Aktienspam

Mailwerbung From Wikipedia, the free encyclopedia

Unter Aktienspam versteht man den massenhaften Versand von E-Mails (Spam) zum Zweck der Marktmanipulation. In diesen E-Mails werden meist Aktien eines Pennystocks beworben. Der Versender täuscht darin die Empfänger über einen angeblich hohen Kursgewinn, weil das Unternehmen in Kürze „gute Nachrichten“ (neue Erfindung, neuer Absatzmarkt o. ä.) veröffentliche.

Vorgehen der Absender

Der Versender der Mails kauft vor dem Versenden manchmal auch selbst die Aktien. Angeregt durch die Werbung, steigt das Handelsvolumen und in dessen Folge der Börsenkurs der Aktie. Eine Verdopplung oder sogar Vervielfachung des Kurswertes ist dabei nichts Außergewöhnliches.

Sobald jedoch einige Aktionäre – meist auch der Versender der Werbung – ihre Aktien verkaufen, fällt der Kurs wieder stark. Zum Teil werden dann sogar Kurswerte erreicht, die unter dem Kurs vor dem Spam-Versand liegen. Nicht rechtzeitig abgesprungene Aktionäre bleiben dann auf nahezu wertlosen Papieren sitzen (Scalping).

Es ist zwischen zwei Arten des Aktienspams zu unterscheiden:

  • Es werden zum einen ausländische Aktien beworben, die der Anleger nie mehr verkaufen kann, da diese nur beworben werden, um sie selbst zu verkaufen. Man spricht auch vom „Abladen“. In diesem Fall erwirtschaftet der Spammer die gesamten Einnahmen.
  • Die andere Art von Aktienspam ist die Kaufempfehlung von Aktien, meist inländischer Pennystocks. Hier hat der Spammer vorher Aktien gesammelt und gibt dann die Kaufempfehlung bekannt. Hier profitiert der Spammer, wenn er seine Aktien nach dem Kursanstieg teurer verkauft.

Wenn in beiden Fällen auf diese Interessenkollision nicht wirksam hingewiesen wird und die Aktie durch die Kaufempfehlung steigt oder fällt, stellt dies eine Straftat dar. Wenn der Kurs sich nicht verändert, ist es eine Ordnungswidrigkeit.

Das Versenden von Spam, um auf den Marktpreis der Aktie einzuwirken, stellte nach Ansicht des Bundesgerichtshofs eine „sonstige Täuschung“ im Sinne des § 20a WpHG dar.[1][2][3]

Das Phänomen verlagerte sich nach Einschreiten der US-amerikanischen Börsenaufsicht (SEC) auf den deutschen Markt, wo die Auswirkungen von Aktienspam auf Renditen, Volatilität und Umsätze ungleich größer waren als am amerikanischen Markt. Nach Warnungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und entsprechender Berichterstattung in der Fachpresse verlor die Methode 2007 aber auch in Deutschland seine Bedeutung.[4]

Einzelnachweise

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