Abduwali Muse

somalischer Pirat From Wikipedia, the free encyclopedia

Abduwali Abdulkadir Muse (arabisch عبدلول عبدقادر موس, Somali Cabdiweli Cabdiqaadir Muuse; geboren 1990 in Gaalkacyo) ist ein somalischer Pirat. Er ist der einzige Überlebende der vier Piraten, die im April 2009 die Maersk Alabama entführten und anschließend Kapitän Richard Phillips als Geisel nahmen, um Lösegeld zu erpressen.[1] Im Jahr 2010 wurde Muse im Zusammenhang mit zwei weiteren Angriffen auf internationale Schiffe angeklagt.[2] Am 16. Februar 2011 wurde Muse zu 33 Jahren und 9 Monaten Haft in einem US-Bundesgefängnis verurteilt.[3]

Muse wurde 2013 in dem Film Captain Phillips, einer Verfilmung der Entführung mit Tom Hanks, von dem somalisch-amerikanischen Schauspieler Barkhad Abdi dargestellt.

Piratenangriff auf die Maersk Alabama

Am 8. April 2009 wurde die Maersk Alabama auf einer Fahrt nach Mombasa um 7:30 Uhr Ortszeit von Muse und seinen somalischen Piraten in 310 Seemeilen Entfernung von der Küste Somalias angegriffen. Dies war bereits der sechste Angriff in diesem Gebiet innerhalb einer Woche.[4] Als Mutterschiff und damit als Ausgangspunkt für ihren Angriff nutzten die Piraten die Win Far 161, ein taiwanisches Fischereischiff mit 30 Mann Besatzung, das sie zwei Tage zuvor nördlich der Seychellen in ihre Gewalt gebracht hatten.[5] Der Kapitän des Containerschiffs, Richard Phillips, hatte zuvor per E-Mail mehrere Warnungen vor Piratenangriffen erhalten, die mit der dringenden Empfehlung verbunden waren, mindestens 600 Seemeilen Abstand zur somalischen Küste zu halten. Er wies jedoch seine Besatzung an, den Kurs nicht zu ändern.

Gerichtsverfahren

Muse wurde vor dem United States District Court for the Southern District of New York in New York City angeklagt.[6]

Bei seiner Verhaftung gab es einige Unklarheiten hinsichtlich seines Alters und Namens, wobei er zu diesem Zeitpunkt zwischen 17 und 19 Jahre alt gewesen sein muss.[7] Muse sollte in New York vor Gericht gestellt werden, da die örtliche FBI-Dienststelle über Erfahrung im Umgang mit Fällen verfügte, in denen schwere Verbrechen gegen Amerikaner in Afrika begangen worden waren, wie beispielsweise die Terroranschläge auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in Daressalam und Nairobi im Jahr 1998. CBC News berichtete außerdem, dass die US-Behörden erwogen hatten, ihn gemäß einem internationalen Abkommen zur Verfolgung von Piraterieverdächtigen an die Behörden in Kenia zu überstellen.[8][9]

Seine Mutter, Adar Abdurahman Hassan, erklärte in einem Telefoninterview mit Associated Press, dass die US-Behörden sowohl seinen Namen als auch sein Alter falsch angegeben hätten.[8] Sie gab an, dass Muse 16 Jahre alt sei, nannte ihn Abdi Wali Abdulqadir Muse und erklärte, dass er 15 Tage vor der Entführung auf dem Weg zur Schule verschwunden sei.[10] Muses Vater Abdiqadir Muse gab als Geburtsdatum seines Sohnes den 20. November 1993 an, womit er zum Zeitpunkt der Entführung angeblich ebenfalls erst 15 Jahre alt gewesen wäre. Laut der Aussage des NYPD-Detectives Frederick Galloway vor Gericht gab Muse während des Verhörs hingegen zu, dass er zwischen 18 und 19 Jahre alt sei.[11] In einem Interview mit dem somalischen Dienst der BBC appellierte Muses Mutter außerdem an die US-Regierung und den Präsidenten, ihren Sohn freizulassen,[12] und behauptete, Muse sei von „Gangstern mit Geld“ zu Piraterie verleitet worden. Sie behauptete darüber hinaus, dass er nur 15 Tage lang an der Piraterie beteiligt gewesen sei,[13] während hingegen die US-Justiz feststellen konnte, dass Muse fünf Wochen lang Piraterieaktivitäten geleitet hatte, bevor er die Maersk Alabama angriff.[14]

In einem Gerichtsurteil vom 21. April 2009 entschied der US-Richter Andrew J. Peck, dass Muse nicht unter 18 Jahre alt sei und als Erwachsener vor Gericht gestellt werden könne.[15] Muse wurde daraufhin nach New York gebracht, um sich dort wegen Piraterie nach dem Völkerrecht, Verschwörung zur gewaltsamen Beschlagnahme eines Schiffes, Verschwörung zur Geiselnahme und Waffenvergehen zu verantworten, wofür ihm bis zu vier lebenslange Freiheitsstrafen drohten.[16] Der Vorwurf der Piraterie wird zwingend mit lebenslanger Haft bestraft (18 USC 1651), wobei es in US-Bundesgefängnissen keine Möglichkeit auf Bewährung gibt.

Am 19. Mai 2009 erhob eine Grand Jury in New York eine zehnfache Anklage gegen Muse.[17] Dieser bekannte sich am 18. Mai 2010 bezüglich aller Anklagepunkte schuldig.[18] Die Anklagepunkte Piraterie und Besitz einer Maschinenpistole wurden im Austausch für das Schuldbekenntnis gegen eine Strafe zwischen 27 und 33 Jahren fallen gelassen.[19]

Am 16. Februar 2011 wurde Muse schlussendlich zu 33 Jahren und 9 Monaten Haft in einem Bundesgefängnis verurteilt.[20]

Haftstrafe

Muse wurde zunächst in der Communication Management Unit der Bundesstrafanstalt Terre Haute inhaftiert, seit Dezember 2025 sitzt er in der Bundesstrafanstalt Cumberland ein. Als voraussichtliches Entlassungsdatum wurde der 14. September 2038 festgesetzt.[21]

Einzelnachweise

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