Albinovanus Pedo
römischer Dichter
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Albinovanus Pedo war ein römischer Dichter der augusteischen Zeit. Von seinem Werk ist lediglich ein Fragment erhalten, das eine Seefahrt im Ozean beschreibt und zu den wenigen literarischen Zeugnissen römischer Nordexpeditionen zählt.
Über das Leben des Albinovanus Pedo ist nur wenig bekannt. Er gehörte zum literarischen Umfeld von Ovid, mit dem er befreundet war.[1] Quintilian zählt ihn zu den epischen Dichtern,[2] und Seneca (der Jüngere) bezeichnet ihn als „eleganten Erzähler“ (fabulator elegantissimus).[3] Er schrieb ein episches Gedicht über Theseus (Theseis),[4] sowie Epigramme, die Martial mehrfach als Vorbild lobt.[5] Er wird außerdem bei Sidonius Apollinaris erwähnt.[6]
Pedo besaß ein Haus in Rom, das sich oberhalb des Hauses eines gewissen Sextus Papinius befand und später in den Besitz von Plinius dem Jüngeren überging.[7] Seneca der Jüngere überliefert hierzu eine Anekdote: Pedo habe berichtet, sein Nachbar sei nachts ungewöhnlich aktiv gewesen – man habe zunächst das Geräusch von Peitschenhieben gehört, dann lautes Rufen und schließlich das Rollen eines Wagens. Auf Nachfrage habe sich jedoch herausgestellt, dass der Mann lediglich alltäglichen Tätigkeiten wie Abrechnungen, Stimmübungen und einer nächtlichen Ausfahrt nachging.[8]
Er ist wohl auch jener Pedo, der im Jahr 15 n. Chr. als Präfekt im Heer des Germanicus diente und eine Reitereinheit gegen Ende des Feldzugs in das Gebiet der Friesen führte.[9]
Das erhaltene Fragment
Das Werk des Albinovanus Pedo ist fast vollständig verloren. Das einzige Fragment ist durch die Zitierung bei Seneca dem Älteren erhalten geblieben.[10]
In dem Fragment wird eine Seefahrt römischer Soldaten auf dem Ozean beschrieben. Dabei geraten die Beteiligten in unbekannte Gewässer und verlieren zunehmend die Orientierung. Sie erleben, wie das Tageslicht hinter ihnen zurückbleibt und sie in eine unheimliche, von Dunkelheit geprägte Region vordringen. Zugleich herrscht eine unnatürliche Windstille, die das Meer unbeweglich erscheinen lässt und die Fahrt zusätzlich erschwert. In dieser bedrohlichen Situation steigert sich die Angst der Soldaten, die unter der ruhigen Oberfläche des Wassers Seeungeheuer vermuten. Schließlich entsteht bei ihnen die Vorstellung, sie hätten die Grenzen der bekannten Welt überschritten und befänden sich am äußersten Rand der Erde.
Das Fragment wird häufig mit den Germanienfeldzügen des Germanicus in Verbindung gebracht, insbesondere mit einer im Jahr 16 n. Chr. unternommenen Flottenfahrt in den Nordozean, wie sie auch bei Tacitus geschildert wird.[11] Eine eindeutige Identifizierung des dargestellten Ereignisses ist jedoch nicht möglich. Es gilt als klassische descriptio Oceani, also als literarische Darstellung des Ozeans als Weltgrenze. Pedo verbindet dabei reale Erfahrungen römischer Expeditionen mit mythologischen Vorstellungen vom Oceanus, der in der antiken Vorstellung zugleich als Gottheit und als das die Welt umfließende Urgewässer galt. Der Ozean erscheint als Raum, in dem die Natur selbst an ihre Grenze gelangt (natura deficiens). Das Fragment wird daher häufig im Zusammenhang mit der römischen Expansion und der Wahrnehmung des „Unbekannten“ interpretiert.[12]
Literatur
- Silke Anzinger: Post Oceanum nihil? Albinovanus Pedo und die Suche nach einer anderen Welt. In: Rheinisches Museum für Philologie. Band 158, 2015, S. 326–407.
- Paul von Rohden: Albinovanus 5. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 1314.
- Prosopographia Imperii Romani (PIR) ² (1933) A 478, 479.