Adele Meyer
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Adele Meyer, Lady Meyer, geborene Adelaide Levis (* 1862 in Belsize Park, London; † 17. Januar 1930 in Chipstead, Kent), war eine englisch-britische Socialite, Sozialreformerin und Philanthropin. Sie war Aktivistin für das Frauenwahlrecht und der Women’s Tax Resistance League.[1]



Leben
Meyer war das älteste von sieben Kindern in der jüdischen Familie von Julius Levis (1831–1888) und Emilie Henriette Levis, geborene Hecht (1837–1886). Sie heiratete 1883 den ebenfalls jüdischen, aus Hamburg stammenden und 1877 naturalisierten, wohlhabenden Bankier Carl Ferdinand Meyer (1851–1922), später geadelt. Das Paar hatte zwei Kinder, Elise Charlotte (1885–1954) und Frank Cecil (1886–1935), später Parlamentsabgeordneter. Mutter und Kinder wurden 1986 vom US-amerikanischen Maler John Singer Sargent in luxuriöser Umgebung porträtiert. Das Bild wurde 1897 ausgestellt.[2] Im Laufe der Jahre „entfremdeten sich die Meyers vom Judentum“, und beide wurden als Christen bestattet.[3]
Meyer bezeichnete sich selbst als „Sozialarbeiterin“, besuchte die Armen und war eine Förderin der Oper.[4]
Meyer war Mäzenin und Vorsitzende der St Pancras School for Mothers, allgemein bekannt als Mothers’ and Babies’ Welcome. Die 1907 gegründete Einrichtung hatte zum Ziel, die Säuglingssterblichkeitsrate zu verbessern, die zu jener Zeit in diesem Teil Londons bei etwa 15 Prozent lag, unter anderem durch die Bereitstellung grundlegender medizinischer Beratung und Kochunterricht für Frauen in ihren eigenen Wohnungen. Meyer fungierte als stellvertretende Vorsitzende an der Seite von Alys Pearsall Smith.[4] Die Einrichtung wurde ein Modell für „Säuglingsfürsorgezentren“, die eine Reihe von Dienstleistungen zusammenführten, die auf die Verringerung der Säuglingssterblichkeit ausgerichtet waren.[5][6] 1910 gründete Meyer eine ähnliche Einrichtung in der Nähe ihres Anwesens in Newport, Essex, das Village Medical Centre, das erste ländliche Gesundheitszentrum dieser Art im Land.[1][4]
Als Mitglied der Anti-Sweating League organisierte und finanzierte Meyer zusammen mit der ebenfalls dort tätigen Clementina Black eine Untersuchung der Arbeitsbedingungen von Londoner Frauen, die in den unregulierten Schneiderei- und Damenschneidergewerben beschäftigt waren. Ihr Bericht, Makers of our Clothes, Being the Results of a Year's Investigation into the Work of Women in London in the Tailoring, Dressmaking and Underclothing Trades, erschien 1909.[1][4] Er kam zu dem Schluss, dass die Löhne so niedrig waren, dass die Frauen gezwungen waren, nahezu ununterbrochen zu arbeiten, wodurch ihnen keine Zeit zur Betreuung ihrer Familien blieb. Der Bericht resumierte: „Wenn es irgendein unmittelbares Mittel der Gesetzgebung gibt, das Übel der Unterbezahlung zu mindern, dann ist es höchste Zeit, dass der Gesetzgeber zugunsten einer gesetzestreuen, fleißigen und schwer unterdrückten Klasse von Bürgern eingreift.“[1] Eine Regulierung wurde mit dem Trade Boards Act 1909 eingeführt, in dem Verfahren zur Festsetzung von Mindestlöhnen festgelegt wurde.[4]
Meyer war Gründerin und Förderin des Queen Mary’s Hostel for Women in London; daraus entwickelte sich das Queen Mary College der Universität von London.[4]
Meyer war in mehreren Frauenwahlrechtsvereinigungen beteiligt; insbesondere war sie in der Women’s Tax Resistance League aktiv.[7][8]
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1922 gehörte Meyer dem Beirat des Shakespeare Memorial National Theatre an, aus dem 1963 das Royal National Theatre, London, hervorging.
Sie starb am 1930 in ihrem Haus Chipstead Place[9] in Chipstead, Kent, an Herzversagen. Ihr Nachlass wurde im Nachlassverfahren auf über 80.000 Pfund, nach heutigem Wert mehr als 7 Mio. Pfund bewertet.[1]