Alfred Rochat

Schweizer Romanist From Wikipedia, the free encyclopedia

Alfred Rochat (* 17. April 1833 in Vevey; † 13. März 1910 in Bex) war ein Schweizer Romanist. Bekannt wurde er durch seine Freundschaft mit Conrad Ferdinand Meyer und durch seine Mitarbeit an der Elberfelder Bibel.

Leben

Rochat war der Sohn des freikirchlichen Pastors Charles Rochat (1792–1838) und dessen englischstämmiger Frau Ann Eliza geb. Dorville (1797–1837). Nach dem frühen Tod seiner Eltern kam er unter die Vormundschaft des Weinhändlers Jean Marc Étienne Durand (1793–1877), eines Freundes seines Vaters in Vevey. Die Jahre 1848 bis 1851 verbrachte er in Tübingen, wo er mit Karl Wilhelm von Graffenried (1834–1909) und seinem späteren Schwager Henri Rossier (1835–1928) das Lyzeum besuchte und 1849 die Gründung der zweiten deutschen Brüdergemeinde miterlebte. Im Sommersemester 1853 begann er in Zürich ein Philologiestudium, das er am 8. Juni 1855 mit der Promotion abschloss. Vom Sommersemester 1857 bis zum Sommersemester 1872 war er an der Universität Zürich als Privatdozent für romanische und germanische Sprachen tätig; sein Forschungsschwerpunkt lag auf der Literatur des Mittelalters und auf der französischen und okzitanischen Grammatik.

1857 oder spätestens 1858 lernte er den angehenden Zürcher Dichter Conrad Ferdinand Meyer kennen und freundete sich mit ihm an. Ende 1858 begannen sie gemeinsam, die Römische Geschichte Theodor Mommsens ins Französische zu übersetzen, doch das Projekt scheiterte im Februar 1859 an Schwierigkeiten mit dem Verleger Hachette in Paris. Meyer besprach mit Rochat häufig seine dichterischen Pläne und las ihm seine Gedichte vor; die Veröffentlichung der Zwanzig Balladen von einem Schweizer (1864) erfolgte u. a. auf Rochats Zureden. In dieser Zeit setzten sich Meyer und seine Schwester Betsy auch intensiv mit den Ideen der Brüderbewegung auseinander, der Rochat angehörte.

1872 gab Rochat seine Stellung als Dozent, auf die er finanziell nicht angewiesen war, auf und zog sich ins Privatleben zurück. Er übersiedelte 1875 nach Stuttgart und schloss sich dort wieder der Brüdergemeinde an. 1876 lernte er Rudolf Brockhaus kennen, der seinen Militärdienst in Stuttgart ableistete. Im Verlag von Brockhaus’ Vater Carl war 1871 die Elberfelder Bibel erschienen, und Rochat bot ihm an, sich an der notwendigen Überarbeitung des Alten Testaments zu beteiligen (das Neue Testament übernahm Emil Dönges, Rudolf Brockhaus selbst arbeitete an beiden Testamenten mit). Die „sorgfältig durchgesehene“ zweite Gesamtausgabe der Elberfelder Bibel erschien 1891; weitere Auflagen folgten 1898, 1901 und 1905.

Seine Freundschaft mit Conrad Ferdinand Meyer setzte Rochat nach seinem Wegzug aus Zürich brieflich fort. Meyer benutzte das von Rochat herausgegebene Altladinische Gedicht in Oberengadiner Mundart (1874) als Quelle für seinen Roman Jürg Jenatsch (1876), Rochat machte Meyer 1880 mehrere (vor allem sprachliche) Korrekturvorschläge zu seiner Novelle Der Heilige. Eine nicht überlieferte Äußerung Rochats über diese Novelle war allerdings auch der Grund für eine vorübergehende Verstimmung Meyers; in einem Brief an seine Schwester vom 20. April 1880 zählte er Rochat zu den „ästhet. Ungebildeten“, deren Urteile „geradezu haarsträubend“ seien,[1] „völlig desorientiert“.[2]

Nach Meyers Tod 1898 bat sein Biograf Adolf Frey auch Rochat um Erinnerungen an den Dichter. Rochat übermittelte ihm am 6. Januar 1899 brieflich einige Informationen, die Frey nahezu wörtlich in seine Biografie übernahm.

1905 verließ Rochat Stuttgart und kehrte in die Schweiz zurück. Seinen Lebensabend verbrachte er in Bex (Kanton Waadt), wo er 1910 etwa einen Monat vor seinem 77. Geburtstag starb. Seine Frau Rosalie geb. Rossier (1834–1928), die er am 5. April 1857 in Zürich geheiratet hatte, überlebte ihn um 18 Jahre. Sie hatten zwei gemeinsame Kinder: Auguste Eugénie (1866–1954) und Frédéric Guillaume Dorville (1867–1940).

Veröffentlichungen

Bücher

Aufsätze

Quellen und Literatur

  • Adolf Frey: Conrad Ferdinand Meyer. Sein Leben und seine Werke. Cotta, Stuttgart 1900, S. 134–136 (Scan in der Google-Buchsuche).
  • Adolf Frey (Hrsg.): Briefe Conrad Ferdinand Meyers. Nebst seinen Rezensionen und Aufsätzen. Band 2. Haessel, Leipzig 1908, S. 95 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Ernst Eylenstein: Carl Brockhaus. Ein Beitrag zur Geschichte der Entstehung des Darbysmus in Deutschland. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte. Band 56, NF 9 (1927), S. 275–312, hier 287, 292 f.
  • Die Universität Zürich 1833–1933 und ihre Vorläufer. Festschrift zur Jahrhundertfeier. Hrsg. vom Erziehungsrate des Kantons Zürich. Bearbeitet von Ernst Gagliardi, Hans Nabholz und Jean Strohl. Verlag der Erziehungsdirektion, Zürich 1938, S. 491, 719, 987 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Maria Nils: Betsy, die Schwester Conrad Ferdinand Meyers. Huber, Frauenfeld/Leipzig 1943, S. 98, 100 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • David A. Jackson: Conrad Ferdinand Meyer mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (= rowohlts monographien. Band 238). Rowohlt, Reinbek 1975, S. 50, 86.
  • Conrad Ferdinand Meyer: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Besorgt von Hans Zeller und Alfred Zäch. Benteli, Bern 1958–1996, DNB 550114904; Bd. 4, S. 235; Bd. 5.1, S. 92; Bd. 6, S. 437, 456, 459; Bd. 10, S. 288, 386 f.; Bd. 13, S. 291; Bd. 13, S. 334; Bd. 14, S. 164; Bd. 15, S. 577 f., 694, 759, 771 f.
  • C. F. Meyers Briefwechsel. Historisch-kritische Ausgabe. Hrsg. von Hans Zeller, ab Bd. 4.1 von Wolfgang Lukas und Hans Zeller. Benteli, Bern 1998–2004, ab Bd. 4.1 Wallstein, Göttingen 2014–2024, DNB 957874537; Bd. 2, S. 31, 315; Bd. 3, S. 307; Bd. 4.3, S. 31, 36, 38 f., 41 f., 49, 365; Bd. 4.4, S. 60 f.; Bd. 4.7, S. 303 f.
  • Richard Trachsler: La philologie romane en Suisse. Du cas particulier à l’exception. In: Zeitschrift für romanische Philologie. Band 132 (2016), S. 938–957, hier 941 f., doi:10.1515/zrp-2016-0071.

Einzelnachweise

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