Alfa-Bank

Europäische Privatbank mit Hauptsitz in Moskow, Russland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Alfa-Bank (russisch Альфа-Банк) ist die größte privatwirtschaftliche Universalbank Russlands. Sie wurde 1990 von dem Oligarchen Michail Fridman und seinen Geschäftspartnern (u. a. Pjotr Awen, German Chan, Alexei Kusmitschow) gegründet.[1] Als Teil der Alfa Group bedient die Bank seit den 1990er-Jahren Privat- und Firmenkunden sowie institutionelle Anleger. Der Hauptsitz befindet sich in Moskau.

Schnelle Fakten
Alfa-Bank
Logo
Rechtsform Tochterunternehmen
Gründung 1990
Sitz Moskau, Russland Russland
Mitarbeiterzahl 26.008 (2020)
Branche Bank
Website alfabank.com
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Hauptsitz in Moskau (2022)

Geschichte

Die Alfa-Bank wurde 1990 während der wirtschaftlichen Liberalisierung im Rahmen des Zusammenbruchs der Sowjetunion gegründet. Im folgenden Jahr erhielt die Alfa-Bank von der Bank Rossii eine Banklizenz. Die erste Filiale für Privatkunden wurde 1992 in Moskau eröffnet. Bis Mitte der 1990er Jahre hatte die Bank Filialen in London und Kasachstan eröffnet. 1998 fusionierte die Alfa-Bank mit Alfa Capital, damals eine Schwesterfirma der Alfa Group.

Die Alfa-Bank wuchs rasch zum führenden privaten Finanzinstitut in Russland heran. In den frühen 2000er-Jahren übernahm sie beispielsweise Anteile an Banken in der Ukraine und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. 2001 wurde auch die niederländische Amsterdam Trade Bank übernommen.

Bis Anfang 2022 war Pjotr Awen Präsident der Bank, verließ jedoch im Zuge westlicher Russland-Sanktionen im März 2022 gemeinsam mit Gründer Fridman den Vorstand. Mit der russischen Invasion der Ukraine wurde die ukrainische Alfa-Bank (entstanden aus der 2001 übernommenen Kyivinvestbank) verstaatlicht und Teile ihres Kapitals den Ukrainischen Streitkräften zur Verfügung gestellt.[2] Aufgrund der Sanktionen musste die Bank auch ihre Tochtergesellschaft in Kasachstan veräußern[3], während die niederländische Amsterdam Trade Bank durch die Sanktionen pleiteging.[4]

Anfang 2025 verkauften Michail Fridman und Pjotr Awen ihre Anteile an der Alfa-Bank.[5]

Aktivitäten

Alfa-Bank ist eine Universalbank und bietet das volle Spektrum banküblicher Dienstleistungen – darunter Kontoführung, Kreditvergabe, Investmentbanking, Handelsfinanzierungen und Vermögensverwaltung. Mit etwa 25.000 Mitarbeitern und einem breiten Filialnetz ist sie landesweit präsent. Nach eigenen Angaben betreibt die Bank rund 672 Filialen in allen Regionen Russlands und unterhält Auslandsniederlassungen. Seit ihrer Gründung hat sich Alfa-Bank nach Bilanzsumme, Eigenkapital, Krediten und Einlagen an die Spitze der privaten Banken in Russland gesetzt. Ende 2014 belief sich die Kundenbasis auf etwa 128.000 Firmenkunden und 10,8 Millionen Privatpersonen. 99 Prozent der Anteile an der Alfa-Bank befinden sich im Besitz der AB Holding, während ein Prozent der Anteile an der Bank sich unter Kontrolle der in Zypern registrierten Alfa Capital Holdings (Cyprus) Ltd befinden.[6]

Kontroversen

Alfa-Bank und ihre Eigentümer standen in den letzten Jahren mehrfach in der Kritik und wurden von internationalen Behörden ins Visier genommen. So verhängte die EU im März 2022 Sanktionen gegen die Bank und ihre früheren Leitungsmitglieder.[7] Kurz darauf setzte auch das US-Finanzministerium die Bank unter Vollsperre und nannte sie „Russlands größte Privatbank“.[8] Im August 2023 erhielten zudem vier russische Aufsichtsratsmitglieder (darunter Fridman und Awen) US-Finanzsanktionen wegen ihrer engen Verbindungen zum Kreml.[9] Die Eigentümer legten gegen Sanktionen vor EU-Gerichten Beschwerde ein – im April 2024 urteilte der EuGH, die ursprünglichen Begründungen seien „nicht ausreichend belegt“, die EU-Sanktionen blieben allerdings vorerst bestehen.[10]

Unabhängige Recherchen (z. B. der Pandora Papers der ICIJ) berichteten, dass EU-Behörden eine „enge Beziehung“ der Alfa-Eigentümer zu Präsident Putin feststellen.[1] Gegen die Bank selbst gibt es zudem Ermittlungen wegen Geldwäsche und Korruptionsverdachts. Im Dezember 2017 etwa durchsuchten niederländische Ermittler die Amsterdam Trade Bank (eine Alfa-Tochter) im Rahmen eines Verdachts auf Geldwäsche. In diesem Zusammenhang wurden auch Verbindungen zu einem milliardenschweren Bestechungsskandal um das Telekom-Unternehmen VimpelCom (heute VEON) bekannt: Alfa-Konten sollen zur Zahlung illegaler Vergütungen genutzt worden sein.[11]

Mehrere Medien berichten, dass es Aktivitäten zwischen Computerservern der Alfa-Bank und der Trump Organization gegeben habe[12], was zum Inhalt der Sonderermittlung zur Beeinflussung des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten 2016 wurde. Ein Bericht des US-Senats akzeptierte die Einschätzung des FBI, dass es sich bei dieser Aktivität „wahrscheinlich nicht um einen geheimen Kommunikationskanal“ handelte, erklärte jedoch, dass es keine Erklärung für diese „ungewöhnliche Aktivität“ gebe.[13] Nach der US-Wahl 2016 soll Pjotr Awen sich zudem als Vermittler zwischen Putin und Donald Trumps Übergangsteam angeboten haben.[14]

Commons: Alfa-Bank – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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