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Adolf Streckeisen (Missionar)

Schweizer Pfarrer und Missionar From Wikipedia, the free encyclopedia

Gustav Adolf Streckeisen[1] (* 1. April 1895 in Basel; † 10. August 1951 in Buochs)[2][3] war ein Schweizer Pfarrer und Missionar, der ab 1924 für die Basler Mission in Indien wirkte, vor allem im Malabar-Gebiet. Dort war er bis Ende der 1940er Jahre die zentrale Führungsperson der Basler Mission. 1949 kehrte er nach Basel zurück, um als Indien-Inspektor tätig zu sein. Eine geplante Rückkehr nach Indien konnte er aufgrund seines Todes 1951 nicht mehr antreten.

Leben und Herkunft

Adolf Streckeisen wurde am 1. April 1895 in Basel geboren,[4][5] als Sohn von Adolf Streckeisen und Clara Burckhardt.[6] Zu seinen Geschwistern zählte Albert Streckeisen.[7] Er entstammte einer akademisch geprägten Familie und zeigte schon in seiner Jugend ein starkes religiöses Interesse, das ihn schliesslich zum Theologiestudium führte. Sein theologisches Studium begann er mit einem intensiven Jahr Hebräisch in Bethel bei Bielefeld, einem bedeutenden Zentrum kirchlicher Ausbildung in Deutschland.[8] Er setzte dieses bis 1919 in Basel[9] und Zürich[10][11] fort, wo er an der Klosbachstrasse 103[12] bei Pfarrer Hans Kober[13] wohnte.[10] Adolf Streckeisen wurde am 11. Januar 1920 in Zürich ordiniert.[14]

Nach Abschluss seines Studiums war er als Pfarrverweser von Pfarrer Hermann Bachmann[15][16] in Hirzel tätig.[3.1][17][18] Dann als Jugendsekretär beim CVJM in Wien, bevor er sich für den Dienst als Missionar bei der Basler Mission entschied.

Missionarischer Dienst in Indien

Ab 1924 war er 25 Jahre lang in Südindien tätig,[19] wo er in der malabarischen Kirche und später in der vereinigten Kirche von Südindien massgeblich am Aufbau und an der Leitung mitwirkte.[20] 1926 heiratete er in Palghat Anna Jungck[21] und hatte zwei Kinder.[22][23]

Ab 1936 hatte er in Indien das Amt des General-Präses[24] der Basler Mission inne. Seine Dienststationen in Indien waren: 1924–1926 Calicut, 1926–1929 Palghat, 1930–1935 Calicut, 1936–1940 Nettur[25]-Tellicherry, 1940–1946 Calicut und von 1947 bis 1949 wiederum Calicut.[26]

Die Vereinigte Kirche von Südindien wurde 1947 als weltweit erste Unionskirche gegründet. Sie vereinte anglikanische, reformierte und methodistische Kirchen Südindiens zu einer neuen ökumenischen Kirchenstruktur mit Sitz in Chennai. Diese Bewegung symbolisierte den tiefgreifenden kirchlichen Wandel und ökumenischen Aufbruch im südindischen Raum, der von vielfältigen kulturellen und religiösen Traditionen geprägt ist. Gerade die malabarische Kirche, Teil der uralten Thomaschristen im Südwesten Indiens, bot einen wichtigen historischen und liturgischen Bezugspunkt für die Missionsarbeit. In der Zeit seines Dienstes erlebte die Region zudem bedeutende politische Umbrüche, darunter die Unabhängigkeit Indiens und die Herausforderungen des Zweiten Weltkriegs, die auch die Missionsarbeit und die Haltung der Basler Mission gegenüber nationalsozialistischen Einflüssen prägten.

Während des Zweiten Weltkriegs setzte sich Streckeisen für die humane Behandlung deutscher Missionare während der Internierung ein und kämpfte gegen die Einflussnahme nationalsozialistischer Organisationen auf die Missionsarbeit. Zudem trug er zur Wahrung der Unabhängigkeit und Neutralität der Basler Mission in Indien bei und übernahm seelsorgerische sowie administrative Aufgaben während dieser herausfordernden Zeit.[27][28]

Leitungsfunktionen und Rückkehr nach Basel

Nach der Rückkehr nach Basel im Jahr 1949 übernahm er Leitungsaufgaben in der Basler Mission. Seine erneute Ausreise nach Indien wurde durch seinen plötzlichen Tod am 10. August 1951 vereitelt. Streckeisens Wirken war geprägt von tiefem Glauben, selbstloser Hingabe und dem Engagement, die Lebensmacht Jesu Christi durch eine lebendige Kirche besonders in Indien zu vermitteln.

Bedeutung im Kontext der Unabhängigkeit Indiens

Adolf Streckeisen war in der Zeit des politischen Wandels nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 aktiv in der missionsbezogenen Kirchenarbeit.[29] Er setzte sich für die Selbstverwaltung und Unabhängigkeit der indischen Kirchen ein und unterstützte die Abgrenzung der Mission von der Kirche als eigenständigen Akteur. Sein Wirken steht im Kontext der Umbrüche und Herausforderungen, die sich für die Missionsarbeit und die einheimischen Kirchen mit der politischen Souveränität Indiens ergaben.

Diese Phase war geprägt von der Abkehr kolonialer Strukturen und der Hinwendung zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Mission und einheimischer Kirchenleitung. Streckeisen nahm an bedeutenden Sitzungen wie der Vollversammlung des Indischen Nationalen Christenrates 1950[30] in Nagpur teil, die zentrale Weichenstellungen für die Missions- und Kirchenarbeit in einem unabhängigen Indien setzte.[31]

Sein Engagement spiegelt die Transformation der Missionsarbeit nach der Kolonialzeit wider, mit Fokus auf ökumenische Einheit, ökonomische Selbstständigkeit der Kirchen und pastorale Neuorientierung.[31][32]

Tod

Grab, Wolfgottesacker in Basel.

Anton Streckeisen starb am 10. August 1951 bei einem Ferienaufenthalt am Vierwaldstättersee[3] und wurde auf dem Friedhof Wolfgottesacker in Basel bestattet.[33]

Schriften

  • The unification of the churches in South India. In: Wholeness in Christ. Balmatta, Mangalore : Karnataka Theological Research Institute, 1985, S. 297–311.[34][35]
  • Meditations on the epistle to the Romans. Mangalore : Basel Mission Press, 1952.[36]
  • Zur politischen, wirtschaftlichen und religiösen Lage in Indien. In: Evangelisches Missions-Magazin. Neue Folge. 1951. S. 18–21.
  • Eine wichtige Sitzung des indischen nationalen Christenrates. In: Evangelisches Missions-Magazin. Neue Folge[37]. 1951, S. 120–123.[32][30][31]
  • Das geistliche Haus der Gemeinde. In: Evangelisches Missions-Magazin. Neue Folge. 1951. S. 133–135.
  • Die christliche Botschaft in Indien. Basel: Missionsbuchhandlung. 1947.[38]
  • Meditations on the epistle to the Romans. [S.l.] : Malayalam Christian Literature Committee, 1945.
  • Unter den Kastenlosen in Malabar. In: Das Kreuz im Landes des Lotus. Dresden : 1936. S. 41–48.
  • Unter den Aussätzigen in Chevayur. Stuttgart: Evang. Missionsverlag. 1928.[39][40]

Literatur

  • Andreas Köller: Mission in neuer Mission? Die Basler Mission in Indien vor den Herausforderungen von Dekolonisation und Ökumene, 1947–1972. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2017, S. 123–145.[41]
  • Paul H. von Tucher, Nationalism: Case and Crisis in Missions – German Missions in British India 1939–1946. Diss. Erlangen 1980, Selbstverlag.[27]
  • Bengt Sundkler: Church of south India: the movement towards union, 1900-1947. London : Butterworth Press, 1954 (archive.org [abgerufen am 23. September 2025]).
  • Karl Hartenstein: In piam memoriam: Adolf Streckeisen. In: Evangelisches Missions-Magazin. Neue Folge. 95, 1951. S. 129–133.
  • oh: Missionsspektor Adolf Streckeisen. In: Die Tat, 1951.[3]
  • Zur Erinnerung and Adolf Streckeisen, Pfarrer, geboren am 1. April 1895, gestorben am 10. August 1951. 1951. 16 Seiten.
  • Hans Anstein: Rund um die Welt in zwanzig Monaten : Geschautes und Gehörtes auf einer Missionsstudienreise. Evangelischer Missionsverlag, Basel 1929 (archive.org).[42]

Archive und Nachlass

Einzelnachweise

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