Alexandria (Irak)
Stadt im Irak
From Wikipedia, the free encyclopedia
Alexandria oder al-Iskandariyya (arabisch الإسكندرية) ist eine Stadt im Gouvernement Babil im Zentrum des Irak. Sie liegt im Distrikt al-Mahawil, etwa 40 Kilometer[1] südlich von Bagdad und nördlich von al-Hilla, in der Nähe des Euphrat.
| الإسكندرية Alexandria | ||
|---|---|---|
|
| ||
| Koordinaten | 32° 53′ N, 44° 21′ O | |
| Basisdaten | ||
| Staat | Irak | |
| Gouvernement | Babil | |
| ISO 3166-2 | IQ-BB | |
| Distrikt | Distrikt al-Mahawil | |
| Einwohner | 107.980 (2024) | |
Kraftwerksanlage bei Alexandria | ||
Die Stadt ist nach Alexander dem Großen benannt, dessen arabischer Name al-Iskandar lautet. Alexandria im Irak gehört zu mehreren Orten im Nahen Osten, deren Namen auf die hellenistische Stadtgründungspolitik Alexanders und seiner Nachfolger zurückgeführt werden. In der Neuzeit wurde die Stadt vor allem durch ihre Lage im industriell und militärisch genutzten Korridor südlich von Bagdad bekannt.
Geographie
Alexandria liegt im nördlichen Teil des Gouvernements Babil, einer dicht besiedelten und landwirtschaftlich geprägten Region im mittleren Mesopotamien. Das Gouvernement befindet sich zwischen Bagdad im Norden, Karbala im Westen und al-Qadisiyya im Süden. Die Lage nahe dem Euphrat begünstigte seit der Antike Landwirtschaft, Bewässerung und Handel. Das Gebiet gehört zur Schwemmlandebene Mesopotamiens, die durch Flussarme, Kanäle und künstliche Bewässerung geprägt ist.
Die Stadt liegt an der Verkehrsachse zwischen Bagdad und al-Hilla. Diese Lage machte Alexandria sowohl für den zivilen Verkehr als auch für industrielle und militärische Einrichtungen bedeutsam.
Geschichte
Antike und vormoderne Zeit
Der Name Alexandria verweist auf die hellenistische Epoche nach den Eroberungen Alexanders des Großen. In der Überlieferung wird die Stadt zu den mehreren Alexandreias gerechnet, die in den ehemals achämenidischen und mesopotamischen Gebieten gegründet oder nach Alexander benannt wurden. Ihre Lage zwischen Babylon, wo Alexander 323 v. Chr. starb, und dem späteren seleukidischen Zentrum Seleukia am Tigris entsprach der strategischen Bedeutung des mittleren Mesopotamiens in hellenistischer Zeit.
Über die kontinuierliche Stadtgeschichte zwischen Antike, islamischer Zeit und Neuzeit ist weniger bekannt als über die benachbarten Zentren Babylon, al-Hilla oder Bagdad. Die Region blieb jedoch durch ihre Lage im Bewässerungsland zwischen Euphrat und Tigris ein wichtiger Agrar- und Verkehrsraum. In islamischer Zeit gehörte sie zum Kerngebiet des Irak.
Moderne Industrie- und Militärgeschichte
Im 20. Jahrhundert gewann Alexandria durch industrielle und militärische Anlagen in seiner Umgebung an Bedeutung. Besonders bekannt wurde der große Industrie- und Rüstungskomplex al-Qaʿqaʿa südlich von Bagdad und nahe Alexandria. Hier befand sich ein bedeutender irakischer Explosivstoff- und Waffenkomplex, dessen Anlagen auf Satellitenbildern dokumentiert wurden.[2] Der Ort spielte auch eine wichtige Rolle beim irakischen Atomwaffenprogramm. Der Komplex wurde nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 international bekannt, weil große Mengen konventioneller Hochleistungssprengstoffe als verschwunden gemeldet wurden. Das Institute for Science and International Security bezifferte die fraglichen Bestände 2004 auf etwa 330 Tonnen RDX, HMX und PETN und verwies darauf, dass Teile davon unter Kontrolle beziehungsweise Siegeln der Internationalen Atomenergie-Organisation gestanden hatten.[3]
In der Umgebung befanden sich außerdem militärische Einrichtungen der irakischen Streitkräfte, darunter ein Flugplatz beziehungsweise eine frühere Luftwaffenbasis bei al-Iskandariyya. Während der US-geführten Invasion des Irak 2003 und der anschließenden Besatzungszeit lag Alexandria in einem sicherheitspolitisch sensiblen Gebiet südlich von Bagdad, weshalb die US-Streitkräfte hier eine Militärbasis errichteten.
Nach 2003
Nach dem Sturz Saddam Husseins war Alexandria von der allgemeinen Sicherheitskrise im Irak betroffen. Ein besonders schwerer Anschlag ereignete sich am 25. März 2016 im Ort al-Asriya bei Alexandria, als ein Selbstmordattentäter während einer Siegerehrung nach einem Fußballspiel eine Bombe zündete. Australische und internationale Medien meldeten mindestens 30 Tote; die Tat wurde dem sogenannten Islamischen Staat zugeschrieben.[1]
Einwohner
Bei der Volkszählung 2024 wurde eine Einwohnerzahl von 107.980 ermittelt.[4]
| Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 2009 | 82.366 |
| 2024 | 107.980 |
Wirtschaft
Die Stadt liegt an der wichtigen Straßenverbindung zwischen Bagdad und al-Hilla. Dadurch ist sie in den Verkehrskorridor des mittleren Irak eingebunden. In der Umgebung befinden sich außerdem Energie- und Industrieanlagen, darunter Kraftwerks- und frühere Rüstungsstandorte. Die Nähe zu al-Hilla und Bagdad verbindet Alexandria mit den größeren Verwaltungs-, Bildungs- und Absatzmärkten Zentraliraks.

