenüber der Leiterin Mary Lyon an, weil sie sich nicht demütig als Sünderin bekennen will. Sie ist jedoch im Neuengland zu Mitte des 19. Jahrhunderts von puritanischen Ansichten geradezu umgeben. Als Emily etwa von einer Opernaufführung mit Jenny Lind hingerissen ist, äußern ihr Vater und ihre Tante Missbilligung darüber, dass eine Frau etwas anderes als Kirchenlieder singt.
Obwohl sie diesen Puritanismus ablehnt, sucht Emily auch selbst nach tiefen Formen der Spiritualität – vor allem durch die Gedichte, die sie in den Nachtstunden mit Erlaubnis ihres Vaters schreibt. Der mit ihrem Vater befreundete Herausgeber der Zeitung Springfield Republican nimmt ein Gedicht von ihr an, schreibt aber zugleich, die übrigen seien kindisch und die Geschichte hätte gezeigt, Frauen hätten der Literatur nicht viel hinzuzufügen. Zu Lebzeiten wird Emily nur wenige ihrer Gedichte publizieren, darüber plagen sie immer wieder Verbitterung und Selbstzweifel an dem Wert ihrer Arbeit. Trotzdem beginnt Emily, ihre Unabhängigkeit zu behaupten, was zu mehreren Auseinandersetzungen mit dem Vater führt.
Die Jahre ziehen auf dem Anwesen der Familie in Amherst, Massachusetts, vorbei. Emilys Bruder Austin stellt seine Braut Susan der Familie vor. Susan und Emily verstehen sich schnell; Susan wird Emily später anvertrauen, dass sie große Vorbehalte gegenüber der Ehe hatte und die übliche Anziehung nicht verspürte. Als der Sezessionskrieg 1861 ausbricht, beschließt der Vater, die dafür übliche Summe von 500 Dollars zu bezahlen, damit der frischgebackene Vater Austin nicht eingezogen wird – ungeachtet von Austins aufrichtig empfundenen Ansichten über Ehre und Gewissen. Eine Montagesequenz zeigt Schlachten des Bürgerkriegs. Austin ist empört über Emilys Bemerkung, dass Geschlechterfragen in einem ähnlichen Licht wie die Sklaverei betrachtet werden sollten.
Emily erlebt eine Reihe von Verlusten, die ihren Hang zur Einsamkeit vertiefen: Ihre enge Freundin, die offenherzige Vryling Wilder Buffum, mit der sie ermutigende Gespräche geführt hatte, heiratet und zieht aus Amherst fort. Emily betrachtet die Ehe als das Kappen der Familienbande zugunsten eines Lebens mit Fremden. Sie entwickelt eine Zuneigung zu dem verheirateten Reverend Charles Wadsworth, dessen Predigten sie schätzt und der wiederum ihre Gedichte lobt. Sie ist sichtlich aufgebracht, als sie erfährt, dass er wegziehen wird. Schließlich stirbt auch ihr Vater – Emily betrauert seinen Tod von einem Fenster im Obergeschoss aus und weigert sich, sich dem Leichenzug anzuschließen.
Mit zunehmendem Alter verlässt Emily kaum noch das Haus und verbringt ihre Zeit vor allem auf ihrem Zimmer. Sie rügt einen zu Besuch gekommenen Zeitungsredakteur dafür, die Interpunktion ihrer Gedichte verändert zu haben. Sie weigert sich, nach unten zu kommen, um einen potenziellen Verehrer zu treffen, der ihre Gedichte bewundert – aus Angst, er könnte zu schön sein. Später betet sie um einen Verehrer und hat eine mystische Vision. Emily erklärt Vinnie, dass Liebe für sie etwas Beständiges ist – im Gegensatz zu einem Mann, der liebt und dann erkaltet.
Nach mehreren Anfällen wird Emily mit der Brightschen Krankheit diagnostiziert, einem Nierenleiden, das sich in schweren Rückenschmerzen und heftigen Zitteranfällen äußert. In dieser Zeit stirbt auch Emilys Mutter nach jahrelangem Schwermut und weitgehender Bettlägerigkeit. Kurz darauf entdeckt Emily, dass ihr Bruder Austin eine Affäre mit der Sängerin Mabel Loomis Todd hat. Emily, die mit der betrogenen Susan mitfühlt, konfrontiert ihren Bruder mit seiner Doppelmoral, der daraufhin die Qualitäten ihrer Dichtungen anzweifelt. Die ausgleichende Vinnie missbilligt die Affäre ihres Bruders zwar auch, weist Emily aber auch auf ihre eigene Intoleranz gegenüber den Schwächen anderer in ihrem Streben nach Perfektion hin.
Schließlich stirbt Emily 1886 im Alter von 55 Jahren an der Brightschen Krankheit; Vinnie, Austin und Susan sind sichtlich erschüttert an ihrer Seite.
Produktion
Terence Davies schrieb das Drehbuch als Liebhaber von Dickinsons Werk, bereits in seinem Film Of Time and City hatte er das Gedicht Nr. 301 von Dickinson zitiert.[3] Im September 2012 wurde erstmals öffentlich, dass Cynthia Nixon Emily Dickinson in einer Filmbiografie unter der Regie von Davies spielen sollte.[4] Davies beschrieb Nixon als seine Traumbesetzung für die Rolle. Nach einer längeren Finanzierungssuche konnten die Dreharbeiten von A Quiet Passion schließlich im Mai 2015 in Belgien beginnen.[5] Produziert wurde der Film von der britischen Hurricane Films und der belgischen Filmgesellschaft Potemkino.
Der Film wurde in den AED Studios in einem Nachbau des Hauses der Familie Dickinson gedreht, welches noch immer in Amherst steht und mittlerweile als Emily Dickinson Museum dient.[6] Dem kam entgegen, dass große Teile des Filmes im Haus der Familie spielen, auch um die Häuslichkeit der Welt vieler Frauen im 19. Jahrhundert zu verdeutlichen. Zusätzlich wurden Außenszenen in Amherst und Pelham, Massachusetts, aufgenommen.[7]
Die Musik im Film wurde wie schon bei seinen früheren Filmen von Davies persönlich ausgewählt, darunter Klavierstücke und klassische Kompositionen. Gegen Filmende erklingen mit Decoration Day und The Unanswered Question zwei Musikstücke des Komponisten Charles Ives, letzteres während des Abspannes. Diese wurden für den Film von den Brüsseler Philharmonikern aufgenommen.[3]
Seine Weltpremiere feierte der Film am 14. Februar 2016 auf der Berlinale 2016.[8] Bei einem Budget von rund 7,3 Millionen Dollar[9] spielte der Film an den Kinokassen rund 4,1 Millionen Dollar ein, was somit einen Verlust bedeutete.[10][11] Seine Premiere im deutschen Free-TV hatte der Film am 15. Oktober 2024 auf One.[12]
Rezeption
Auf dem US-Kritikerportal Rotten Tomatoes erhält der Film eine positive Wertung von 92 %, basierend auf 152 Rezensionen, und eine Durchschnittsbewertung von 7,8/10 (Stand 2026). Der Kritikerkonsens der Website lautet: „A Quiet Passion bietet ein fein gezeichnetes Porträt eines Lebens, dessen ruhiger Verlauf vielleicht nicht von Natur aus filmisch war, durch Cynthia Nixons starke Darstellung jedoch umso bewegender wird.“[13] Auf Metacritic hat der Film einen gewichteten Durchschnittswert von 78 von 100 Punkten, basierend auf 31 Kritikern, was auf „allgemein positive Rezensionen“ hinweist.[14]
Der Film wurde von den britischen Zeitungen The Guardian und The Independent gelobt: Während The Guardian die Darstellung von Nixon und die elegante Inszenierung hervorhob (vier von fünf Sternen),[15] bezeichnete The Independent den Film als „Meisterwerk der Stimmung“ (fünf von fünf Sternen).[16] Richard Brody vom The New Yorker nannte A Quiet Passion ein „Meisterwerk“ und erklärte, der Film werde seinen Platz als eine von Davies’ „bedeutendsten Schöpfungen einnehmen“.[17] Hätte der Film in den Vereinigten Staaten vor 2017 einen begrenzten Kinostart gehabt, hätte Brody ihn nach eigener Aussage auf den ersten Platz seiner Liste der besten Filme des Jahres 2016 gesetzt.[18] A. O. Scott schrieb in The New York Times: „Mr. Davies besitzt eine poetische Sensibilität, die perfekt zu seinem Sujet passt, sowie eine tiefe, eigenwillige Intuition dafür, was sie angetrieben haben könnte.“[19] Die Washington Post schrieb: „Davies ist ein Meister des langsamen Aufbaus und beschwört lyrisch sowohl die Verträumtheit als auch die Schwere seines Sujets und ihrer Verse herauf.“[20] Guy Lodge schreibt im Variety hingegen verhalten kritisch: Der Film zeige zwar handwerkliches Können und kunstvolle Dialoge in Hülle und Fülle, zwänge Cynthia Nixons Darstellung jedoch in ein „emotionales Korsett“ aus teils schrillen und komischen Erzähltönen. Die Wirkung auf viele Zuschauer dürfte deshalb bestenfalls verhalten ausfallen.[21]
Beatrice Behn lobt den Film auf kino-zeit.de als ein vielschichtiges Werk, das in vielen Punkten ein „klassischer Kostümfilm“ sei, aber durch eine lebendige Dialoglust und eine ungewöhnlich bewegliche Kamera überrasche. Sie kommt zu dem Schluss, der Film fange die Essenz Emily Dickinsons ein und biete ein „Fest für die Sinne und das Verlangen nach dichterischer Passion“.[22] Esther Buss schrieb für den Filmdienst: „Terence Davies nähert sich der Künstlerin über ihre Texte in Form eines auf lange Dialogpassagen setzenden Porträts an, wobei die Welt außerhalb ihres Hauses gemäß Dickinsons Wahrnehmung ebenfalls konsequent ausgespart bleibt. Eine Filmbiografie, die gleichermaßen durch die Intensität der Hauptdarstellerin wie durch den merklichen Respekt der Inszenierung vor Dickinsons Sprachkunst getragen wird“ (vier von fünf Sternen).[23] Für Till Kadritzke bei Critic.de ist der Film einerseits von einem poetischen Ernst durchdrungen, weist aber andererseits auch immer wieder „urkomische, Screwball-artige Dialoge“ auf. Filmisch stächen die für Davies typischen gleitenden Kamerabewegungen hervor. Anders als die meisten Filme wolle A Quiet Passion nicht bloß Gefühle beim Zuschauer erzeugen, sondern sei als Werk selbst von seinem Sujet „tief berührt und bewegt“.[24]
Auszeichnungen
Beim Film Fest Gent wurde A Quiet Passion mit dem Großen Preis ausgezeichnet. In der Publikation Reverse Shot des Museum of the Moving Image wurde der Film zum besten Film des Jahres 2017 gewählt. Für die Liste wurden verschiedene Kritiker nach Top-Ten-Listen gefragt und diese dann ausgewertet.[25] Insgesamt erhielt der Film drei Auszeichnungen und rund 25 Nominierungen für Filmpreise.[26]