Albert Tanner (Historiker)

Schweizer Historiker und Pädagoge From Wikipedia, the free encyclopedia

Albert Tanner (* 14. März 1950 in Teufen AR; † 28. Dezember 2025 in Bern)[1] war ein Schweizer Historiker und Pädagoge. Er lehrte als Historiker an der Universität Bern und war in der Lehrerbildung an der Pädagogischen Hochschule Bern tätig.

Leben

Albert Tanner wurde in der Buebenrüti oberhalb von Teufen in einfachen Verhältnissen geboren.[2] Nach der Matura 1969 in St. Gallen studierte er an der Universität Zürich Geschichte, Neuere deutsche Literatur und Pädagogik. Schon 1976 bis 1979 als Assistent des dort lehrenden Sozialhistorikers Rudolf Braun war Tanner an der Reorganisation des Geschichtsstudiums und an der Vermittlung historischen Wissens interessiert.[2] Neben dem Studium arbeitete er als stellvertretender Primarlehrer und schrieb für die Appenzeller Zeitung und andere Zeitungen.[3] 1982 schloss er eine Dissertation zur Industrialisierung des Kantons Appenzell Ausserrhoden ab.[4] Von 1980 bis 1982 war er Geschichtslehrer an der Kantonsschule Zürcher Unterland.[3] Danach wechselte er an die Universität Bern, wo er als Assistent und später als Oberassistent bei Beatrix Mesmer und ab 1994 als Privatdozent für Neuste Geschichte tätig war. Bei der Nachfolge von Beatrix Mesmer favorisierten die Studierenden 1996 Albert Tanner.[2] Die universitäre Berufungskommission zog ihm jedoch Brigitte Studer vor.[5]

Seine Forschungsschwerpunkte waren wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Wandel im 18. bis 20. Jahrhundert mit den Schwerpunkten Frühindustrialisierung in der Ostschweiz und Schweizer Bürgertum.[6] Seine Arbeiten verbanden wirtschafts- und sozialhistorische Perspektiven mit kulturwissenschaftlichen Fragestellungen.

Tanner leitete ab 2001 in der universitären Lehrerbildung die Abteilung obere Klassen Primarstufe, bis er in der 2005 neu geschaffenen Pädagogischen Hochschule Bern eine Leitungsfunktion übernahm.[7] Als Leiter des Instituts Vorschulstufe und Primarstufe und als Mitglied der Hochschulleitung prägte er gemäss Pädagogischer Hochschule Bern «die Ausbildung von Lehrpersonen im Kanton Bern und darüber hinaus während mehr als zehn Jahren massgeblich mit».[8] 2014 trat er in den Ruhestand.[9]

Auch während Tanner ab den 1980er-Jahren in Bern lebte, behielt er den Bezug zu seiner Herkunftsregion.[10] Dies zeigte sich zum Beispiel in Appenzeller Welten, einem 2016 in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Mäddel Fuchs entstandenen Buch, in dem 41 bemerkenswerte Männer und Frauen porträtiert werden.[2][11]

Tanner zeichnete sich «nicht nur durch enormen Fleiss und eine überlegene Intelligenz» aus, sondern auch durch «Freundlichkeit, Zugänglichkeit, Motivationsgabe», wie er in einem Nachruf von Rolf App gewürdigt wurde.[2]

Publikationen (Auswahl)

  • Spulen, Weben, Sticken. Die Industrialisierung in Appenzell Ausserrhoden. Diss. Zürich 1982.
  • Das Schiffchen fliegt, die Maschine rauscht. Weber, Sticker und Fabrikanten in der Ostschweiz. Zürich 1985.
  • Albert Tanner, Niklaus Meienberg: Kurzer Briefwechsel über Geschichtsschreibung. In: Widerspruch: Beiträge zu sozialistischer Politik. Band 8, Nr. 15, 1988, ISSN 1420-0945, S. 109112, doi:10.5169/seals-651995.
  • Arbeitsame Patrioten, wohlanständige Damen. Bürgertum und Bürgerlichkeit in der Schweiz, 1830–1914. Zürich 1995. Zugleich: Habil.-Schrift Bern, 1994. ISBN 978-3-280-02330-3. Inhaltsverzeichnis PDF
  • Im Zeichen der Revolution. Der Weg zum schweizerischen Bundesstaat 1798–1848, Zürich 1997 (zusammen mit Thomas Hildbrand).
  • Revolution und Innovation. Die konfliktreiche Entstehung des schweizerischen Bundesstaates von 1848. Zürich 1998 (zusammen mit Andreas Ernst und Matthias Weishaupt).
  • Die Konstruktion einer Nation. Nation und Nationalisierung in der Schweiz 18.–20. Jahrhundert. Zürich 1998 (zusammen mit Urs Altermatt und Catherine Bosshart-Pflüger).
  • Vom Wert der Arbeit. Schweizer Gewerkschaften – Geschichte und Geschichten. Zürich 2006 (zusammen mit Valérie Boillat, Bernhard Degen, Elisabeth Joris, Stefan Keller und Rolf Zimmermann).
  • Heterogenität und Integration. Umgang mit Ungleichheit und Differenz in Schule und Kindergarten. Zürich 2006 (zusammen mit Hans Badertscher, Rita Holzer, Andreas Schindler, Ursula Streckeisen).
  • Sprachen lernen - Lernen durch Sprache. Zürich 2010 (zusammen mit Franziska Bitter Bättig).

Einzelnachweise

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