Alexi e Marcus

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Alexi e Marcus ist ein Liedermacher-Duo (Singer-Songwriter) aus der Surselva im Kanton Graubünden in der Schweiz, das fast ausschliesslich eigene rätoromanische Lieder singt und begleitet. Ihr Lied Il clom dalla Greina wurde zur Hymne der Protestbewegung, die die Greina-Ebene vor der Überflutung und damit Nutzung zur Stromgewinnung gerettet hat.

Geschichte

Alexi Nay (* 4. November 1960 in Trun GR/Zignau) und Marcus Hobi (* 24. März 1962 in Mels) präsentierten sich erstmals als Alexi e Marcus im Herbst 1983 in Laax mit selbst komponierten und getexteten Liedern sowie rätoromanischen Volksliedern.[1] Alexi Nay und Marcus Hobi lernten sich in der Rekrutenschule kennen[2] und studierten anschliessend in Freiburg, wo sie als Sekundarlehrer abschlossen.[3] Vorher hatte Nay das Lehrerseminar in Chur absolviert und Hobi das Gymnasium in Feldkirch und Disentis/Mustér besucht.[4] In Zürich studierte Hobi Musikwissenschaft. Seit über 40 Jahren machen Alexi e Marcus neben ihrem Beruf als Sekundarlehrer zusammen Musik mit Auftritten vor allem in der rätoromanischen Schweiz, aber auch in den anderen Landesteilen. Alexi e Marcus singen ausschliesslich in rätoromanischer Sprache. Einige Lieder sind zu Volksliedern geworden, insbesondere die Lieder Il clom dalla Greina und Salischina.[5]

Charakteristisch für die Lieder der beiden ist der zweistimmige Gesang, begleitet mit akustischer Gitarre (Marcus) und/oder Klavier und Flöte (Alexi). In den Liedern wechseln sich nachdenkliche Momente mit fröhlichen ab und immer überwiegt dabei die Hoffnung.[6] Im Booklet ihrer ersten Langspielplatte Ina canzun von 1984 beschreiben die Künstler ihre Musik wie folgt: «Die Lieder besingen Momentaufnahmen aus dem Alltag, die Beziehung der Menschen untereinander und zur Umwelt, und nicht wenige sind gesellschaftskritischer Natur. Elemente aus dem rätoromanischen Volksliedgut vermischt mit verschiedenen musikalischen Einflüssen lassen einen rätoromanischen Folk entstehen.»[7] Wegen der Harmonie ihrer Stimmen und der Art der Lieder wurden Alexi e Marcus oft als «Simon & Garfunkel der Surselva» bezeichnet.[8]

Alexi e Marcus haben seit Beginn ihrer musikalischen Laufbahn in ihren Liedern Stellung zu Gesellschafts- und Umweltthemen bezogen. Das bekannteste Lied Il clom dalla Greina («Der Ruf der Greina») von ihrer zweiten LP/CD In clom war ein Protestlied gegen die Pläne, die Greina-Ebene für die Stromerzeugung zu fluten.[9] Es hat mitgeholfen, dass der geplante Stausee nicht realisiert wurde.[10]

Das Lied Politica auf der CD Anavon ist eine kritische Abrechnung mit Politikern, die alles tun, um in der Karriere voranzukommen: ruschnar va memia plaun, spèrt vul el s’avanzar, el létga tscheu e leu e leischn’ ad in lischnar (deutsch: „Kriechen geht zu langsam, schnell will er vorankommen, er leckt da und dort und schmeichelt fortwährend“). Passend dazu kostete der Eintritt für ein Konzert in Rueun im April 1985 7 Franken, für Politiker jedoch 10 Franken.[11] Bei der Uraufführung verliess ein bekannter Politiker während des Liedes aus Protest den Saal.[12]

Nach einer längeren Schaffenspause erschienen 2008 die CD Salischina und ein gutes Jahrzehnt später L’alva. Alexi e Marcus haben sich musikalisch weiterentwickelt und auf diesen Tonträgern mit diversen Musikern und Musikerinnen mit verschiedenen Instrumenten zusammengearbeitet und unter anderem mehrere Sagen der Surselva vertont, beispielsweise in den Liedern Salischina,[13] La cavalcada und L’uolp, deren Grundlage sich in Arnold Büchlis Werk Mythologische Landeskunde des Kantons Graubünden findet, oder Il cavagl alv basierend auf Toni Halters Roman Rosshirt am Greinapass (Il cavalè della Greina)[14]. Auf diesen beiden CDs befinden sich auch einige oft gesungene Liebeslieder wie Sas aunc, Amur la stad oder Jeu hai ina muronza.

Ein Meilenstein in ihrem Schaffen war 1986 die Auszeichnung mit dem Kleinen Prix Walo als beste Nachwuchskünstler des Jahres für Il clom dalla Greina. Weitere Auszeichnungen folgten wie der Kulturpreis Pader Flurin Maissen (1990) und der Förderpreis des Kantons Graubünden (1991).[15]

Alexi e Marcus traten 1985 am ersten Open Air Val Lumnezia auf.[16]

Auszeichnungen

  • 1985 Kleiner Prix Walo für die besten Nachwuchskünstler[17]
  • 1990 Kulturpreis Pader Flurin Maissen
  • 1991 Förderpreis des Kantons Graubünden[18]

Diskographie

CDs und LPs mit Beispielen von wichtigen Liedern

  • 1984 Ina canzun (CD und LP): Surselva, Quei dat ei buc tier nus
  • 1986 In clom (CD und LP): Il clom dalla Greina
  • 1990 Anavon (CD)
  • 2008 Salischina (CD): Salischina, Sas aunc, La cavalcada
  • 2020 L’alva (CD und weisse LP): Igl cavagl alv, L’uolp

Einzelnachweise

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