Adolf Neunteufel
österreichisch-argentinischer Naturforscher, Taxidermist, Künstler und Autor
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Adolf Neunteufel (* 21. Februar 1909 in Graz; † 29. November 1979 in Posadas) war ein österreichisch-argentinischer Naturforscher, Taxidermist, Künstler und Autor.
Leben und Wirken
Sein Vater Adolf Neunteufel (1880–1945) arbeitete als Privatbeamter und heiratete am 2. Oktober 1906 die Kantoristin Anna Theresia Kinzer (1884–1940) in Graz. Adolf Neuenteufel selbst heiratete Helene Kuthy (1901–1980), mit der er die Söhne Heinz Johann Neunteufel (1927–2020) und Rolf Neunteufel (1944–2023) hatte.
Im Alter von 23 reiste Adolf Neunteufel im Auftrag der Zoologischen Staatssammlung München nach Südamerika um im Macizo de Brasilia exotische Tiere zu fangen und nach München zu schicken. 1931 kam er in Asunción an und begann sofort mit seiner Arbeit, indem er regelmäßig die brasilianische Grenze überschritt. Etwa ein Jahr später lernte er in der Stadt Capitán Meza seine spätere Frau Helene Kuthy kennen und sie heirateten kurz darauf.[1] Hier sammelte Neunteufel Tiere, die er als Präparate an europäische Museen verkaufte. Die Mehrzahl seine Präparate waren Vogelbälge. Viele der gesammelten Exponate landeten im Universalmuseum Joanneum und in der Zoologischen Staatssammlung München.[2] In sein zweibändiges Werk Die Vögel von Paraguay erwähnte Alfred Laubmann immer wieder Sammelstücke aus Compañía Bernal-Cué im Distrikt San Bernardino und aus Cambychuelo am Río Paraná, Departamento Itapúa von Neunteufel.[3] Zwischen 1981 und 1992 gingen 375 Vogelpräparate von ihm vom Joanneum an das Naturhistorische Museum Wien. 2001 folgten weitere Bälge im Tausch der beiden Museen.[4]
In einer lokalen Zeitung veröffentlichte er einst ein Foto eines Pfauenkuckucks mit dem Titel Ich habe die Legende des Yasy-Yateré getötet. In der Guaraní-Mythologie ist Jasy Jateré eine bedeutende Figur, die als der Herr der Siesta verehrt wird. Somit sorgte er mit diesem Titel in der Provinz Misiones für große Aufregung.[5]
Nachdem am 30. Januar 1933 Adolf Hitler und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei die Macht in Deutschland ergriff, rief die deutsche Regierung 1938 alle Bürger weltweit dazu auf zum Wehrdienst zurückzukehren. Neunteufel entschloss sich mit seiner Frau und dem gemeinsamen ersten Sohn Heinz nach München zurückzukehren. Bevor er sich beim Regiment meldete, übergab er den Museumsverantwortlichen die Entwürfe seiner ornithologischen Beobachtungen. Während er sich an der Ostfront befand, erschien sein Buch Yasy Yateré: Acht Jahre Tierfang und Jagd im paraguayischen Dschungel im Brockhaus-Verlag. Schließlich wurde er bis zum Kriegsende in die Gegend um Prag versetzt. Nach dem Krieg suchte er zunächst seine Frau und seinen Sohn, die er dann auch in einem Flüchtlingslager fand. Im Jahr 1944 wurde der zweite Sohn Rolf geboren. Erst 1946, als er versuchte, ein Passierschein für die Rückkehr nach Amerika zu erhalten, ermöglichte ihm eine zufällige Begegnung mit einem ihm bekannten paraguayischen Schiffskapitän, mit der Familie als blinde Passagiere an Bord zu gehen und bis zur brasilianischen Küste zu gelangen. So erreichten sie noch im gleichen Jahr Rio de Janeiro. Zu Fuß schlug sich die Familie über Paraguay bis Posadas durch, dem Ort, an dem sie dauerhaft ansässig zu wurden.[1]
Da er ein Veteran des Krieges war, bezeichneten ihn schon bald einige Nachbarn als Nazi, eine Bezeichnung unter der Neunteufel angeblich litt.[1] Wie man aus mehreren Stellen in seinem Buch nachlesen kann, lag die einheimische Bevölkerung mit ihrer Vermutung keineswegs falsch. So findet man darin ein Bild von seinem Zelt mit einem kleinen dreieckigen Wimpel mit dem Hakenkreuz. Auch als im Radioprogramm der Deutsche Stunde aus Buenos Aires die Verkündigung des Gauleiters Josef Bürckel erklang, der den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkündete, beschrieb er dieses Erlebnis als glücklichen Moment in seinem Leben.[6]
William Patridge (1858–1938) machte Charles Vaurie (1906–1975) auf eine Publikation aufmerksam, die Neunteufel 1953 in der Fachzeitschrift El Hornero publiziert hatte. Darin berichtete er von seinen Beobachtungen in den Wäldern Argentiniens (Misiones) und Paraguays. So beobachtete er, dass insektenfressende Vögel der Unruhe fliegender Insekten, die durch frucht- und samenfressenden Vögeln an Bäumen und Sträuchern angelockt wurden, folgten. Meist konnte er diese Verfolgungen von Baum zu Baum beobachten.[7]
Anfang der 1950er Jahre arbeitete er mit Aníbal Cambas (1905–1982) und dem Ausschuss für Geschichtsforschung der Provinz Misiones an der Restaurierung des Regionalmuseums. Neunteufel zeichnete und malte, aber es wurde immer schwieriger, die Familie zu ernähren. Unter der Schirmherrschaft der Kommission und mit der bedingungslosen Unterstützung von Cambas organisierte er den Jardín Zoológico Municipal in Posadas. Für seinen Freund Roberto Burgos Terán malte er ein Wandbild mit dem Titel Vögel der Region an den Palacio del Mate. Das Tierprojekt florierte und es gelang ihnen, mehr als 400 einheimische Arten zu beherbergen. Kurz vor dem Militärputsch im September 1955 brach eine Gruppe Uniformierter das Eingangstor zum Zoo auf und erschoss alle Tiere. Neunteufel und seine Familie lebten ebenso dort und befürchteten das gleiche Schicksal wie die Tiere zu erleiden. Sie hatten Glück und die Gewalttätigkeiten hörten auf, als die Soldaten sich nach einem improvisierten Grillgelage mit einem Capybara und einem kleinen Reh zufriedengaben.[1]
Die Familie landete auf der Straße und es war erneut Cambas der ihnen eine kleine Unterkunft in der Nähe des Parque Paraguayo besorgte. Später lebte die Familie auf einem halb versunkenen Boot im Hafengebiet der Stadt. Cambas mühte sich immer das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen. So beauftragte er Neunteufel mit der Gründung einer Experimentellen Zoologischen Station an den Wasserfällen von Tabay. Hier wurde er dessen Leiter bis die Station aufgrund mangelnder Unterstützung aufgegeben werden musste.[1]
Er und seine Familie kehrten nach Posadas zurück. Hier wurde er nun nicht nur als Nazi, sondern nun auch als Peronist bezeichnet. Von da an ernährte er die Familie durch den Verkauf der Produkte seiner unerschöpflichen künstlerischen Kreativität. Jeden Tag machte er sich auf den Weg ins Zentrum von Posadas, um zu versuchen dort seine Werke zu verkaufen. Gelegentlich beauftragte ihn ein Händler mit einem Wandbild – im Stil eines Plakats – wodurch er sein Einkommen etwas aufbessern konnte. Am Nachmittag kehrte er dann mit seinen Einkäufen in ihr kleines Häuschen im Stadtteil Samsa zurück. Nach seinem Tod wurde Neunteufel auf dem Cementerio La Piedad in Posadas begraben.[1]
Publikationen (Auswahl)
- Yasí-yateré - 8 Jahre Tierfang und Jagd im Urwald von Paraguay. Mit 49 Zeichnungen und 42 Aufnahmen des Verfassers und 1 Karte. F. A. Brockhaus, Leipzig 1941.
- Yasí-yateré - 8 Jahre Tierfang und Jagd im Urwald von Paraguay. Mit 49 Zeichnungen und 42 Aufnahmen des Verfassers und 1 Karte. 2. Auflage. F. A. Brockhaus, Leipzig 1941.
- Yasi-yateré: osm let chytám divou zvěř a lovim v paraquaském pralese. Česká grafická Unie, Prag 1944 (tschetschenisch, deutsch: Yasí-yateré – 8 Jahre Tierfang und Jagd im Urwald von Paraguay. 1941. Übersetzt von Josef Müldner).
- Un ejemplo de simbiosis temporal de aves silvestres. In: El Hornero. Band 10, Nr. 1, 1953, S. 74–77 (spanisch, org.ar).
Literatur
- Juan Carlos Chebez: Los manuscritos de William Henry Partridge Vaesmisioneras (VII). In: Nuestras Aves. Band 28, 1993, S. 14–16 (spanisch, org.ar).
- Silvia Gómez: El ‘alemán loco’: Adolf Neunteufel. In: El Territorio. 4. Juni 2021 (spanisch, com.ar).
- Ulrike Hausl-Höfstädter: Die Sammlungseingänge der Abteilung für Tier- und Pflanzenkunde am Joanneum von 1920 bis 1945 – museale Provenienzforschung vor dem Hintergrund möglicher Enteignungen im Nationalsozialismus. In: Joannea Zoologie. Band 20, 2022, S. 9–48 (zobodat.at [PDF]).
- Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939 (google.de).
- Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 2. Strecker und Schröder, Stuttgart 1940 (google.de).
- David Nayer: Vogelsammlung Joanneum Einblicke in das älteste Museum Österreichs. In: Ornithologischer Rundbrief Kärnten. Band 39, März 2025, S. 36–41 (ctfassets.net [PDF]).
- Charles Vaurie: Field Notes on Some Cuban Birds. In: The Wilson bulletin. Band 69, Nr. 4, 1957, S. 301–313 (englisch, biodiversitylibrary.org).