Achtfenster-Wagen
Schmalspur-Personenwagen in Österreich
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Bei den sogenannten Achtfenster-Wagen (auch als Flachdach-Wagen bezeichnet) handelt es sich um die erste standardisierte Bauart von Schmalspur-Personenwagen in Österreich. Sie waren auf allen österreichischen Schmalspurbahnen in Bosnischer Spurweite im Einsatz.
| Achtfenster-Wagen | |
|---|---|
B 13 der Zillertalbahn | |
| Hersteller: | Grazer Waggonfabrik Ringhoffer-Werke Simmeringer Waggonfabrik Weitzer Arad |
| Baujahr(e): | ab 1890 |
| Spurweite: | 760 mm (Bosnische Spur) |
| Länge über Puffer: | 8000 mm |
| Breite: | 2100 mm ab 1893: 2400 mm |
| Fester Achsstand: | 3700 mm |
| Bremse: | Hardy-Vakuumbremse, Handbremse |
| Kupplungstyp: | Bosnakupplung |
Geschichte und Konstruktion

Die Type wurde von der Grazer Waggonfabrik vorm. Johann Weitzer um 1890 geschaffen und kam erstmals bei den von den Steiermärkischen Landesbahnen (StLB) errichteten Lokalbahnen (Thörlerbahn, Stainzerbahn und Murtalbahn) zum Einsatz. Sie entstanden aus den 1888/89 gefertigten Wagen der Steyrtalbahn, unterschieden sich aber in den Dimensionen deutlich von diesen.
Da die Konstruktion solide und ausgereift war, beschafften in den folgenden Jahren bis zum Ersten Weltkrieg auch andere Betreiber wie die Salzkammergut-Lokalbahn (SKGLB), die Niederösterreichischen Landesbahnen, die k.k. Staatsbahnen sowie die Zillertalbahn solche Wagen. Diese stellten zumeist die Grundausstattung der jeweiligen Bahnstrecke dar. Bei der SKGLB war ein Wagen als Salonwagen ausgeführt, die StLB besaßen mehrere Wagen mit Erster Klasse-Abteilen.[1] Auch Schmalspurbahnen in der ungarischen Reichshälfte – beispielsweise die Harbachtalbahn Schäßburg–Hermannstadt – beschafften Wagen dieser Bauart, welche vom ungarischen Zweigbetrieb der Grazer Waggonfabrik, Weitzer János Rt. in Arad, gefertigt wurden.[2]
Die Fahrzeuge besitzen ein einheitlich konstruiertes Untergestell mit einem Achsstand von 3.700 mm und Lenkachsen, welches auch für zahlreiche Bauarten von Dienst-/Gepäckwagen und Güterwagen verwendet wurde. Die Radsatzlager und Federn waren ursprünglich hinter den Führungen positioniert, später saßen diese auf den Führungs-Gabeln. Die Konstruktion bewährte sich so gut, so dass schließlich alle Bauarten von zweiachsigen Personenwagen bis in die Zwischenkriegszeit dieses nur marginal weiterentwickelte Untergestell besaßen. Sämtliche Untergestelle besitzen als zentrale Zug- und Stoßvorrichtung eine Bosna-Kupplung in unterschiedlicher Ausformung. Auf dem Untergestell saß ein aus Holz gebauter Wagenkasten mit einer Breite von ursprünglich 2.100 mm, ab 1893 einheitlich 2.400 mm. Dieser besaß offene Plattformen und je acht (bzw. bei manchen Bauarten auch nur sieben) Fenstern pro Seite und einem flach gewölbten Tonnendach. Je nach Bauart waren die Wände entweder mit Blech verschalt oder mit Holzlatten versehen. Ursprünglich trugen auch die Stirnwände Fenster, so dass die Wagen einen guten Rundblick ermöglichten. Im Detail unterschieden sich die einzelnen Serien in der Fenstereinteilung, es gab Bauarten mit und ohne Oberlichtfenster.[1] Die Wagen der Lokalbahn Mori–Arco–Riva im Trentino besaßen ein stärker gewölbtes Tonnendach, während die in Ungarn gebauten Wagen eingezogene Dachenden besaßen.[2]
Umbauten
Der fragile Wagenkasten bewährte sich auf Dauer nicht, so dass manche Bahnen ihre Wagen in der Zwischenkriegszeit modernisierten und mit neuen, stabileren Wagenkästen versahen. So entstanden diverse Unterbauarten mit Tonnendächern oder auch sogenannten Haubendächern, die SKGLB versah ihre Fahrzeuge mit einem Pagoden-förmigen Dach. Etliche Wagen der ÖBB wurden in den 1950er Jahren zu Spantenwagen modernisiert.
Bei Museumsbahnen ist heute kein Wagen mehr im Originalzustand vorhanden, dafür vorbildgerecht restaurierte bzw. gänzlich neu aufgebaute Exemplare. So ließ beispielsweise der Club 760 für die Taurachbahn eine Serie von vier Wagen nach Vorbildern der SKGLB auf identischen Güterwagen-Untergestellen neu aufbauen.[1]
Bilder
- Ci/u 321 der JHMD, ex kkStB
- Achtfenster-Wagen der SKGLB (1895)
- Wagen der Zillertalbahn
- Ex Zillertalbahn-Wagen bei der Welshpool & Llanfair Light Railway
- Innenansicht
- Umbauwagen der SKGLB mit Pagodendach
- Umbauwagen der Zillertalbahn
- Umbauwagen der StLB mit Tonnendach
- Waggon C21 der Lokalbahn Mori-Arco-Riva mit Tonnendach
Literatur
- Krobot/Slezak/Sternhart: Schmalspurig durch Österreich. 4. Auflage, Verlag Slezak, Wien 1991, ISBN 3-85416-095-X.
