Alfred William Finch
Finn. Maler, Keramiker, Radierer, geb. in Belgien
From Wikipedia, the free encyclopedia
Alfred William Finch (* 28. November 1854 in Brüssel; † 28. April 1930 in Helsinki) war ein belgisch-finnischer Maler, Keramiker und Grafiker, der vor allem für seine Beiträge zur neoimpressionistischen Malerei und zur europäischen Jugendstil-Keramik bekannt ist.[1][2]

Leben
Alfred William Finch wurde 1854 in Brüssel als Sohn britischer Eltern geboren. Er verbrachte einen Teil seiner Jugend in Ostende. 1878 begann er ein Studium der Malerei an der Académie Royale des Beaux-Arts in Brüssel, das er bis etwa 1880 absolvierte. Am 28. Oktober 1883 war er Gründungsmitglied der Künstlervereinigung Les XX. Zunächst malte Finch Landschaften und Meeresbilder im impressionistischen Stil. Ab 1887, nachdem er Werke von Georges Seurat gesehen hatte, wandte er sich dem Neoimpressionismus und der Pointillismus-Technik zu – er gilt als erster Belgier, der diesen Stil übernahm. Anfang der 1890er Jahre gab Finch die Malerei auf und wandte sich der Keramik zu. 1897 wurde er auf Einladung des Grafen Louis Sparre nach Porvoo in Finnland berufen, um die Keramikfabrik Iris zu leiten. Damit begann sein langer Lebens- und Wirkungsabschnitt in Finnland. Nachdem die Fabrik geschlossen worden war, setzte Finch seine künstlerische Tätigkeit als freier Maler und Designer fort. Alfred William Finch verstarb am 28. April 1930 in Helsinki.[1][2]
Werk
Alfred Williams frühe Arbeiten bestanden aus Landschafts- und Seestücken im impressionistischen Stil. Nach dem Einfluss von Seurat und anderen Neoimpressionisten wandte er sich ab 1887 der Divisionismus-Technik zu und wurde einer der führenden Vertreter des Neoimpressionismus in Belgien, gemeinsam mit Künstlern wie Théo van Rysselberghe. Bekannte Gemälde aus dieser Zeit zeigen häufig Landschaften, Küsten- sowie Dorfansichten und nutzen die optische Farbmischung und Lichtwirkung neoimpressionistischer Technik. Ein Beispiel dafür ist das 1886 gemalte Bild Le Faubourg sous la neige ou Scène de rue en hiver. In den 1890er Jahren verlagerte Finch seinen Schwerpunkt auf die Keramik. Unter seiner Leitung bei der Iris-Fabrik in Porvoo entwarf er Gebrauchs- und Kunstkeramik im Stil des Jugendstils bzw. des europäischen Art Nouveau. Seine Arbeiten zeichnen sich durch schlichte, elegante Formen und dekorative Glasuren aus — oft mit arabesken Linien, tropfenartigen Mustern oder stilisierten Punkten und S-förmigen Ornamenten. Diese Keramiken gelten als wegweisend für die moderne Keramikkunst Finnlands und hatten Einfluss auf die Entwicklung des finnischen Jugendstil-Designs. Nach der Schließung der Iris-Fabrik gründete Finch ein Atelier und widmete sich weiterhin sowohl der Keramik als auch der Malerei. Seine späteren Gemälde zeigen häufig Landschaften und Szenen aus Finnland und anderen Regionen, wobei sein Interesse an Licht und Farbe erhalten blieb. Seine Werke wurden in bedeutenden Ausstellungen gezeigt, etwa bei Ausstellungen der Les XX und internationalen Galerien und Museen.[1][2]
Werke (Auswahl)
- James Ensor: Portrait of Willy Finch (1882). Kunstmuseum aan Zee, Ostende
- Alfred William Finch: The Wellington Racecourse in Drizzle, Ostende (1888). Ateneum, Helsinki
- Alfred William Finch: Orchard at La Louvière (1890). Ateneum, Helsinki
- Alfred William Finch: The Cliffs of Dover; The Cliffs at South Foreland (1892). Finnische Nationalgalerie
- Alfred William Finch: Sonnenuntergang (1892)
- Alfred William Finch: Die Küste von Pakkahuone in Helsinki, beleuchtet von Scheinwerfern (1905)
- Alfred William Finch: Landscape from Padasjoki (1917). Finnische Nationalgalerie
- Alfred William Finch: Keramikvase. Arppeanum, Helsinki
- Alfred William Finch: Keramikbecher. Kunstmuseum aan Zee, Ostende
Literatur
- Christine Amiot-Saulnier: Le Néo-Impressionnisme de Seurat à Paul Klee. Ausstellungskatalog Musée d’Orsay, Paris / Musée des Beaux-Arts, Brüssel, 2005.
- J. Sutter: Les Néo-Impressionnistes. Neuchâtel, 1970.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 5: Dyck – Gémignani. Paris, 2006.