Adolf Niggemeier
deutscher Jurist und Politiker, MdV, inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit
From Wikipedia, the free encyclopedia
Adolf Niggemeier (* 21. Mai 1931 in Riesa; † 8. August 2026[1] ebenda) war ein Funktionär der DDR-Blockpartei CDU und von 1967 bis März 1990 Mitglied der Volkskammer. Er war ab 1977 Präsidiumsmitglied der Ost-CDU und in der Wendezeit von November 1989 bis März 1990 Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Volkskammer. Von April bis zur Auflösung der DDR im Oktober 1990 war er Direktor der Volkskammerverwaltung. Niggemeier war jahrzehntelang inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit.
Leben
Niggemeier wurde am 21. Mai 1931 im sächsischen Riesa als Sohn eines Arbeiters geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Oberschule legte er 1949 sein Abitur ab. Ein Jahr zuvor war er der CDU beigetreten. Nach seiner Schulzeit war Niggemeier zunächst als Justizpraktikant am Amtsgericht Riesa tätig. 1950 begann er sein Jura-Studium an der Universität Leipzig, das er 1954 als Diplom-Jurist abschloss.
Seine Parteikarriere begann Niggemeier als Mitglied des CDU-Kreisvorstandes Riesa von 1950 bis 1952, anschließend war er bis 1954 Mitglied des CDU-Bezirksvorstandes Leipzig. 1955 wurde Niggemeier hauptamtlicher Parteimitarbeiter beim Sekretariat des CDU-Hauptvorstands in Ost-Berlin. Dort stieg er zum Leiter der Abteilung Politik, Westdeutschland und Internationale Verbindungen auf. Bedingt durch diese Tätigkeit war er nach seiner Berufung von 1966 bis 1977 Mitglied im Arbeitsausschuss der Berliner Konferenz katholischer Christen aus europäischen Staaten.
1967 zog Niggemeier als Berliner Vertreter in die Volkskammer ein. In dieser Zeit wurde er als juristischer Sachverständiger beim Entwurf zur neuen, „sozialistischen“ DDR-Verfassung hinzugezogen,[2] welche 1968 in Kraft trat und die Führungsrolle der SED festschrieb. Er blieb bis zur freien Wahl im März 1990 Abgeordneter der CDU-Fraktion. 1977 wurde Niggemeier in das Präsidium des Hauptvorstandes der CDU gewählt und löste Hermann Kalb als Sekretär für Agitation im Hauptvorstand ab. Für seine politische Tätigkeit wurde er 1980 mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber geehrt. Mit Beginn der 8. Wahlperiode der Volkskammer 1981 wurde Niggemeier Mitglied des Verfassungs- und Rechtsausschusses. In der 9. Wahlperiode ab 1986 war er stellvertretender Ausschussvorsitzender.
In den Tagen der politischen Wende in der DDR im Herbst 1989 übernahm Niggemeier für einige Zeit wichtige Funktionen in der CDU-Volkskammerfraktion. Zunächst übernahm er am 11. November 1989 den Fraktionsvorsitz von dem am Vortag zurückgetretenen Wolfgang Heyl. Am 17. November wurde er zudem für Heyl in das Präsidium der Volkskammer gewählt.
Nach der ersten (und letzten) freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 endete Niggemeiers Abgeordnetenmandat, er blieb aber zunächst Fraktionsgeschäftsführer der CDU, der nun größten Volkskammerfraktion. Ab April 1990 wurde er zum Leiter bzw. Direktor der Verwaltung der Volkskammer ernannt und zeichnete damit in den Monaten bis zur staatlichen Einheit für die Abwicklung und Auflösung der der Volkskammer zugehörigen Einrichtungen verantwortlich.
Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland berief die nachgerückte CDU-Bundestagsabgeordnete Else Ackermann 1991 Niggemeier zum persönlichen Referenten in ihr Bundestagsbüro. Mit ihrem Ausscheiden 1994 wurde Niggemeier wieder als Jurist tätig und ließ sich als Rechtsanwalt in Berlin nieder.
Mitarbeiter der Staatssicherheit
1997 wurde durch Nachforschungen der Gauck-Behörde bekannt, dass Niggemeier jahrzehntelang seit 1954 (damals als Geheimer Informator geworben) als mehrfach belobigter IM „Benno Roth“ für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hatte.[3][4] Bis zum Ende der DDR war er dem Auftrag nachgekommen, die westdeutsche CDU auszuspionieren und zu beeinflussen.
Publikationen
- Weg und Ziel der Adenauer-CDU. Burgscheidungen 1961 (zusammen mit Hermann Kalb und Karl-Heinz Puff).
Literatur
- Günther Buch: Namen und Daten wichtiger Personen der DDR. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dietz, Berlin (West)/Bonn 1982, ISBN 3-8012-0081-7.
- Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 3: Lexikon der Funktionäre. Rowohlt, Reinbek 1994.
- Helmut Müller-Enbergs: Niggemeier, Adolf. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4 (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
Weblinks
- Literatur von und über Adolf Niggemeier im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Die SED war immer informiert, Die Welt, 3. April 1997
- Nachlass BArch NY 4675