Abir Moussi
tunesische Rechtsanwältin und Politikerin
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Abir Moussi (arabisch عبير موسي; * 15. März 1975 in Jemmal) ist eine tunesische Juristin und Politikerin, Vorsitzende der Parti destourien libre (PDL).[1] Sie gilt als scharfe Kritikerin von Präsident Kaïs Saïed; seit ihrer Verhaftung am 3. Oktober 2023 sitzt sie in Haft und wurde am 12. Dezember 2025 zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.[2][3][4]

Leben
Moussi ist ausgebildete Juristin und arbeitete als Anwältin in Tunis.[1] Sie brachte sich früh in die damalige Staatspartei Rassemblement constitutionnel démocratique (RCD) ein, stieg dort zur stellvertretenden Generalsekretärin für Frauenfragen auf und wandte sich 2011 juristisch gegen die Auflösung des RCD.[1] Später übernahm sie die Führung der Parti destourien libre (PDL).[1] Bei der Parlamentswahl 2019 wurde sie Abgeordnete und führte die PDL-Fraktion bis zur Suspendierung des Parlaments im Jahr 2021.[1] Im Präsidentschaftswahlkampf 2019 kandidierte sie und erreichte in der ersten Runde 4,02 Prozent der Stimmen (Platz neun).[5]
Wirken
Moussi positioniert sich dezidiert säkular und als vehemente Gegnerin des islamisch-konservativen Ennahdha; politisch knüpft sie an das Erbe Habib Bourguibas an.[1] Ihr Stil ist konfrontativ und rechtsförmig; im Parlament setzte sie auf Obstruktion, nutzte ein Megafon und trat zeitweise mit Schutzweste auf.[1] Am 3. Oktober 2023 wurde sie vor einem zum Präsidentenpalast gehörenden Verwaltungsbüro festgenommen, nachdem sie versuchte, Beschwerden gegen Präsidialdekrete einzureichen; seither steht sie unter Anklage, unter anderem nach Artikel 72 des Strafgesetzbuchs.[2][6] Für kritische Äußerungen zur Wahlbehörde ISIE verurteilten Gerichte sie in zwei getrennten Verfahren auf Grundlage des Dekretgesetzes 54: am 5. August 2024 zunächst zu zwei Jahren (später in der Berufung auf 16 Monate verringert) und am 12. Juni 2025 erneut zu zwei Jahren.[2][7] Am 12. Dezember 2025 verhängte ein Gericht in Tunis zusätzlich eine zwölfjährige Haftstrafe im Zusammenhang mit dem Vorfall aus dem Jahr 2023.[3][4] Trotz ihrer Inhaftierung ließ sie am 3. August 2024 ihre Präsidentschaftsbewerbung über ihre Anwälte bei der Wahlbehörde einreichen.[8] Beobachter und Menschenrechtsorganisationen werten die Verfahren gegen Moussi als Teil eines breiteren Vorgehens gegen Oppositionelle unter Präsident Saïed.[3][9]