Adalbero von Sachsen

Pfalzgraf von Sachsen, Graf im Hessen- und Liesgau und Vogt des Klosters Hilwartshausen From Wikipedia, the free encyclopedia

Adalbero von Sachsen (auch Athelbero, Kurzform Bern oder Berno; † 982) war sächsischer Pfalzgraf, Graf im sächsischen Hessengau und im oberen Leinegau sowie Vogt des Reichsstifts Hilwartshausen.[1]

Die auf Friedrich Kurze zurückgehende Zuweisung einer weiteren Grafschaft im Liesgau beruht auf der Identifizierung Adalberos mit dem in DO II. 78 (974) genannten Grafen Bernhard bzw. auf einer Konjektur zu DO I. 312, die beide in der neueren Forschung verworfen sind.[2] Die Namensform Adalbero war im sächsischen Raum des 9. und 10. Jahrhunderts sehr selten und ist vom gebräuchlichen Adalbert zu unterscheiden. Als Kurzform für den Pfalzgrafen begegnen in den Quellen Bern oder Berno.[2] Nach einer Hypothese von Reinhard Wenskus und Hans Goetting war Adalbero oberdeutscher Herkunft und dem Verwandtenkreis Bischof Ulrichs von Augsburg zuzurechnen.[1][3]

Amtstätigkeit

Urkundlich erstmals bezeugt ist Adalbero in einem Diplom Ottos I. vom 16. November 958 (DO I. 197), in dem er als Graf im sächsischen Hessengau im Raum Großeneder dem Grafengericht vorstand.[2][4] Zwischen 965 und 970 erscheint er als Graf im oberen Leinegau und als Vogt des 960 von der Esikonin Aeddila gegründeten Reichsstifts Hilwartshausen. Seinen Sitz hatte er vermutlich auf der Königspfalz Grona gegenüber dem 953 erstmals erwähnten Dorf Gutingi, dem späteren Göttingen.[1]

Im Juli und August 972 befand er sich im Gefolge Ottos in Mailand und Konstanz, in der Zeugenreihe von DO I. 419b (7. August 972) erscheint er unmittelbar nach dem Kaiser als Berno palatinus comes.[1][2] Eine Urkunde von 1003, die eine Schenkung der matrona Helmburg an Hilwartshausen aus der Zeit zwischen 963 und 970 beurkundet, nennt ihn venerabilis palatinus comes Bern, eiusdem predicti monasterii Hildiwardeshusum advocatus.[5]

Ehen und Nachkommen

Adalbero führte nach Goettings Rekonstruktion zwei Ehen. Die erste schloss er wahrscheinlich mit einer Angehörigen der sächsischen Esikonen-Sippe, was sich aus seinen engen Beziehungen zum Reichsstift Hilwartshausen erschließen lässt. Aus dieser Verbindung stammten die urkundlich bezeugten Kinder.[1]

Die von Wenskus vorgeschlagene und von Goetting übernommene Identifikation seiner zweiten Gemahlin mit Ida († 17. Mai 986), der Tochter des Schwabenherzogs Hermann I. und Witwe Herzog Liudolfs von Schwaben († 957), stützt sich auf die reichen Schenkungen der matrona Ida an Hilwartshausen (DO III. 59 und 60 von 990), auf Adalberos Zeugennennung 972 im schwäbischen Konstanz sowie auf seine Rolle als Schwiegervater des späteren Pfalzgrafen Dietrich.[3][1] Eduard Hlawitschka hat dieser Zweitehe widersprochen, die Identifikation gilt daher in der Forschung als umstritten. Kinder aus dieser mutmaßlichen zweiten Ehe sind nicht überliefert.[1]

Als Nachkommen sind überliefert:

  • Folkmar (Kurzform Poppo; † 11. Dezember 990), 975 als Kanzler Ottos II. belegt, seit Sommer 976 Bischof von Utrecht.[1]
  • Hrotgard (Rotgard; † 25. Dezember 1006), dritte Äbtissin des Reichsstifts Hilwartshausen, im Hildesheimer Totenbuch als Tante Bischof Bernwards verzeichnet.[1][2]
  • Eine in der Vita Bernwardi nicht namentlich genannte Tochter als Mutter Bernwards von Hildesheim. Nach der These von Wenskus ist sie mit jener Fritheruna identisch, die nach Corveyer Tradition um 971 den Immedinger Dietrich (den späteren sächsischen Pfalzgrafen) heiratete und damit Adalberos Nachfolger im Pfalzgrafenamt den Weg bereitete.[3][1]

Die in der älteren genealogischen Literatur genannte Tochter Athelburgis, die mit dem „Grafen Dietrich von Sommerschenburg“ verheiratet gewesen sei, ist nicht haltbar. Der Beiname für Bernwards Stiefgroßvater erscheint erstmals in einer zwischen 1510 und 1521 entstandenen Handschrift des Mönchs Henning Rose aus dem Hildesheimer St. Michaelskloster und in einer deutschen Übersetzung der Vita Bernwardi von 1540. Die Umdeutung erklärt sich daraus, dass die Sommerschenburger im 12. Jahrhundert die sächsische Pfalzgrafenwürde innehatten.[1] Auch die von Schölkopf erwogene Tochter Athelburgis comitissa (Todestag 14. Juni im Hildesheimer Domnekrolog) ist von Klemens Honselmann und Wenskus abgelehnt worden. Sie dürfte eher als Schwiegertochter des Pfalzgrafen Dietrich einzuordnen sein.[1]

Die Vita Bernwardi verweist auf dessen Abstammung ex filia Athelberonis palatini comitis, auch das spätere Compendium vitae sancti Bernwardi nennt ihn als Großvater Bernwards.[6]

Tod und Nachfolge

Adalbero starb 982, sein Todesjahr ist im Nekrolog der Fuldaer Totenannalen unter dem Namen Bern comes verzeichnet.[1][5][4] Im Pfalzgrafenamt folgte ihm Dietrich, der 993 in einer Urkunde Ottos III. sowie in der Grenzbeschreibung zwischen Hildesheim und Minden als palatinus erscheint.[7]

Literatur

  • Martina Giese: Das von Gottfried Wilhelm Leibniz veröffentlichte Compendium vitae sancti Bernwardi. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 79 (2007), S. 187–219 (online).
  • Hans Goetting: Das Bistum Hildesheim 3: Die Hildesheimer Bischöfe von 815 bis 1221 (1227) (= Germania Sacra N. F. 20). De Gruyter, Berlin und New York 1984, ISBN 978-3-11-010004-4, S. 168–170 (online).
  • Eduard Gervais: Geschichte der Pfalzgrafen von Sachsen: Von dem ersten Entstehen der Pfalzgrafenwürde in diesem Lande bis zur Vereinigung derselben mit dem Landgrafenthum in Thüringen. In: Neue Mitteilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen, Band 4 (1839), Heft 3, S. 1–51 (online)
  • Friedrich Kurze: Geschichte der sächsischen Pfalzgrafschaft bis zu ihrem Übergange in ein Territorialfürstentum. In: Neue Mittheilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen. Band 17 (1889), S. 295–308 (online).
  • Ruth Schölkopf: Die sächsischen Grafen (919–1024) (= Studien und Vorarbeiten zum historischen Atlas Niedersachsens 22). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1957. S. 116ff.
  • Edmund von Uslar-Gleichen: Geschichte der Grafen Winzenburg. Meyer, Hannover 1895, S. 209 (online).
  • Georg Waitz: Die ersten sächsischen Pfalzgrafen. In: Forschungen zur deutschen Geschichte. Band 14 (1874), S. 22 f. (online).
  • Reinhard Wenskus: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse, Folge 3, Band 93). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1976. ISBN 3-525-82368-1. S. 142; 144f.

Einzelnachweise

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