Alfred Mende

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Alfred Mende (* 13. September 1886 in Freibergsdorf; † 14. Dezember 1975 in Freiberg) war ein Anführer der Freiberger Erwerbslosenbewegung und ein „Aufrührer“ beim Freiberger Blutbad 1923. Später war er als Schausteller, Händler, Modellierer und Bergbaukenner bekannt. Als Freiberger Stadtoriginal wurde er Schlamende, Schlahmende oder Kalmus genannt.

Leben

Alfred Mende stammte aus einer Bergarbeiterfamilie, zunächst arbeitete er als Dachdecker. Seit 1900 war Mende wegen Diebstahls, Hehlerei, Betrug und gefährlicher Körperverletzung mehrfach in Haft, unter anderem in der Gefangenenanstalt in Hoheneck. 1909/10 wurde er in die Landesanstalt Colditz eingewiesen.[1]

Nach 1919 war er Mitglied in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Er verdiente seinen Lebensunterhalt zeitweise als Händler, zeitweise war er arbeitslos und lebte von Erwerbslosenunterstützung. Er entwickelte sich zu einem Anführer der Freiberger Erwerbslosenbewegung.

Im Krisenjahr der Weimarer Republik 1923 wurde Mende zum Schrecken des Freiberger Bürgertums. Er setzte mit Gleichgesinnten aus den städtischen Elendsbaracken die Stadtverwaltung mit radikalem Eifer und permanenten Demonstrationen unter Druck. Obwohl er Mitglied der KPD war, setzte er sich regelmäßig über die Parteilinie hinweg. Mit seiner latenten Gewalttätigkeit kann er eher als ein Vertreter der „direkten Aktion“ gelten.[2]

Nachdem am 7. April 1923 eine von Mende dirigierte Menge von mehreren hundert Menschen während einer Stadtverordnetenversammlung ins Rathaus eindrang und sich einen Kampf mit der schwachen Polizei lieferte, wurde Mende verhaftet. Er hatte die Gruppe, welche eine Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung forderte, mit einem Knüppel angeführt und war dabei verletzt worden.[3]

Am 1. September 1923 gelang es einer etwa 300 Personen umfassenden und teilweise bewaffneten Menschenmenge in den Hof des Freiberger Gerichtsgefängnisses einzudringen, in dem Mende festgehalten wurde und ihn zu befreien. Eine zeitnahe „Wiederverhaftung“ Mendes wurde vom sächsischen Justizminister Alfred Neu (SPD) aus Angst vor erneutem Aufruhr untersagt.[4]

Während des Freiberger Blutbades am 27. Oktober 1923 ging Mende gegen Reichswehrsoldaten vor. Nach Zeugenaussagen führte der Versuch Mendes, einem Soldaten das Gewehr zu entreißen, zum Feuerbefehl auf Seiten der Reichswehreinheit.[5] Aufgrund dieser Tat wurde Mende 1925 wegen schweren Aufruhrs und schweren Landfriedensbruchs zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Im Urteil wurde er als „nervenleidend“ und „leicht erregbar“ bezeichnet.[6]

Nach seiner Haftentlassung 1926 arbeitete er als Händler, Schausteller und Künstler. Über sein Leben während des Nationalsozialismus sind keine Einzelheiten überliefert.

Zu DDR-Zeiten war er als „Freiberger Original“ bekannt und zeichnete sich durch sein unangepasstes Verhalten aus. Am bekanntesten war sein sogenanntes Buckelbergwerk, mit welchem er ohne behördliche Genehmigung auf jedem Jahrmarkt und Volksfest und auf dem Freiberger Weihnachtsmarkt (heute Freiberger Christmarkt) erschien.[7] Dieses Buckelbergwerk wurde als das „Bergwerk von Mende“, „Mende-Schacht“ oder „Menden-Schacht“ (welcher tatsächlich unter diesem Namen im Freiberger Bergbaurevier existierte) bezeichnet. Gegen ein geringes Entgelt wurden die Schranktüren, die gegen Wettereinflüsse und vor „unbezahlten“ Blicken schützten, geöffnet. Seine Modelle und Figuren, die in einem alten, aus massivem Holz gefertigten Kleiderschrank untergebracht waren, waren aus Holz, Blech und Brotteig hergestellt und mit Farbe bemalt.

In strengen Wintern formte er Eisplastiken im Freiberger König-Albert-Park. Ein weiteres Zubrot verdiente er sich durch den Verkauf von Kalmus.

Legenden

Mündlich überliefert ist, dass er mit den Studenten der TU Bergakademie Freiberg zahlreiche Wetten einging und sie häufig gewann. So zum Beispiel, dass er für 20 Mark auf dem Obermarkt seine Fäzes hinterlässt, ohne dass er öffentliches Ärgernis erregt. Mende löste dies – so die Legende – durch Hinhocken und unter Benutzung eines großen, langen Mantels als Bekleidungsstück.

Auszeichnung

2009 wurde die vom Freiberger Kunstverein verliehene „Kalmus-Plakette“ erstmals an Siegmar Cholet, einen Pantomimen und Kabarettisten, verliehen. Diese Plakette erinnert an Alfred Mende, den „Kalmus“.

Literatur

Einzelnachweise

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