Abraham Azulai
marokkanischer Rabbiner
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Abraham ben Mordechai Azulai (hebräisch אברהם בן מרדכי אזולאי, arabisch إبراهيم بن مردخاي أزولاي; geboren ca. 1570 in Fès (Saadier/Marokko); gestorben 6. November 1643 in Hebron) war ein kabbalistischer Autor und Kommentator. 1599 zog er ins osmanische Palästina und ließ sich in Hebron nieder.[1]

Leben und Wirken
Seine Familie stammte von spanischen Exilanten ab,[2] die sich nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 in der marokkanischen Stadt Fez niederließen. Mit dem Alhambra-Edikt (spanisch Decreto de la Alhambra oder Edicto de Granada, hebräisch גירוש ספרד Gerush Sfarad, deutsch ‚Vertreibung aus Spanien‘) begann am 31. März 1492 die Vertreibung und Zwangstaufe (Marranen) der spanischen Juden. In Fez studierte er die Literatur des Talmuds, der Philosophie und später auch die Kabbala.
Die Vertreibung der Mauren und der sephardischen Juden aus Spanien im Jahr 1492 führte zu einer massiven Flüchtlingswelle nach Nordafrika, insbesondere nach Marokko. Die plötzliche Ankunft zahlreicher Exilanten verschärfte bestehende politische Spannungen im Land. Infolge der sozialen und wirtschaftlichen Belastungen kam es in verschiedenen Regionen Marokkos zu inneren Unruhen und Machtkämpfen zwischen lokalen Dynastien und Stämmen. Diese bürgerkriegsähnlichen Zustände wirkten sich verheerend auf die gesamte Bevölkerung aus – besonders aber auf die jüdischen Gemeinden, die sowohl unter den politischen Wirren als auch unter religiöser Verfolgung litten. In diesem schwierigen Umfeld entschloss sich der Kabbalist und Gelehrte Abraham Azulai, Marokko zu verlassen. Er emigrierte schließlich nach Palästina und ließ sich in Hebron nieder, das zu dieser Zeit unter osmanischer Herrschaft stand und als ein Zentrum jüdischen Lebens galt.
In Hebron schrieb Azulai einen Kommentar zum Sohar mit dem Titel Kiryat Arba (zu Stadt Arba; auf Hebräisch vier; Gen 23,2 EU). In Hebron hatten sich auch Kabbalisten aus Safed niedergelassen. So fand er Bücher Cordoveros und einen Großteil von Isaak Lurias Werken aus den Händen von Chaim Vital, dort lernte er auch Rabbi Eliezer ben Isaac ben-Arhah kennen, mit dem er sich befreundete.
Die Pest bzw. eine Pestepidemie von 1619 vertrieb ihn aus seiner neuen Heimat und während er in Gaza Zuflucht fand, schrieb er sein kabbalistisches Werk Chesed le-Abraham (Barmherzigkeit für Abraham; Buch Micha, Micha 7,20 EU). Es wurde nach dem Tod des Autors von Meshullam Zalman ben Abraham Berak von Gorice 1685 in Amsterdam veröffentlicht.[2] Das Werk ist eine Abhandlung mit einer Einleitung, אבן השתיה (Der Eckstein; siehe Talmud Joma 53b), und ist in sieben „Quellen“ unterteilt (Buch Sacharja, Sacharja 3,9 EU), wobei jede Quelle in eine Anzahl von „Strömen“ unterteilt ist.[3]
Eine bekannte Legende über Rabbi Azulai handelt davon, wie er das Schwert des Sultans zurückholte. Als der osmanische Sultan Hebron besuchte, fiel sein kostbares Schwert in die Höhle von Machpela. Jeder, der hinabgeschickt wurde, um es zu holen, verschwand. Nur Rabbi Azulai konnte in die Höhle hinabsteigen und das Schwert zurückholen.[2]
Von seinen beiden Töchtern, so wird überliefert, heiratete eine den Hebroner Gelehrten Rabbi Binyamin Zeevi, der früh verstarb, als ihr gemeinsamer Sohn erst vier Jahre alt war. Die Mutter übernahm dessen Erziehung und unterrichtete ihn selbst in der Tora. Der Sohn, Abraham Chaim Yisrael Zeevi, entwickelte sich zu einer führenden rabbinischen Autorität in Hebron. Er verfasste unter anderem das halachische Werk Orim Gedolim sowie Yemin Moshe, eine Abhandlung zum Schulchan Aruch. Die zweite Tochter Rabbi Azulais war mit Rabbi David Yitzhaki, ebenfalls ein Gelehrter aus Hebron, verheiratet. Ihr Sohn, Abraham Yitzhaki, wirkte später als bedeutender Rabbiner in Jerusalem und wurde bekannt durch seine Responsensammlung Zera Abraham.
Rabbi Azulais Sohn Isaac Azulai war ein bekannter Kabbalist, der in Hebron lebte und das Buch Zera Yiẓcḥaḳ verfasste. Er starb in Konstantinopel, vermutlich während einer Reise als Gesandter für die jüdische Gemeinden in Israel.[2]
Azulai war auch der Großvater des Rabbiners und Kabbalisten Chaim Joseph David Azulai (1724–1807).

Schriften
- Kiryat Arba
- Chesed le-Abraham