Alfred Potiquet
französischer Staatsbeamter und Philatelist
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François-Gabriel-Alfred Potiquet (* 4. Dezember 1820 in Magny-en-Vexin; † 9. April 1883 in Nogent-l’Artaud) war ein französischer Verwaltungsbeamter, Kartograf, Lokalhistoriker, Sammler und Philatelist. Bekannt wurde er vor allem durch den 1861 erschienenen Catalogue des timbres-poste créés dans les divers états du globe, einen der frühesten Briefmarkenkataloge.

Leben
Potiquet wurde als Sohn von F.-T. Potiquet in Magny-en-Vexin geboren. Sein Vater leitete dort ein Pensionat für junge Männer.[1] Potiquet trat zunächst in Meaux in den Dienst der französischen Brücken- und Straßenbauverwaltung und wechselte später nach Paris in die Büros des Chefingenieurs des Départements Seine. Bei seiner Pensionierung führte er den Rang eines conducteur principal des ponts et chaussées.[1]
Neben seiner Verwaltungstätigkeit veröffentlichte Potiquet mehrere Handbücher und Nachschlagewerke zum Dienst der Ponts et Chaussées, darunter Sammlungen von Gesetzen, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften. Nach zeitgenössischer Einschätzung wurden diese Arbeiten besonders für den verwaltungsrechtlichen Teil des Straßen- und Brückenwesens genutzt. 1878 wurde Potiquet zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.[1][2]
In den 1850er- und 1860er-Jahren war Potiquet außerdem als Zeichner und Bearbeiter von Karten tätig. Die zeitgenössische biografische Notiz nennt besonders Karten zu französischen und ausländischen Eisenbahnlinien sowie Pläne von Paris.[1]
Nach seiner Pensionierung Ende 1875 widmete sich Potiquet verstärkt der Geschichte seiner Heimatstadt Magny-en-Vexin und des Vexin. Er veröffentlichte lokalhistorische Arbeiten, unter anderem zu Magny-en-Vexin, zum Kanton Magny-en-Vexin, zu örtlichen Wappen, Grabinschriften und historischen Persönlichkeiten der Region. Mehrere dieser Schriften erschienen nur in sehr kleinen Auflagen.[1] Seine erhaltenen wissenschaftlichen und lokalhistorischen Unterlagen werden im Fonds Alfred Potiquet der Archives départementales du Val-d’Oise geführt.[3]
Potiquet starb am 9. April 1883 in Nogent-l’Artaud im Département Aisne. Er wurde seinem Wunsch entsprechend auf dem Friedhof von Magny-en-Vexin beigesetzt.[1]
Philatelie

Potiquets Briefmarkenkatalog beruhte auf der zuvor nur in kleiner Zahl und nicht für den allgemeinen Buchhandel bestimmten Liste des Straßburger Buchhändlers Oscar Berger-Levrault. Potiquet überarbeitete diese Grundlage, ergänzte weitere Ausgaben und korrigierte Fehler.[4]
Sein Catalogue des timbres-poste créés dans les divers états du globe erschien 1861 in Paris. Die zweite, als „revue, corrigée et augmentée“ bezeichnete Ausgabe erschien 1862 unter Potiquets Namen und ist über Gallica digital zugänglich.[5] Die zeitgenössische biografische Notiz bezeichnet den Katalog als den ersten dieser Art.[1] Nach Carlrichard Brühl enthielt Potiquets Katalog 1080 Briefmarken und 132 Ganzsachen; vollständig war er dennoch nicht, da damals noch unbekannte Ausgaben wie die Blaue und Rote Mauritius fehlten.[4]
Parallel entstanden im englischsprachigen Raum weitere frühe Kataloge, unter anderem durch John Edward Gray. Für die Geschichte der philatelistischen Literatur steht Potiquet damit am Übergang von privaten Sammlerlisten zu gedruckten, öffentlich erhältlichen Briefmarkenkatalogen.
Kartografische Arbeiten
Potiquets kartografische Arbeiten stehen in engem Zusammenhang mit seiner Verwaltungstätigkeit und dem Ausbau von Verkehrs- und Stadtinfrastruktur im Zweiten Kaiserreich. Auf Wikimedia Commons sind mehrere Karten und Pläne mit Bezug zu Potiquet überliefert, darunter ein Plan von Paris mit der Einteilung in Arrondissements und Quartiere, Karten zu Eisenbahnlinien sowie Planungen zur Pariser Ringbahn.[6]
- Plan von Paris mit Einteilung in Arrondissements und Quartiere, gezeichnet von Achin und Potiquet, 1860
- Karte der Chemin de fer du Nord, 1858
- Projekt zur Ergänzung der Pariser Ringbahn am linken Seineufer, 1863
- Grab Potiquets auf dem Friedhof von Magny-en-Vexin
Schriften (Auswahl)
- Catalogue des timbres-poste créés dans les divers états du globe. Eugène Lacroix / E. de Laplante, Paris 1861.
- Catalogue des timbres-poste créés dans les divers états du globe, dressé par Alfred Potiquet. 2. Auflage, E. Lacroix, Paris 1862.[5]
- Dictionnaire des contraventions aux règlements sur la police de la grande voirie et à la loi sur la police du roulage. Paris 1861.
- Organisation du corps des conducteurs des ponts et chaussées. Paris 1864.
- L’Institut national de France, ses diverses organisations, ses membres, ses associés et ses correspondants. Didier, Paris 1871.
- Jean-Baptiste Santerre, peintre: sa vie et son œuvre. Paris 1876; 2. Auflage, Magny-en-Vexin 1878.
- Recherches historiques et statistiques sur Magny-en-Vexin. Magny-en-Vexin 1877.
- Biographies: anciens seigneurs, artistes, hommes de lettres, savants, etc. du canton de Magny-en-Vexin. Magny-en-Vexin 1877.
- Armorial du canton de Magny-en-Vexin. Magny-en-Vexin 1879.
- Conspiration royaliste à Magny-en-Vexin. Magny-en-Vexin 1880.
- Biographie des personnes remarquables du canton de Magny-en-Vexin. Magny-en-Vexin 1882.
Literatur
- Carlrichard Brühl: Geschichte der Philatelie. Band 2, Olms, Hildesheim 1985, ISBN 3-487-07618-7, S. 604.
- Manfred Amrhein: Philatelic Literature. A History and a Select Bibliography from 1861 to 1991. Band 1, ISBN 9977-47-155-X, S. 9 f.
- Peter Fischer: Basiswissen: Potiquet. In: Deutsche Briefmarken-Zeitung, Nr. 9/2014, S. 44.
- Wolfgang Maassen: Wer ist wer in der Philatelie? Band 4: M–R. 3. Auflage, Phil Creativ, Schwalmtal 2021, ISBN 978-3-928277-26-6, S. 259–260.
- Léon Thomas: Notice sur M. A. Potiquet. In: Mémoires de la Société historique et archéologique de l’arrondissement de Pontoise et du Vexin. 1884, S. 63–69.
Weblinks
- Literatur von und über Alfred Potiquet im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Catalogue des timbres-poste créés dans les divers états du globe, 2. Auflage, 1862 bei Gallica
- Potiquet, Alfred (1820–1883) bei FranceArchives
- Dossier François Gabriel Alfred Potiquet in der Base Léonore der Archives nationales