Aimé Laussedat

französischer Offizier und Wissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Aimé Laussedat (* 15. April 1819 in Moulins; † 18. März 1907 in Paris) war ein französischer Offizier und Wissenschaftler.

Aimé Laussedat

Leben

Aimé Laussedat besuchte von 1838 bis 1840 die École polytechnique und verließ die Schule als Unterleutnant des Geniekorps.[1] Er wurde Berufsoffizier und 1851 zum Hauptmann befördert. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war er mit für die Befestigung und Verteidigung von Paris verantwortlich. Er wurde zum Direktor der militärischen Beobachtungsstationen der Stadt und sollte die Bewegungen des Feindes erfassen, wobei er auf die Beobachtungsinstrumente der Pariser Observatorien zurückgriff.[2] 1874 war er als Oberst im französischen Generalstab.[3] Später diente er in der Genietruppe. In dieser Funktion beschäftigte er sich mit geodätischen Arbeiten und entwickelte ein Interesse für die Topografie der Erdoberfläche. Von 1859 bis 1864 war er mit topographisch photogrammetrischen Aufnahmen befasst und war 1860 Leiter einer Expedition zur Beobachtung einer totalen Sonnenfinsternis in Batna. 1879 nahm er Abschied aus der Armee.[1]

Von 1851 bis 1856 war er Repetitor an der École polytechnique und wurde anschließend dort Professor der Astronomie und Geodäsie, was er bis 1871 blieb. 1864 war er erst Hilfsprofessor, dann ab 1873 Titularprofessor im Lehrgang der Geometrie für Künstler am Conservatoire national des arts et métiers. Von 1881 bis zu seinem Ruhestand 1900 war er Direktor des Conservatoire national des arts et métiers.[1]

Er veröffentlichte seine Ergebnisse in zahlreichen Berichten. 1867 wurden in Paris und später auch in Chicago die auf seinen Theorien basierenden Karten ausgestellt. Von 1898 bis 1903 verfasste er sein wissenschaftliches Hauptwerk Recherches sur les instruments, les méthodes et le dessin topographiques.[3]

1879 wurde er erst Kommandeur, dann 1900 Großoffizier der Ehrenlegion. 1894 nahm die Académie des sciences in Paris Laussedat als außerordentliches Mitglied auf.[4] Seit 1960 tragen die Laussedat Heights in der Antarktis seinen Namen.

Werk

Laussedat gilt zusammen mit Albrecht Meydenbauer als einer der Väter der Photogrammetrie. 1851 veröffentlichte er seine Thesen in „Métrophotographie“. 1861 verwendete er als erster terrestrische Aufnahmen zur Herstellung topografischer Karten.

Er arbeitete im Jahre 1846 als junger Hauptmann an einer Karte der Pyrenäen in Frankreich. Um der mühsamen Feldaufnahme und dem ungenauen Freihandzeichnen von Perspektiven aus dem Weg zu gehen, bediente er sich der von William Hyde Wollaston erfundenen Camera lucida und erprobte sein neues Verfahren an der Fassade des Hôtel des Invalides in Paris im Jahre 1849. Nachdem sich dieses als realisierbar herausgestellt hatte, erstellte Laussedat im Folgejahr die erste topographische Aufnahme an der Festung von Vincennes im Jahre 1850. Um dem Fokussierungsproblem der Camera lucida aus dem Weg zu gehen, änderte Laussedat die Form der oberen Prismenfläche. Hierdurch wurde das Bild der Landschaft in die Ebene des Messtisches gebracht, so dass die Verwendung der Camera lucida ein relativ leistungsfähiges, genaues und schnelles Verfahren bot. Mit der Benennung dieses Verfahrens als Ikonometrie (griechisch: Messung des Bildes/Abbildes) verschaffte sich Laussedat einen Platz in der Wissenschaft. Für militärische Zwecke sowie für Entfernungsmessungen von bis zu 15 km kombinierte er die Camera lucida mit einem Teleskop. Zur Zeit der Ikonometrie konnte man Landschaften durchaus schon mit Fotografie und der Camera obscura kartieren, doch waren Kamera und Filmmaterial, nach Meinung Laussedats, für den Feldeinsatz noch zu schwer und instabil. Auch stellte sich der Bildwinkel der Camera obscura von 25° im Gegensatz zu 60° bei der Camera lucida als eher ungünstig für topografische Aufnahmen heraus. 1859 baute der Optiker Bertaud in Zusammenarbeit mit dem Instrumentenbauer Brunner einen Prototyp der späteren Fototheodoliten, welcher nach den Forderungen für ein besseres Instrument von Laussedat entworfen wurde. Hierbei handelte es sich um eine fotografische Kamera mit einer Bussole und einer kleinen Libelle. Sie verfügte bereits über Rahmenmarken, welche auf das entstehende Bild projiziert wurden. Eine Fernrohrlibelle zur Horizontierung, ein Nonius zur diametralen Ablesung des Neigungswinkels des Fernrohres und ein Nonius zur Ablesung des Horizontalwinkels kamen bei der so genannten chambre obscure topographique schon zum Einsatz. Laussedat konnte 1859 Vertreter der Französischen Akademie für den Einsatz der chambre obscure topographique in der Kartografie überzeugen. Daraufhin beauftragte ihn das Kriegsministerium zur vollständigen topografischen Aufnahme des Ortes Buc nahe Versailles. Diese Karte umfasste ca. 200 ha und wurde in zwei Tagen aufgenommen. Im weiteren Verlauf wurde eine Spezialeinheit des Militärs aufgestellt, welche in den folgenden Jahren Aufnahmen von Paris, Teilen der Alpen, der Umgebung von Toulon, den Vogesen und dem Elsass nach Laussedats Vorbild machten. Die Erfassung des ca. 72000 ha großen Gebietes in einem Kartenmaßstab von 1:5000 bewies die Richtigkeit der theoretischen Grundlagen sowie des Verfahrens im Felde.

1858 unternahm der Fotograf Gaspard-Félix Tournachon, besser bekannt unter seinem Pseudonym Nadar, erste fotografische Versuche aus einem Ballon heraus, bei denen er von Laussedat beraten wurde. Laussedat interessierten jedoch die terrestrischen Aufnahmen mehr, weshalb er sich der Verbesserung seiner Instrumente widmete.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Discours prononcé, au nom du Conservatoire national des arts et métiers, à l'inauguration du monument érigé à Annonay aux frères Montgolfier pour le centenaire de l'aérostation, le 13 août 1883. Impr. générale, Lyon, 1883.
  • Discours prononcé le 14 mai 1887 aux obsèques de M. Jean-Baptiste-Joseph-Dieudonné Boussingault. Impr. nationale, Paris, 1887.
  • Conservatoire national des arts et métiers, 1891–1892. Conférences publiques sur la photographie théorique et technique. Gauthier-Villars et fils, Paris, 1892.
  • Recherches sur les instruments, les méthodes et le dessin topographiques. Gauthier-Villars, Paris 1898–1903.
  • La métrophotographie. Gauthier-Villars, Paris 1899.

Literatur

  • Teodor J. Blachut: Die Frühzeit der Photogrammetrie bis zur Erfindung des Flugzeuges (= Geschichte der Photogrammetrie Band 1). Verlag des Instituts für Angewandte Geodäsie, Frankfurt am Main 1988, S. 20–26.
  • Nachruf von Eduard Dolezal, in: Jahrbuch für Photographie, Kinematographie und Reproduktionsverfahren, Band 21, 1907, S. 217–218.
  • Laurent Polidori: Aimé Laussedat (1819–1907): le précurseur de la photogrammétrie. Éditions Publi-Topex, Paris, 2019.

Anmerkungen

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