Adam Hereth
deutscher Arbeiter, Opfer des sogenannten Röhm-Putsches
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Adam Hereth (geboren am 16. Januar 1897 in Harsdorf bei Bayreuth; gestorben am 1. Juli 1934 im Konzentrationslager Dachau) war ein deutscher Arbeiter. Er wurde bekannt als eines der Opfer des sogenannten Röhm-Putsches.
Leben und Wirken
Hereth kam als uneheliches Kind einer Magd in Harsdorf bei Bayreuth zur Welt. Seine Mutter heiratete einen Mann aus Bindlach, bei dem ihr Sohn aufwuchs. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg zog Hereth 1919 in den Bayreuther Vorort Laineck, wo er Babette Freyberger, Tochter eines Schmiedemeisters, heiratete.[1] Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Zementierer und Fabrikarbeiter.
1919 wurde er Vorsitzender des Turn- und Sportvereins ASV Laineck. Auf einem gepachteten Streifen neben dem Sportplatz richtete er sich eine kleine Produktionsstätte für Zementsteine und -rohre ein. Politisch engagierte sich Hereth in der Sozialdemokratischen Partei (SPD). 1928 übernahm er den Vorsitz des Lainecker SPD-Ortsvereins,[1] den er bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 beibehielt. Daneben war er Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und in der Eisernen Front.[2] Die Bayreuther Ortsgruppe der Eisernen Front wurde am 17. Februar 1932 gegründet, bei einer Versammlung vor über 1000 Anwesenden war Hereth einer der Redner. 1928 rückte Hereth in den Gemeinderat der damals noch selbstständigem Gemeinde Laineck nach, wo er bis zum Verbot der SPD 1933 blieb.[1]
Seit 1933 wurde Hereth von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot und diversen Alltagsschikanen belegt. Am 15. Februar 1934 wurde er von SA-Leuten am Rosenberg im Bayreuther Stadtteil Sankt Georgen zusammengeschlagen und festgenommen, nachdem er sich öffentlich mit einem Anstecker der Eisernen Front (drei Pfeile) am Revers seines Mantels gezeigt hatte.[1] Er wurde an die Polizei übergeben und zunächst vom 15. Februar bis zum 16. März 1934 in der Strafanstalt Sankt Georgen festgehalten. Diese Schutzhaft wurde damit begründet, dass Hereth durch sein Auftreten „Anlass zu öffentlichem Ärgernis“ gegeben habe. Am 16. März 1934 wurde er als Schutzhäftling ins Konzentrationslager Dachau überführt.[2]
Am 1. Juli 1934 wurde Hereth bei der Röhm-Affäre zusammen mit vier anderen Schutzhäftlingen des Lagers (Julius Adler, Erich Gans, Walter Häbich und Paul Röhrbein) von Angehörigen der SS-Lagerwache erschossen. Da zumindest Adler, Gans, Häbich und Hereth nicht auf der offiziellen Totenliste der Gestapo zum 30. Juni auftauchen, muss angenommen werden, dass für diese Erschießungen kein Befehl aus Berlin vorlag, sondern dass die Entscheidung zu ihrer Erschießung ein eigenmächtiger Akt der Leitung von Dachau um Theodor Eicke war, die die günstige Gelegenheit des Vorgehens gegen die SA nutzen wollte, um einige besonders unliebsame Häftlinge loszuwerden. Nachträglich wurden diese Erschießungen damit gerechtfertigt, dass die Schutzhäftlinge sich „mit den Meuterern solidarisch erklärt“ hätten.[3]
Ein Dachauer Wachmann machte 1949 folgende Angaben über Hereths Tod: „Im Sommer 1934 wurde dieser Hereth auf dem [der] neutralen Zone innerhalb des Lagers von dem bekannten Komp.Führer Spatzenegger angetroffen. Dieser stellte den Hereth zu[r] Rede, hat ihm einige Ohrfeigen heruntergezogen, worauf Hereth eine Handbewegung machte. Es hat dann geheissen, daß Hereth wegen Widerstand erschossen wurde. Spatzenegger hat Hereth noch an Ort und Stelle erschossen.“
Im September oder Oktober 1934 erhielt die Familie Hereths eine Todesmitteilung von der Dachauer Kommandantur, wonach Hereth am 2. Juli „auf der Flucht“ erschossen worden sei. Der Sarg mit seinem Leichnam wurde unter Bewachung durch die Kriminalpolizei[1] nach Laineck transportiert und durfte nicht mehr geöffnet werden. Bereits am 24. Juli 1934 hatte die KZ-Verwaltung Hereths Witwe mitgeteilt, dass die restlichen Effekten des Toten (1 Paar Arbeitsschuhe, 1 Paar Strümpfe, 1 Hemd, 1 Unterhose und 2 Taschentücher) ihr zugesandt worden seien.[4]
Adam Hereth wurde auf dem Friedhof des Bayreuther Stadtteils Sankt Johannis beerdigt.[5]