Albert Kirchengast

Architekturtheoretiker, Dozent From Wikipedia, the free encyclopedia

Albert Kirchengast (* 11. Oktober 1980 in Feldbach (Steiermark))[1] ist ein österreichischer Architekturtheoretiker, Publizist und Hochschullehrer.[2] Seit 2023 ist er Professor für Architekturtheorie an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg.[3]

Beruflicher Werdegang

Nach Studien der Medizin, Philosophie und Kunstgeschichte an der Karl-Franzens Universität Graz[4], studierte Albert Kirchengast von 2001 bis 2008 Architektur an der Technischen Universität Graz. Am dortigen Institut für Baukunst (später: Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften) war er als Redakteur des Grazer Architektur Magazins (GAM) tätig.[5] Er arbeitete außerdem als Architekturvermittler in Graz und der Steiermark und war dort von 2003 bis 2008 als freier Redakteur der Wochenzeitung Falter tätig.[6]

Von 2008 bis 2017 war er wissenschaftlicher Assistent und Oberassistent an der ETH Zürich bei Ákos Moravánszky am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta), danach am Institut für Landschaftsarchitektur (ILA) bei Christophe Girot.[7] Am ILA hat er die Publikationsreihe Pamphlet (gta Verlag, Zürich) mitherausgegeben[8] und, gemeinsam mit Christophe Girot, die Landschaftstheorie-Reihe Landscript (jovis Verlag, Berlin) begründet, die er bis heute herausgibt[9]. Er war Research Fellow am Institut für die Wissenschaften des Menschen Wien (IWM, 2012/13), Stipendiat des Canadian Center for Architecture (CCA, August 2012) in Montreal und Research Fellow an der Harvard Graduate School of Design (2014).[10] Er promovierte an der ETH Zürich mit einer Arbeit über den ästhetischen Naturbezug der Wohnhäuser Ludwig Mies van der Rohes, die 2018 beim Birkhäuser Verlag veröffentlicht wurde[11].

Von 2018 bis 2021 war er Assistent des Kunsthistorischen Instituts Florenz – Max-Planck-Institut (Alessandro Nova).[12]

Er übte Lehraufträge an diversen europäischen Hochschulen aus, darunter eine Dozentur für Bauen im Bestand an der TU Wien. Von 2017 bis 2022 war er Dozent für Architekturtheorie und Ethik an der FH Kärnten in Spittal an der Drau, von 2019 bis 2020 Gastprofessor am Institut für Gestaltungslehre, András Pálffy, und von 2020 bis 2025 Dozent für Naturethik im Master of Science in Landscape Architecture (MScLA) der ETH Zürich.[13]

Im Frühjahr 2023 wurde Albert Kirchengast auf die Juniorprofessur für Architekturtheorie (Tenure Track) an die Brandenburgische Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, Fakultät für Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung, berufen.[14]

Engagement

Die Forschungsschwerpunkte Albert Kirchengasts umfassen Theorien der Moderne, die Baugeschichte regionaler Entwicklungen der Moderne, Konzepte der Naturästhetik, Landschafts- und Denkmalpflegetheorien, und, insbesondere, die Entwicklung einer Theorie des Ländlichen sowie einer gegenwärtigen Architekturphänomenologie.

Er hat in zahlreichen Fachzeitschriften (u. a. werk, bauen + wohnen, Piranesi, dbz, Bauwelt, proholz, architektur aktuell, dérive, UmBau, Garten + Landschaft, anthos, ÖZKD) sowie der nzz publiziert und ist Autor und Herausgeber mehrerer Publikationen.[15]

Er ist Vize-Präsident von docomomo Austria – einer Organisation, die sich der Dokumentation und Erhaltung der Architektur der Moderne widmet[16] –, Mitglied des Vereins für Architekturtheorie, des Arbeitskreises für die Theorie und Lehre der Denkmalpflege (AKTLD), des Beirats der Internet-Zeitschrift Wolkenkuckucksheim, des Bauarchiv Kärnten sowie der Gemeinnützigen Österreichischen Baukulturstiftung.[17]

Im Auftrag des Bundesdenkmalamts (BDA) war er von 2018 bis 2022 an der Inventarisierung der Nachkriegsarchitektur (1945–1980) im Burgenland und in Kärnten beteiligt.[18] 2019 war er gemeinsam mit Donatella Fioretti und Andreas Czukrowicz Mitglied der Hauptjury des Österreichischen Bauherrenpreises,[19] im Jahr 2016 des Architekturpreises des Landes Burgenland.[20]

Er beschäftigt sich mit architektonischen Aufgaben im Bereich des Um- und Weiterbauens; durch Moderationen, TV- und Radiobeiträge sowie fachliche Stellungnahmen setzt er sich immer wieder kritisch für eine Baukultur der Dauerhaftigkeit ein.[21][22]

Publikationen (Auswahl)

(Quelle: [23])

Monografien

  • Weiterbauen. Für eine besondere Baukultur, Verlag raum.kunst.graz, 2010
  • Topologie/Topology, gta Verlag, 2012; mit Anette Freytag, Christophe Girot, Suzanne Krizenecky, Dunja Richter
  • Landschaft im Gespräch. Sechs Dialoge und ein Epilog, Passagen Verlag, 2015
  • Das unvollständige Haus. Mies van der Rohe und die Landschaft der Moderne, Birkhäuser Verlag, 2019
  • Weiterbauen an Stadt, Siedlung, Dorf. Ein Plädoyer, Birkhäuser Verlag, 2023
  • Burgenland Modern. 100 Jahre, 100 Bauten, Birkhäuser Verlag, 2024; mit Johann Gallis

Herausgeberschaften

  • Experiments – Architektur zwischen Wissenschaft und Kunst/Architecture Between Sciences and the Arts, jovis Verlag, 2011, hg. mit Ákos Moravánszky
  • Mies als Gärtner, gta Verlag, Zürich, 2011, hg. mit Christophe Girot
  • Topology – Topical Thoughts on the Contemporary Landscape, jovis Verlag, 2013, hg. mit Anette Freytag, Christophe Girot, Dunja Richter
  • Miszellen zur Landschaft, gta Verlag, 2013, hg. mit Christophe Girot
  • Großsiedlungsgrün, Sonderausgabe anthos – Zeitschrift für Landschaftsarchitektur/une revue pour le paysage, Zürich, 2014, hg. mit Sabine Wolf
  • Archaische Moderne. Elf Bauten im Burgenland 1960–2010, Verlag Park Books, 2015, hg. mit Norbert Lehner
  • Franz Riepl. Über Architektur, Müry Salzmann Verlag, 2015, hg. mit Hans Kolb
  • Poesie der Architektur, Sonderausgabe Modulor, Zürich 2016, hg. mit Jörn Köppler
  • Landschaft und Lebenssinn, Müry Salzmann Verlag, 2016, hg. mit Erwin Frohmann
  • Nature Modern. The Place of Landscape in The Modern Movement, jovis Verlag, 2017, hg. mit Christophe Girot
  • Franz Riepl baut auf dem Land. Eine Ästhetik des Selbstverständlichen, Birkhäuser Verlag, 2018, hg. mit Franz Kolb
  • Mies und die Poesie der Architektur, Verlag Form + Zweck, 2020, hg. mit Jörn Köppler, Wita Noack
  • Landscape Analogue. About Idealism and Material Culture, jovis Verlag, 2002, hg. mit Christophe Girot
  • Brutalismus in Österreich. Eine Architekturtopografie der Spätmoderne in neun Perspektiven, Böhlau Verlag, 2022, hg. mit Johann Gallis
  • Elementare Gefäße. Zwischen Gebrauch und Kontemplation, Verlag Form + Zweck, 2023, hg. mit Rainald Franz, Wita Noack
  • New Rural. A Future Stance, jovis Verlag, 2026, hg. mit Simon Strauß

Architektonische Projekte (Auswahl)

(Quelle: [24])

  • Restaurierung eines historischen Kellerstöckls, Rechnitz/Burgenland, 2008/09
  • Erweiterung Naturhistorisches Museum Kopenhagen (Wettbewerbsteilnahme), 2009; mit Kai Holtin, Barbara Hohensinn
  • Sanierung des Innenhofs der Grazer Heilandskirche, 2010; mit Kai Holtin
  • Sanierung und Erweiterung Wohnhaus S., Markt Grafenschachen/Burgenland, 2011/12; mit Kai Holtin
  • Revitalisierung eines denkmalgeschützten Hauses, Stadtschlaining/Burgenland, 2017/18
  • Baukünstlerische Bauaufsicht/Detailplanung, Haupt- und Rochusplatz, Stadtschlaining/Burgenland, 2021; Entwurf: Anna Wickenhauser, Dietmar Gasser; Straßenbau: Karl Scheiner
  • Erweiterung Haus L. (Projekt), Oberwart/Burgenland, 2021; mit Anna Wickenhauser
  • Landesvinothek Burgenland (geladener Wettbewerb, 1. Preis), 2021, Burg Schlaining; mit Anna Wickenhauser
  • Revitalisierung eines Pfeilerstadls, Köberlberg/Steimermark (Projekt), 2022, mit Leonhard Panzenböck
  • Gestaltung Synagogenhof und Kellerzugang, Burghotel Schlaining, 2023
  • Restaurierungskonzept für zwei historische Häuser, Stadtschlaining/Burgenland, 2023; mit Anna Wickenhauser

Preise

  • GAD Award der TU Graz für herausragende Diplomarbeiten, „Exkurs zur Höhle“, Graz 2008[25]
  • Support Grant des Canadian Center for Architecture (CCA), 2012[26]
  • Medaille der ETH Zürich für herausragende Dissertationen, „Das unvollständige Haus. Mies van der Rohe und die Landschaft der Moderne“, Zürich 2017[27]
  • DAM Architectural Book Award 2018, grafische Gestaltung „Franz Riepl baut auf dem Land. Eine Ästhetik des Selbstverständlichen“, Birkhäuser Verlag, 2018[28]
  • Architekturpreis des Landes Burgenland 2021, Restaurierung Haupt- und Rochusplatz Stadtschlaining; baukünstlerische Bauaufsicht/Detailplanung[29]
  • Österreichischer Bauherrenpreis 2023 (Nominierung), Landesvinothek Burg Schlaining, mit Anna Wickenhauser[30]

Einzelnachweise

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