Aflenzer Staritzen
Gebirgszug in der Hochschwabgruppe in der Steiermark
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Die Aflenzer Staritzen ist der östlichste Ausläufer der Hochschwabgruppe in der Steiermark. Der höchste Gipfel dieses plateauartigen Gebirgszuges ist der Severinkogel (2038 m ü. A.).
| Aflenzer Staritzen | ||
|---|---|---|
| Blick vom Hochanger nach Nordwesten auf die Aflenzer Staritzen (2017) | ||
| Höchster Gipfel | Severinkogel (2038 m ü. A.) | |
| Koordinaten | 47° 38′ N, 15° 13′ O | |
| Gestein | Wettersteinkalk | |
| Alter des Gesteins | Mitteltrias | |
Lage und Umgebung
Die Aflenzer Staritzen schließt östlich an das Hochschwabmassiv im engeren Sinne an, sie erstreckt sich ohne scharfe Abgrenzung im Westen von der Ringkarwand (südöstlich des Ringkamps) bis zum Knappengraben bei Gollrad im Osten über eine Länge von etwa 8 Kilometern.[1] Der westliche Teil der Aflenzer Staritzen ist generell höher, hier befindet sich mit dem 2038 m ü. A. hohen Severinkogel auch ihr höchster Punkt. Seine Nordseite bildet einen Teil der Südflanke des Oberen Rings, eines spektakulären Kares östlich des Ringkamps. Der Gipfel des Severinkogels überragt das umliegende Plateau mit weiteren, oft namenlosen Kuppen jedoch nur um wenige dutzend Meter (er hat also eine geringe Schartenhöhe). Weitaus eigenständiger und optisch markanter ist die 2006 m ü. A. hohe Hochweichsel (oft Hohe Weichsel) im Norden der Aflenzer Staritzen.
Charakteristisch ist das sanft gewellte Relief des verkarsteten Kalkplateaus und die steilen Felsabbrüche nach Norden und Süden hin. Im Süden fällt die Staritzen hunderte Meter steil bis senkrecht in das Seetal (Ortschaft Seewiesen) ab. Oberhalb von Seewiesen schneidet das sogenannte Bruchtal in die Staritzen-Südwand ein. Südöstlich unter der Staritzen liegt der Seebergsattel, über den Sattel führt die Mariazeller Straße auf ihrem Weg von Seewiesen durch den genannten Knappengraben und weiter zur namensgebenden Stadt Mariazell. Im Norden grenzen die Gräben Hintere Höll und das Ramertal (verbunden über den Sattel am Kastenriegel) die Aflenzer Staritzen zur Zeller Staritzen ab. Aus der Hinteren Höll zieht sich ein mächtiges Kar in einem Bogen südwestwärts bis an die Ostwand der Hochweichsel. Im Norden wird dieser besonders entlegene Teil der Staritzen (Flurnamen Rosshölle, In der Kuchl, Bschlagstatt) von der steilen Dippelwand begleitet. Im Nordosten streckt sich ein Ausläufer der Aflenzer Staritzen über den Almriegel und den Hauserbauerkogel bis an die Ortschaft Wegscheid heran. Auf dem Almriegel liegt die Graualm, südöstlich davon (nördlich des Staritzen-Ostgipfels) die Leitenalm.
Markante Erhebungen bzw. Gipfel
- Severinkogel (2038 m)
- Hochweichsel (2006 m), auch Hohe Weichsel
- Krautgartenkogel (1988 m)
- Mittelkuppe (1982 m)
- Mieserkogel (1855 m)
- Staritzen-Ostgipfel (1810 m) mit Kuckuckstein
- Seeleiten (1734 m)
- Dippelwand (1572 m)
- Hauserbauerkogel (1432 m)
- Seebergkögerl (1344 m)
- Ansichten
- Blick über den Dürrsee auf die Südseite der Staritzen, höchster Punkt li. der Krautgartenkogel, mittig das Bruchtal, re. die Seeleiten
- Mittig re. der Severinkogel, li. dahinter überragt vom Ringkamp
- Gipfelkreuz der Seeleiten
- Krautgartenkogel (li.) und Mieserkogel (re.) von Osten
- Blick von Osten über die Bschlagstatt auf die Hochweichsel
- Blick von der Hohen Weichsel über die Bschlagstatt nach Osten, mittig latschenbedeckt der Staritzen-Ostgipfel, im linken Bilddrittel der Almriegel
Naturraum


Die Aflenzer Staritzen ist ein Plateaugebirge, ihre meist schwach ausgeprägten Gipfel werden – wie in der Hochschwabgruppe häufig – von einem weiträumigen System von Altflächen (im Zuge der Entstehung der Alpen im Miozän emporgehobene Flächen) umgeben, die in sich meist ein sanftes Relief aufweisen. Diese Hochflächen waren in der letzten Eiszeit vergletschert, wurden aufgrund geringer Eisbewegung aber nur schwach glazial überprägt. An ihren Rändern brechen diese Flächen zu den umgebenden Tälern hin in den genannten Steilwänden ab, hier wurden durch die Eisbewegung Kare ausgeschürft. Das dominante Gestein der Aflenzer Staritzen sind verschiedene Fazies des Wettersteinkalks und seltener Wettersteindolomits, diese sind leicht wasserlöslich und führen damit zu der typischen Verkarstung. Oberflächengewässer sind in der Aflenzer Staritzen nicht vorhanden. Unterhalb des Wettersteinkalks befinden sich Werfener Schichten,[2] diese treten insbesondere am Ostfuß der Staritzen (rund um den Seebergesattel) zutage. Am Osthang der Staritzen tritt außerdem Grafensteigkalk und im Nordosten (Bereich Hauserbauerkogel) Kalk der Sonnschien-Formation auf.[3]
Auf der Hochfläche der Aflenzer Staritzen dominieren verschiedene Rasen-Gesellschaften. Im höheren Westteil des Gebirges wächst häufig das Zweizeilige Blaugras (Oreochloa disticha) mit vergesellschaftlichen Arten,[4] im mittleren Abschnitt wachsen vorrangig Schwingel (konkret Niedriger Schwingel, Festuca pumila) und Alpen-Straußgras. Eine bedeutende Rasengesellschaft am Südabfall der Staritzen ist die Blaugras-Horst-Seggen-Halde.[5] Im niedrigeren Ostteil der Staritzen wächst vermehrt Latschengebüsch (Latschenkiefer mit Alpenrose und weiteren Sträuchern).[6] Wälder kommen nur am Hangfuß bzw. in tieferen Lagen am sanfter reliefierten Ostteil der Staritzen sowie in den größeren Karen vor. Die größten tierischen Bewohner sind die in der Hochschwabgruppe generell häufigen Alpensteinböcke und Gämsen.
Etymologie
Seinen Namen hat das Hochplateau vom Kurort Aflenz und vom slawischen Wort starica, was „Greisin“ oder „alte Frau“ bedeutet.[7] Eventuell ist der Begriff hier in einer übertragenen Bedeutung (im Sinne von „Altfläche“) als „Brachland“ zu verstehen.[8] Das älteste kartographische Werk, das sich mit der Hochschwabgruppe befasst, sind die Vorarbeiten des Augustinermönchs und Kartographen Johannes Clobucciarich (Ivan Klobučarić) zu einer Karte Innerösterreichs. Durch den Tod des Autors 1605 wurde die Karte nie fertiggestellt, jedoch sind die Skizzen dazu im Steiermärkischen Landesarchiv erhalten. Da Clobucciarich kein Deutsch (geschweige denn den lokalen Dialekt) sprach, musste er sich bei seinen Reisen auf Übersetzer verlassen und notierte Namen oft stark verfälscht. Ausgerechnet den slawischen Namen der Staritzen, den er selbst wohl erkannt hätte, nannten ihm diese Informanten in der fälschlich deutsch interpretierten Form „Steinrisen“[9] (bzw. dialektal Starisen, Stoarisen oder ähnlich).
Erschließung

Der bekannteste Aufstieg führt vom Seebergsattel über den Ludwig-Wagner-Steig auf die Seeleiten und via Staritzensattel an der Ringkarwand vorbei zum Hochschwabgipfel. Daneben gibt es noch den Gamssteig über das Bruchtal und den Prinzensteig über die Graualm, der nach Erzherzog Johann benannt ist. Der Habsburger hatte am Fuß der Aflenzer Staritzen im Brandhof sein Domizil. Nebenwege führen u. a. markiert zur Hochweichsel (2006 m), die Seeleiten (1734 m) oder über den Staritzen-Ostgipfel (1810 m).
Die einzigen bewirtschafteten Gebäude sind die Graualmhütte und die benachbarte Halterhütte.
Literatur
- Günter und Luise Auferbauer: Hochschwab, Bergverlag Rudolf Rother, München 2017, 7. Auflage. ISBN 978-3-7633-4189-4
- Martin Moser: Hochschwab. Zwischen Salzatal und Murtal, Bergverlag Rudolf Rother, München 2021, 8. Auflage. ISBN 978-3-7633-4582-3
- Thomas Dirnböck, Stefan Dullinger, Michael Gottfried, Georg Grabherr: Die Vegetation des Hochschwab (Steiermark) - Alpine und Subalpine Stufe. In: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark (Hrsg.): Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark. Band 129. Graz 1999, S. 112–251 (zobodat.at).

