Alice Ekert-Rotholz
deutsche Schriftstellerin (1900–1995)
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Alice Maria Augusta Ekert-Rotholz (* 5. September 1900 in Hamburg als Alice Maria Augusta Ekert; † 17. Juni 1995 in London) war eine deutsche Schriftstellerin.
Leben und Werk
Sie war die Tochter des britischen Exportkaufmanns schwedisch-russischer Herkunft Maximilian Ekert und seiner deutsch-jüdischen Frau Hedwig Mendelsson. 1920 heiratete Alice Ekert den Zahnarzt Ludwig Rotholz und trug fortan den Doppelnamen Ekert-Rotholz. In den 1920er Jahren erschienen erste Gedichte von Alice M. Ekert-Rotholz in der Weltbühne. Sie schrieb auch Gedichte und Feuilletons im Simplicissimus, dem sozialdemokratischen Der wahre Jacob, u. a. Sie und ihr Mann waren immer klare Gegner der erstarkenden Nationalsozialisten gewesen. Unmittelbar nach der Machtübertragung 1933 erfolgte die Verfolgung: eine Hausdurchsuchung. November 1935 wurden sie verhaftet. Nach der Niederschlagung der Anklage und Haftentlassung 1936, versuchte Alice mehrere Jahre ohne Erfolg ein Exil-Land zu finden. Ihr Mann war gezwungen worden, seine Zahnarztpraxis aufzugeben. Nachdem sie ihren Sohn Heinz im Februar 1939 im Rahmen eines Kindertransports hatten nach England schicken können, konnten sie im März 1939 nach Bangkok in Siam emigrieren, wo Ludwig eine Zahnarztpraxis eröffnen konnte.[1] Der dortige Aufenthalt dauerte bis 1952. Ekert-Rotholz hatte in Thailand Kontakt zu christlichen Kreisen wie der Katholischen Aktion, Mitgliedern des Ursulinen-Ordens und dem YMCA. In diesen Zeitraum fallen auch Ekert-Rotholz' ausgedehnte Reisen in Asien, nach Australien und in die Karibik. 1952 kehrte sie mit ihrem Ehemann zurück nach Hamburg. In den folgenden Jahren arbeitete sie als Journalistin; daneben entstanden Romane und Reisebücher. Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahre 1959 übersiedelte sie nach London, wo sie bis zu ihrem Tod in Hampstead lebte. Sie ist auf dem Highgate Cemetery in London beigesetzt.[2]
Sie erzielte bereits mit ihrem ersten Roman Reis aus Silberschalen einen internationalen Bestseller, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Zuvor hatte sie mit Siam hinter dem Bambuswald ein Erinnerungsbuch mit Eindrücken aus ihrer Zeit in Thailand veröffentlicht. Auch ihre folgenden Romane sind vorwiegend Gesellschaftsgeschichten, die in exotischer Umgebung spielen. Ekert-Rotholz' Bücher, die der Unterhaltungsliteratur zuzurechnen sind, waren vor allem in der Bundesrepublik der 1950er und 1960er Jahre große Verkaufserfolge und wurden auch von zahlreichen Buchclubs in ihr Programm aufgenommen; die Gesamtauflage ihrer Werke liegt bei über drei Millionen verkaufter Exemplare. Kritiker waren mit ihren Werken nicht immer einverstanden, gestanden ihr aber trotz aller klischeebehafteten Romantik einen gewissen „englischen“ trockenen Humor und Beobachtungsgabe zu.[3] Die Autorin schrieb bis ins hohe Alter Romane.
Sie schrieb zeitlebens neben ihren Romanen Gedichte. 2000 erschien postum zu ihrem 100. Geburtstag bei Hoffmann und Campe der Lyrikband Im feurigen Licht. Gesammelte Gedichte von 1929 bis 1993; herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von ihrem Sohn Heinz Redwood.
Werke
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Literatur
- Wilfried Weinke: Von der Lyrikerin zur Bestsellerautorin: Alice Ekert Rotholz (1900–1995). In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Bd. 110 (2024), S. 103–131. (Erste und einzige Biographie)
- Wilhelm Sternfeld, Eva Tiedemann: Deutsche Exilliteratur 1933–1945. Eine Bio-Bibliographie, Schneider, Heidelberg/Darmstadt, 1962
- Christian Adam: Der Traum vom Jahre Null: Autoren, Bestseller, Leser: die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945. Galiani, Berlin 2016, ISBN 3-86971-122-1, S. 275.
- Ekert-Rotholz, Alice M(aria), in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 255