Alfred Lindemann (Propagandafunktionär)

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Alfred Friedrich Ernst Lindemann (* 30. November 1900 in Kulmsee, Westpreußen; † 5. Juni 1965 in Eutin[1]) war ein deutscher Propagandafunktionär. Er war unter anderem Leiter der Landesstelle Kurmark des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.

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Begründung: keine Relevanz dargestellt, war lediglich Referent des Ministeriums. Auch keine Relevanz als Mitglied des Provinziallandtags, da dies damals schon lange nicht mehr die oberste subnationale Ebene war. Mirmok12 (Diskussion) 14:25, 18. Jul. 2026 (CEST)

Leben und Tätigkeit

Frühe Jahre, Erster Weltkrieg und Freikorpszeit

Lindemann war ein Sohn des Kaufmanns Wilhelm Lindemann. Er wurde an der Volksschule und am Gymnasium unterrichtet, das er bis zur Obersekunda besuchte. Im Dezember 1917, während des Ersten Weltkriegs, trat er als Kriegsfreiwilliger in die preußische Armee ein, in der er zur Fliegertruppe kam.

Nach Kriegsende ging Lindemann 1919 zum Grenzschutz Ost. Von diesem ging er später im selben Jahr zum Freikorps Roßbach. Mit diesem nahm er im Herbst 1919 am Marsch dieses Freikorps in Baltikum teil, wo die Formation im November 1919 die Eiserne Division aus dem von lettischen Verbänden umzingelten Thorensberg befreite, um bis Dezember nach Ostpreußen zurückzumarschieren. Im Jahr 1920 nahm Lindemann mit dem Freikorps Roßbach im Gefolge des Kapp-Putsches an Kämpfen in Mecklenburg und der Niederschlagung des Ruhraufstandes teil. Zwischen den aktiven Einsätzen der Roßbach-Truppe gehörte er der Arbeitsgemeinschaft Roßbach an, einer Tarnorganisation, die dazu diente, die Roßbachschen Freikorpsmänner als Gruppen von landwirtschaftlichen Arbeitern auf dem Land in Mecklenburg, Pommern und Schlesien verborgen zu halten. Nachdem die Roßbach-Truppe im Sommer 1921 ein letztes Mal aktiviert wurde, um an den deutsch-polnischen Grenzkämpfen während des 3. Oberschlesischen Aufstandes teilzunehmen, nahm er an den dortigen Kämpfen teil und schied nach deren Abschluss am 5. Juli 1921 als Fähnrich aus der Roßbach-Organisation aus.

Verdacht der Verwicklung in Femetaten und andere illegale Unternehmen

Um 1923 geriet Lindemann in Verdacht, in dem in der Nacht zum 7. Juni 1922 in Breslau begangenen Fememord an dem Zigarrenkaufmann Kurt Herrmann beteiligt gewesen zu sein. Die Täter kamen aus dem Kreis der aus dem Freikorps Roßbach hervorgegangenen rechtsgerichteten Wachgesellschaft „Schlesien“, die von Herrmann finanziell unterstützt wurde. Herrmann wurde von vier Männern in seiner Wohnung im Schlaf überfallen, mi Chloroform und Faustschlägen betäubt und anschließend erstickt, indem ein Kissen in sein Gesicht gedrückt wurde. Die genauen Gründe für die Tat sind nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass Herrmann im Streit mit der Führung der Wachgesellschaft oder drohte, Interna über illegale Waffengeschäfte oder Putschpläne der extremen Rechten preiszugeben. Die Tat wurde dann in einem Verfahren vor dem Landgericht Breslau im Jahr 1924 aufgearbeitet (Strafsache gegen den Hilfsarzt Otto Gebauer und Genossen). Lindemann war neben Otto Gebauer, Mayer, Spöhrer und Tippel einer von fünf Angeklagten. Durch Beschluss des Landgerichtes vom Dezember 1924 setzte das Gericht ihn von der Anschuldigung, Herrmann vorsätzlich getötet und die Tötung mit Überlegung ausgeführt zu haben aus dem tatsächlichen Grund des mangelnden Beweises außer Verfolgung.[2]

1923 wurde Lindemann wegen Mitwirkung an der Vorbereitung eines freischärlermäßigen Militärunternehmens gegen die von den Litauern besetzte Stadt Memel verhaftet. Anschließend verbrachte er wegen Verstoßes gegen das Republikschutzgesetz 13 Monate in Haft. Demgegenübeer wurden er und vier andere Männer in einem separaten Prozess vor dem Amtsgericht Stargard am 12. November 1924 von dem Vorwurf der Geheimbündelei freigesprochen. Angeklagt in diesem Verfahren waren der frühere Vorsitzende der Stargarder Wach- und Schließgesellschaft, Andreas Mayer, sowie vier ehemalige Inspektoren derselben, darunter Lindemann. Die fünf Männer hatten sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Freikorps Roßbach Ende 1921 in dieser Organisation, die offiziell Landwirten Männer für Wach- und Flurdienst vermitteln sollte, gesammelt. Lindemann und die übrigen vier wurden verdächtigt, 1923 an geheimen und staatsfeindlichen Verbindungen teilgenommen zu haben, die die Bestrebung verfolgten, die verfassungsmäßige Ordnung des Staates zu untergraben und zu diesem Zweck auch unbefugte Waffen zu besitzen. Das Verfahren endete mit einem Freispruch, da nur nachgewiesen werden konnte, dass Mayer seit 1923, vom Gericht als "phantastisch" angesehene Pläne für einen Handstreich auf das Memelgebiet vorbereitete (was in einem separaten Verfahren Anklagepunkt war).

1925 wurde Lindemann Vertreter der Lebensmittelbranche. 1929 nahm Lindemann als Zeuge am Stettiner Fememordprozess teil. Gegenstand des Prozesses war die Ermordung eines Angehörigen der Arbeitsgemeinschaft Roßbach im Juli 1920 wegen des Verdachtes, dass er beabsichtigt habe, Waffen der Organisation an Kommunisten oder alliierte Überwachungskommissionen zu verraten.

Betätigung in der NS-Bewegung

1929 trat Lindemann in die NSDAP und ihren Straßenkampfverband, die SA, ein. Er wurde zunächst hauptamtlich als Propagandaredner und später als Führer der Standarte 10 der SA in Brandenburg (Kommandeur der „grenzmärkischen SA“) eingesetzt.

1930 erhob der Oberstaatsanwalt in Meseritz Anklage gegen Lindemann, weil er in mehrren öffentlichen Versammlungen die verfassungsmäßige Ordnung und die republikanische Staatsform des Landes Preußen beschimpft sowie durch Beschimpfung von Mitgliedern der preußischen Regierung herabgewürdigt und er außerdem die Reichsflagge beschimpft hatte.[3]

1933 wurde Lindemann im Reichsarbeitsdienst tätig, in dem er als Oberfeldmeister die Funktion eines Abteilungsführers innehatte. Aus dieser Stellung schied er im August 1933 aus, um stattdessen den Posten des Leiters der Landesstelle Kurmark des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda zu übernehmen. Nebenbei wurde er Vorsitzender des Haushaltsausschusses der Provinz Brandenburg, Aufsichtsrat der Provinzialbank, der Stadtschaftsbank und der Provinziallebensversicherung Brandenburg.

Im August 1935 wurde Lindemann unter der Anklage, Gelder, die mit Hilfe der NSDAP eingekommen waren, für die Landesstelle verwendet zu haben sowie leichtfertig gewirtschaftet zu haben, verhaftet und wegen Untreue (unter Freispruch von dem Vorwurf, sich selbst Vorteile verschafft zu haben) zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Lindemanns Ehefrau erhielt auf Vermittlung des Gauleiters und Oberpräsidenten von Brandenburg Wilhelm Kube für die Dauer der Inhaftierung ihres Mannes eine Stellung im brandenburgischen Provinzialdienst als Hilfserzieherin in Strausberg.[4]

1937 wurde er auf Veranlassung des Propagandaministers Joseph Goebbels von Adolf Hitler begnadigt. Nach seiner Haftentlassung wurde Lindemann aufgrund seiner Haftstrafe aus der NSDAP ausgeschlossen. Ende 1938 erhielt Lindemann eine Genehmigung, als Buchvertreter für den Deutschen Verlag zu arbeiten.

Ehe und Familie

Am 1. Dezember 1934 heiratete Lindemann in Berlin Hildegard Rosa Magdalena Kaiser.[5]

Archivalische Überlieferung

Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz verwahrt die Akte zu einem Strafverfahren gegen Lindemann im Jahr 1931 wegen Vergehen gegen das Republikschutzgesetz (Rep. 84a, Nr. 54012).[6]

Literatur

  • Sabine Brummel: Die Werktätigen in DEFA-Spielfilmen: Propaganda in den Filmen der DDR, 2010, ISBN 3842816561.
  • Holger Theuerkauf: Goebbels' Filmerbe, Ullstein, 1998, ISBN 3-550-06966-9 Seite 159.
  • Alexander Zinn: Schwule Nazis. Zur Genese und Etablierung eines Stereotyps, 2024.
  • Lindemann, Alfred. In: Cuno Horkenbach (Hrsg.): Das Deutsche Reich von 1918 bis heute. 1933, S. 511.

Einzelnachweise

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