Adolf Synek
tschechoslowakischer Buchhändler und Verleger
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Adolf Synek (geboren als Adolf Sinek 1. November 1868 in Mitrowitz, Bezirk Tabor, Österreich-Ungarn; gestorben 20. Januar 1943 in Ghetto Theresienstadt) war ein tschechoslowakischer Buchhändler und Verleger der Abenteuer des braven Soldaten Schwejk.


Leben
Adolf Sinek wuchs in Wien auf und machte eine Buchhändlerlehre. Er war verheiratet mit Therese Sinek (1872–1939), sie hatten zwei Söhne, Karel Synek (1896–1943) und Emil Synek[1] (1894–1944). Synek erwarb im Oktober 1901 in Prag eine Verlagsbuchhandelskonzession, verlegte aber zunächst nur gelegentlich Schriften. Zwischen 1914 und 1924 verpachtete er sein Geschäft aus finanziellen Gründen. Im Jahr 1922 begann Synek mit der Auslieferung von Jaroslav Hašeks Romanheften, die dieser im Eigenverlag herausgab.[2] Er nahm 1924 die Buchhändler- und Verlegertätigkeit wieder auf. In seinem Verlag erschien zunächst Unterhaltungslektüre, hauptsächlich Übersetzungen aus dem Deutschen ins Tschechische. Besonders erfolgreich war Synek als Verleger des Werks des 1923 gestorbenen Hašek und dessen Übersetzung ins Deutsche durch Grete Reiner.
Der Verlag Adolf Synek hatte humoristische Literatur von Emil Artur Longen, Karel Poláček, Karel Vaněk und Michail Soschtschenko in deutscher Übersetzung im Programm. Er brachte auch klassische Literatur und geschichtliche und philosophische Werke heraus. In den 1930er Jahren erschien im Verlag auch Kinderliteratur, sowohl tschechischer Autoren wie Norbert Fried und Vladislav Vančura als auch 1932 Erich Kästners Emil und die Detektive in der Übersetzung von Jarmila Hašková.
Karel Synek, der seit 1928 im Verlag tätig war und neue Akzente setzte, übernahm 1934 das Unternehmen. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei 1939 versuchte dieser die Firma auf seine Schwägerin Karla Kolářová (1905–1990) zu überschreiben, was ihm nicht gestattet wurde. Adolf und Karel Synek wurden am 20. November 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, der Sohn Emil wurde im KZ Auschwitz ermordet. Die Kinder Emil Syneks František Listopad (1921–2017) und Alena Munková (1926–2008) überlebten den Holocaust. Nach der Befreiung der Tschechoslowakei führte Karel Syneks Witwe Vlasta Synková (1906–1973) noch bis März 1949 den Verlag, der in der kommunistischen Tschechoslowakei aufgelöst wurde.
Literatur
- Václav Petrbok: Synek, Adolf. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. 2., überarbeitete Auflage (nur online).
- Verlag Adolf Synek 1902–1949, in: Lexikon české literatury. Prag: Academia, 2008, Band 4, S. 508–511
- Gerda Faerber: Der tschechische Emil. Zur Rezeption der Kinderromane Erich Kästners in Tschechien und ihre Übersetzungen, Diplomarbeit, univie, 2012, PDF
Weblinks
- Adolf Synek, bei holocaust.cz. Mit Porträtfoto (gemeinfrei?).