Abba Gregorius
äthiopischer Priester adliger Herkunft, Philologe und Lexikograf
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Abba Gregorius (amharisch አባ ጎርጎርዮስ Abba Gorgoryos, gebürtig Iskinder amharisch እስክንደር; * ca. 1600 in Mekane Sellase in Amhara; † 1658 vor Iskanderun) war ein äthiopischer Priester und Mitautor von Lexika verschiedener äthiopischer Sprachen. Er war Freund, Informant und Wegbegleiter Hiob Ludolfs, mit dem er sich anfangs in der Kirchen- und Liturgie-Sprache Altäthiopisch verständigte.[1]

Leben
Gregorius, der ursprünglich Iskinder hieß, war mit dem äthiopischen Königshaus verwandt. Er genoss eine fundierte Ausbildung und wurde schon in jugendlichem Alter Abt eines Klosters am Tanasee in Äthiopien.[2] Dass er schon vor seiner Konversion zum Katholizismus ein prominenter Gelehrter der äthiopischen Kirche gewesen war, zeigt schon sein Titel „Abba“ (amharisch አባ ‚Vater‘)[2]. Angeregt durch den Jesuiten Pedro Paez, dessen Sekretär er später wurde, trat Gregorius zum Katholizismus über. Er dürfte Äthiopien nach der Krönung Fasilides’ 1632 verlassen haben,[2] weil der neue Kaiser Katholiken verfolgen ließ. Zuerst kam Abba Gregorius in Goa an und verbrachte dort ein paar Jahre in einer jesuitischen Mission.[2] 1648 versuchte er, nach Äthiopien zurückzukehren, doch weil Fasilides immer noch an der Macht war und Abba Gregorius sein katholisches Bekenntnis nicht aufgeben wollte, konnte er zeitlebens nicht mehr in seine Heimat zurückkehren. So kam er 1649 in Rom an, wo bereits einige katholisch getaufte äthiopische Mönche untergebracht waren.[1]
Bekanntschaft und Zusammenarbeit mit Hiob Ludolf
Abba Gregorius lernte Hiob Ludolf 1649 in Rom kennen, als der deutsche Orientalist in den Archiven Vatikans arbeitete und gerade auf der Suche nach Äthiopiern war, die ihm Altäthiopisch und andere Sprachen der Region beibringen würden.[2] Bei der ersten Begegnung stellte es sich heraus, dass Altäthiopisch ihre einzige gemeinsame Sprache war. Dabei fiel den beiden die Kommunikation auf Ge’ez zuerst schwer, weil Ludolf Schwierigkeiten mit der Aussprache hatte und Abba Gregorius es nicht gewohnt war, in dieser schon längst toten Sprache aktiv zu kommunizieren.[1]
Als Ludolf nach Schweden als Lehrer berufen wurde, blieben er und Abba Gregorius im Kontakt und führten einen aktiven Briefwechsel.[1]
Als Ludolf in den Dienst des Herzogs Ernst des Frommen von Sachsen-Gotha und Altenburg trat, lud er Gregorius 1652 nach Gotha ein. Dort hatten Ludolf und Ernst Bücher über Abessinien studiert und Fragen vorbereitet, die sie Gregorius vorlegten. Der Herzog interessierte sich dabei vor allem für den sagenhaften Priesterkönig Johannes. Ludolf und Gregorius erarbeiteten gemeinsam ein Altäthiopisch-Lexikon sowie ein Lexikon und eine Grammatik für das Amharische.
Auf seiner Rückreise 1658 kam Gregorius bei einem Schiffbruch vor Iskanderun ums Leben.
Weblinks
Literatur
- Erich Beyreuther: August Hermann Francke und die Anfänge der ökumenischen Bewegung. Koehler & Amelang, Leipzig 1957, S. 31.
- Richard Pankhurst (Hrsg.): Travellers in Ethiopia. Oxford University Press, London 1965.
- Wolbert Smidt: Abba Gorgoryos – ein integrer und ernsthafter Mann. Der Besuch eines äthiopischen Gelehrten in Thüringen 1652. In: Kerstin Volker-Saad, Anna Greve (Hrsg.): Äthiopien und Deutschland, Sehnsucht nach der Ferne. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2006, ISBN 3-422-06603-9, S. 48–57.
- Jürgen Tubach: Ludolf, Hiob. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 5, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3, Sp. 317–325.