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Ahmad Sirhindi

muslimischer Gelehrter, Sufi und Reformdenker From Wikipedia, the free encyclopedia

Aḥmad Sirhindī (vollständig Abū l-Barakāt Aḥmad ibn ʿAbd al-Aḥad ibn Zayn al-ʿĀbidīn al-Fārūqī as-Sirhindī; arabisch أبو البركات أحمد بن عبد الأحد بن زين العابدين الفاروقي السرهندي; geb. 26. Mai 1564 in Sirhind; gest. 20. November 1624 ebenda), oft Imām Rabbānī (إمام ربّانى) genannt, war ein bedeutender muslimischer Gelehrter, Sufi und Reformdenker der Naqschbandiyya im indischen Mogulreich. Er gehörte der hanafitischen Rechtsschule an. Sein Beiname al-Fārūqī verweist auf seine Abstammung vom zweiten Kalifen, ʿUmar ibn al-Chaṭṭāb.[1] Unter den Anhängern der Naqschbandiyya wird er als Muǧaddid alf-i ṯ-ṯānī (Erneuerer des zweiten islamischen Jahrtausends) verehrt.[2]

Leben und Ausbildung

Mausoleum von Ahmad Sirhindi

Aḥmad Sirhindī begann seine Ausbildung bei seinem Vater. Schon in jungen Jahren trat er in die Sufi-Orden der Chischtīya und Qādirīya ein. Später studierte er Hadith bei Yaʿqūb Kaschmīrī, Koranauslegung (Tafsīr) bei Qāḍī Bahlūl Badachsachānī sowie die rationalen Wissenschaften bei Kamāl Kaschmīrī. In dieser Zeit schloss er sich auch dem Kubrawiyya-Orden an.[1]

In Delhi traf er schließlich seinen eigentlichen spirituellen Meister (Murschid) Bāqī Billāh, der den Naqschbandiyya-Orden in Indien etablierte. Trotz der vielen Orden (Tariqas), denen er angehörte, wurde Sirhindī zu einem entschiedenen Verfechter und Verbreiter der Lehren der Naqschbandiyya.[1]

Er starb 1624 als Vater von vier Kindern und wurde in seiner Geburtsstadt Sirhind begraben.

Positionen und theologische Lehren

Sirhindī vertrat nachdrücklich die Position, dass die Sufi-Tradition streng auf Koran und Sunna gegründet sein müsse.[1] Seine Lehren sind vor allem durch seine Briefsammlung Maktūbāt (arab. مكتوبات) überliefert, die noch zu seinen Lebzeiten zusammengestellt wurde. Das Werk umfasst insgesamt 536 Briefe (534[3]) in drei Bänden, die 1616, 1619 und 1622 abgeschlossen wurden. Inhaltlich behandeln sie vor allem spirituelle Erfahrungen, mystische Lehren und die Definition von Grenzen innerhalb der Sufi-Tradition.[4]

Ein zentrales Anliegen Sirhindīs war die Verortung von Grundsätzen mystischer Erfahrungen im Rahmen des sunnitischen Islams. So betonte er den absoluten Vorrang des Prophetentums. Die spirituellen Eingebungen (Kaschf) oder Erfahrungen der Gottesfreunde (Awliyāʾ) seien im Vergleich zur Erhabenheit der Propheten lediglich wie ein Tropfen im Meer.[5]

Sirhindī setzte sich auch kritisch mit den Aussagen früherer Sufis auseinander. In einem Brief verwirft er theologische Spekulationen, die sich nicht auf Koran und Sunna stützen.[6] Dabei kritisierte er insbesondere einzelne Lehren des einflussreichen Mystikers Ibn al-ʿArabī. Wie der Forscher Yohanan Friedmann herausstellt, stellte Sirhindī jedoch nie die grundlegende Bedeutung Ibn al-ʿArabīs für die Sufi-Tradition in Frage.[7] Sirhindī plädierte für einen Mittelweg: Er erkannte Ibn al-ʿArabī als große Persönlichkeit an, wies aber jene seiner Lehren, die im Widerspruch zur sunnitischen Orthodoxie standen, als fehlerhaft zurück.[6][7]

Äußerungen wie „Ich bin die Wahrheit“ (al-Ḥallādsch) oder „Gepriesen sei ich“ (Bāyazīd al-Bisṭāmī) entschuldigte Aḥmad Sirhindī damit, dass diese in einem Zustand unzurechnungsfähiger Ekstase getätigt worden seien. Für solch vereinzelte, im Rausch getätigte Ausrufe hielt er eine theologische Umdeutung (taʾwīl) durchaus für zulässig und angebracht. Traten Sufis mit ihren Aussagen jedoch so auf, als würden sie reines, objektives Wissen vermitteln, lehnte er jegliches (positives) Umdeuten strikt ab. Derartige Behauptungen dürften nicht nachträglich umgedeutet oder gerechtfertigt werden, sondern seien schlicht als falsch zu benennen.[6]

Werke

  • Maktūbāt
  • Iṯbāt an-nubūwa
  • al-Mabdaʾ wa-l-maʿād
  • Maʿārif-i ladunnīya
  • Mukāšafāt-i ġaibīya
  • Šarḥ rubāʿīyāt-i Ḫwāǧa Bāqī Billāh
  • Risāla-yi tahlīlīya

Literatur

  • İmâm-ı Rabbânî Ahmed-i Fârûkî Serhendî: Mektûbât Tercemesi. 1. Bnd.. Übersetzt von Hüseyin Hilmi Işık. 19. Auflage. Hakîkat Kitâbevi, Istanbul 2014.
  • Yohanan Friedmann: Shaykh Ahmad Sirhindi: An Outline of His Thought and a Study of His Image in the Eyes of Posterity. Oxford University Press, 2000, ISBN 978-0195652642.
  • Necdet Tosun: İmam-ı Rabbani. Erkam Verlag, 2022, ISBN 978-6254404573
Commons: Ahmad Sirhindi – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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