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Alois Stutzer

Schweizer Mediziner und Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Josef Alois Stutzer (* 15. Mai 1810 in Küssnacht; † 7. März 1871 ebenda) war ein Schweizer Mediziner und Politiker. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Schwyzer Kantonstrennung und wurde 1848 in den Regierungsrat des Kantons Schwyz gewählt.

Leben

Herkunft und Familie

Die Familie Stutzer ist in Küssnacht seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar.[1] Sein Vater war der Mediziner Joseph Alois Stutzer (* 7. Februar 1782; † 5. Mai 1829), dessen Eltern Johann Joseph Oswald Stutzer (1742–1832) und Maria Anna Stutzer (geb. Knüsel, † 1796) waren, die den Hof Ober-Lippertschwil bei Küssnacht bewirtschaftete. Joseph Alois Stutzer heiratete am 15. Mai 1809 in Sins Maria Verena (geb. Zingg, 1787–1858) aus Meggen. Alois Stutzer hatte fünf Geschwister, von denen zwei im Kleinkinderalter starben.

Im Mai 1833 heiratete Alois Stutzer in Küssnacht Aloisia (genannt Louise), die Tochter des Schultheiss Jakob Kopp. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, deren drei im Kinderalter starben.

Ausbildung und Studium

Alois Stutzer absolvierte seine Gymnasial- und Lyzeumsstudien an der Stiftsschule Einsiedeln, an der Alten Kantonsschule Aarau sowie am Kollegium St. Michael in Freiburg im Üechtland.

Wie sein Vater studierte Alois Stutzer Medizin. Seine Universitätsausbildung führte ihn zunächst an die Universität Freiburg im Breisgau, wo er sein Studium begann. Freiburg im Breisgau war im frühen 19. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum medizinischer Ausbildung im deutschsprachigen Raum. Die Stadt, die zum vorderösterreichischen Territorium gehörte, hatte enge Verbindungen zu Wien. Nachdem die Universität Freiburg durch die französische Besetzung und die Kriegswirren in erhebliche Existenzschwierigkeiten geraten war, konnte ihre finanzielle und verfassungsmässige Sicherung erst 1818 erreicht werden. Während Alois Stutzers Studienzeit wurden moderne Einrichtungen aufgebaut: 1821 die Physiologische Experimentieranstalt und 1826 begann der Bau des Hospitals. Die medizinische Ausbildung in Freiburg war in dieser Periode von Umbrüchen geprägt. In den 1820er Jahren gewannen naturwissenschaftlich orientierte Mediziner an Einfluss.

Nach seinem Studium in Freiburg wechselte Stutzer an die Universität München, wo er sein Studium, unter anderem bei Andreas Röschlaub, fortsetzte und abschloss. Die Universität befand sich in dieser Zeit in einem Aufbauprozess, nachdem sie 1826 von Landshut nach München verlegt worden war. Auch die klinische Ausbildung war 1827/1828 noch nicht vollständig strukturiert. Das Ende seines Studiums war von der schweren Krankheit und dem frühen Tod seines Vaters überschattet. Diese Ereignisse zwangen Stutzer, die Universität vor Abschluss seines Studiums zu verlassen. Nach seiner Rückkehr nach Küssnacht konnte er sein Doktorat jedoch abschliessen.

Berufliche Tätigkeit

Nach Abschluss seiner medizinischen Ausbildung praktizierte Alois Stutzer als Landarzt in Küssnacht. Er übernahm die ausgedehnte ärztliche Praxis seines verstorbenen Vaters und baute diese weiter aus.

Politische Karriere

Bereits 1830, unmittelbar nach seiner Rückkehr von der Universität, begann die politische Karriere von Alois Stutzer mit seiner Wahl zum Ratsherrn des Bezirks Küssnacht.

Er wurde einer der Führer der liberalen Bewegung im Kanton Schwyz und spielte bei der Kantonstrennung eine zentrale Rolle. Als diese vollzogen wurde, wählte man ihn 1848 in den ersten Regierungsrat des neu gegründeten Kantons Schwyz.

Von 1830 bis zu seinem Tod 1871 bekleidete er kontinuierlich verschiedene Ämter, die von der Mitgliedschaft in der Bezirks-Rechnungskommission bis zum Regierungsrat reichten. Bemerkenswert war sowohl seine frühe Wahl in den Bezirksrat – kaum von der Universität München zurückgekehrt und erst 20 Jahre alt – als auch seine Wahl in den Regierungsrat 1848 sowie sein Engagement bis zu seinem Tod, besonders auf der Bezirksebene.

Ab 1830 war er Bezirksrat, Grossrat und Statthalter, 1832 wurde er Bezirksammann, Sanitätsrat, Mitglied der Verhör-Kommission, der Sanitäts-Kommission, des Schulrates und der Strassen-Kommission des Bezirkes.

Nach 1848 wirkte Stutzer als Kantonsrat, war kurzzeitig Regierungsrat, danach Präsident des kantonalen Sanitätsrates, Präsident des Schulrates des Bezirkes, Präsident der Kreisbehörde und Präsident der Prüfungskommission des Sanitätsrates. Nach 1857 reduzierte er sein Engagement, blieb aber bis zu seinem Tod Bezirksarzt, war von 1862 bis 1866 erneut Kantonsrat und Mitglied der Bezirks-Rechnungskommission.

Die unruhigen Jahre des Kantons Schwyz (1815–1848)

Zwischen 1815 und 1848 erlebte der Kanton Schwyz eine der turbulentesten Phasen seiner Geschichte, die Stutzers politischen Werdegang massgeblich prägte (siehe Geschichte des Kantons Schwyz). Das Alte Land Schwyz strebte die Wiederherstellung der vorherigen Zustände an und beanspruchte zwei Drittel der Sitze im Landrat, während den äusseren Bezirken (Gersau, March, Einsiedeln, Wollerau, Pfäffikon und Küssnacht) nur ein Drittel zugestanden wurde. 1828 wurden die Beisassen des Alten Landes von der Landsgemeinde ausgeschlossen; 1829 verloren sie alle ihre Rechte. Diese radikale Massnahme provozierte Widerstand in den äusseren Bezirken, verstärkt durch die Juli-Revolution und die Regenerationsbewegung in der Schweiz.

Als Alt-Schwyz auf reformistische Forderungen nicht einging, verabschiedeten die äusseren Bezirke (March, Einsiedeln, Pfäffikon und Küssnacht) Ende 1830 das Memorial der elf Punkte[2] und gründeten einen provisorischen Landrat. Nach gescheiterten Verhandlungen akzeptierte die Landsgemeinde der vier Bezirke am 6. Mai 1832 die Verfassung des Kantons Schwyz äusseres Land. Die Tagsatzung erkannte am 22. April 1833 an, dass der Kanton Schwyz aus zwei Halbkantonen bestand, behielt sich aber die Wiedervereinigung vor.

In Küssnacht kam es früh zu Spannungen zwischen Liberalen und Altgesinnten. Stutzer, ein Schüler des liberalen Pädagogen und Philosophen Ignaz Paul Vital Troxler, der seit 1823 als Lehrer am Lehrverein Aarau tätig war[3], wurde zur Führungspersönlichkeit. Die Gemeinde wählte ihn am 25. April 1830 in den Rat, kaum ein Jahr nach dem Tod seines Vaters. Nach der Kantonstrennung übernahm er schnell Verantwortung und wurde 1831 Statthalter.

Küssnacht zögerte zunächst, sich der Separationsbewegung anzuschliessen – die isolierte geografische Lage liess es begehrt sein. An der Volksversammlung in Lachen am 6. Januar 1831 nahm Küssnacht teil, schloss sich aber noch nicht an. Erst als Alt-Schwyz die Forderungen nach einem Regierungsrücktritt und einer neuen, gleichmässigeren Verfassung ablehnte, sprach sich Küssnacht am 2. Juni 1831 für den Beitritt aus.

Die Verbindungen zu führenden Köpfen der Bewegung – wie Landammann Karl Benziger von Einsiedeln – liefen über Stutzer. An der Tagsatzung vom 10. August 1832 vertrat er den Kanton Schwyz äusseres Land als Abgeordneter.

Die Spannungen zwischen Altschwyzern und Jungschwyzern in Küssnacht verschärften sich im Juli 1833. Nach der Verhaftung eines Altgesinnten wegen Verbreitung von Flugschriften zur Wiedervereinigung versuchten seine Anhänger in der Nacht vom 29./30. Juli, ihn zu befreien. Die Jungschwyzer widersetzten sich, worauf die Unterlegenen nach Schwyz flohen und um militärische Hilfe baten.

Der Bezirksrat wandte sich an Schultheiss Josef Karl Amrhyn in Luzern. Landammann Stutzer reiste nach Luzern, um sofortige Truppenverstärkung zu fordern. Die Luzerner Standeskommission mobilisierte Truppen, und am 31. Juli marschierten 600 Schwyzer unter Theodor Ab-Yberg in Küssnacht ein.

Nach neutralen Berichten trafen Stutzer und Schultheiss Amrhyn Ab-Yberg in der Nähe der Tellskapelle entgegen, um die Absicht des Einmarsches zu erfragen.[4] Ab-Yberg erklärte, von der Schwyzer Regierung gesandt zu sein, um Ruhe herzustellen. Als Amrhyn Einspruch erhob, wurde Stutzer daraufhin verhaftet und nach Schwyz abgeführt.[5] Die Tagsatzung reagierte mit massiven Truppeneinsätzen und forderte nachdrücklich Stutzers Freilassung. Am 6. August wurde er freigelassen. Während der bewegten Jahre der Unabhängigkeitsbestrebungen der äusseren Bezirke war er der führende Kopf in Küssnacht, das sich dem Kanton Schwyz Äusseres Land anschloss.

Nach der erzwungenen Wiedervereinigung des Kantons am 1. September 1833 zeigte sich, dass das konservative Element überwog. An der Landsgemeinde in Rothenthurm wurde 1834 nicht der von Küssnacht unterstützte Nazar von Reding, sondern Theodor Ab-Yberg zum Landammann gewählt – ein klares Signal gegen die reformwilligen Bezirke.

Eine schwerwiegende Verfolgung erwartete Stutzer darauf: 1835 wurde er beschuldigt, betrügerisch eine Gült auf ein Privatgut errichtet zu haben. Obwohl die Vorwürfe, die von seinem persönlichen Feind, Altkantonsrichter Ulrich[6], ausgegangen waren,[7] schnell als haltlos erwiesen, sass Stutzer mehrere Wochen in Haft.[8] Der Prozess zog sich bis 1841 hin, ohne abgeschlossen zu werden. Im Heimatbezirk unterstützten ihn die Behörden vollumfänglich. Die Prozessführung war offensichtlich politisch motiviert: Die konservative Mehrheit nutzte die Justiz als Instrument gegen oppositionelle Bezirke. Selbst die eidgenössischen Tagsatzungsgesandten kritisierten in ihrem Bericht 1841 scharf das Verfahren gegen Stutzer und verglichen es mit der parallelen Verfolgung von Schultheiss Amrhyn durch die Schwyzer Regierung. Nach diesem Prozess zog sich Stutzer vorübergehend aus der Küssnachter Politik zurück, obwohl sein Ratsplatz offen gehalten wurde.

Beim Streit 1838 zwischen der Horn- und Klauenpartei[9] – dem Konflikt zwischen grösseren und kleineren Viehbesitzern um Nutzungsrechte an der Oberallmeind – positionierte sich Küssnacht eindeutig im Lager der Klauenpartei. Die «Schlägerlandsgemeinde» von 1838 in Rothenthurm entwickelte sich zu massiven Unruhen; bereits bei der Wahl der Stimmenzähler artete die Kantonsgemeinde in eine grosse Schlägerei aus. Stutzer wird das schnelle Eingreifen des Luzerner Vorortes[10] im Konflikt zugeschrieben, da er durch seine Ehe mit Aloisia Kopp der Schwiegersohn von Schultheiss Jakob Kopp war. Erneut spaltete sich der Kanton in zwei gegnerische Lager: Während die Hornmänner die Mehrheit in den Bezirken March, Pfäffikon und Schwyz (mit Ausnahme des Hauptorts) hielten, dominierten die Klauenmänner die übrigen Gebiete.

In den Jahren bis 1848 beteiligte sich Stutzer zwar weiterhin am öffentlichen Leben, etwa durch den Einsatz für Strassenbau und die geplante Eisenbahnlinie (Zürich–Zug mit Ableger nach Küssnacht), hielt sich aber politisch zurück. Seine genaue Haltung zum Sonderbund und dem Sonderbundskrieg ist unbekannt, doch seine liberale Überzeugung deutet darauf hin, dass er die Bundeslösung bevorzugte.

Rückkehr in die Politik nach 1847

Mit der neuen Bundesverfassung änderten sich die Verhältnisse grundlegend. Stutzer stellte sich erneut zur Verfügung und wurde die dominierende politische Persönlichkeit des Bezirks. Am 27. November 1847 wurde er in eine ausserordentliche Kommission des Bezirksrates gewählt mit der Vollmacht, im Namen des Bezirksrates zu handeln.

An der ausserordentlichen Bezirksgemeinde vom 19. Dezember 1847 setzte sich Stutzer massgeblich dafür ein, dass das Volk des Bezirks eine Totalrevision der Kantonsverfassung forderte. Er wurde als Verfassungsrat und Grossrat sowie gleichzeitig als Kantonsrat[11], gewählt. Diese Wahl führte schliesslich zu seiner Wahl in den ersten Regierungsrat des Kantons Schwyz 1848.[12]

Nach dem Sonderbundskrieg und der Phase eidgenössischer Vermittlung, unter Leitung der Tagsatzungsabgeordneten Johann Matthias Hungerbühler aus St. Gallen und alt Landesstatthalter Johann Heinrich Heim aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden, trat der neu gewählte Kantonsrat am 14. März 1848 zu seiner ersten Sitzung zusammen. In der dritten Sitzung vom 15. März wählte das Gremium den neuen Regierungsrat. Alois Stutzer wurde als siebtes und letztes Mitglied gewählt[13], nach Nazar von Reding (Schwyz), Alois Castell (1800–1858)[14] (Schwyz), Josef Mettler (1796–1850)[15] (Arth), Carl Benziger (Einsiedeln), Franz Anton Oethiker (1809–1852)[16] (Lachen) und Johann Anton Steinegger (Altendorf).

In derselben Sitzung ernannte der Kantonsrat Stutzer zum Präsidenten des kantonalen Sanitätsrates – eine Position, für die man den Einsiedler Bezirksammann Adelrich Birchler (1808–1849)[17] übergangen hatte.

Auf den ersten Blick wirkte Stutzers Wahl überraschend. Er hatte seine liberalen Überzeugungen niemals verleugnet, und der Kantonsrat war mehrheitlich konservativ-sonderbündisch zusammengesetzt. Jedoch spielten mehrere Faktoren eine Rolle: Die Aktivitäten während der Kantonstrennung lagen bereits einige Jahre zurück, Nazar von Reding befürwortete die Wahl offensiv, und regionale Gründe waren entscheidend – mit Stutzer war auch der reformwillige Bezirk Küssnacht im Regierungsrat vertreten, zudem verfügte er dort über starken Rückhalt.

Trotz eines konservativen Kantonsrats wurde eine liberal geprägte Regierung gewählt, deren genaue politische Einordnung jedoch schwerfiel, da sich die Regierungsräte durch ihre frühere Zugehörigkeit zu historischen Fraktionen (Klauenmänner und Hornmänner) unterschieden und auch bezüglich ihrer Haltung zum Sonderbund kein einheitliches Bild abgaben.

Bereits vor seiner Wahl hatte Stutzer auf die fundamentale Schwierigkeit hingewiesen: die Unvereinbarkeit zwischen Regierungsamt und ärztlicher Praxis. Selbst nach seiner Wahl führte er seine medizinische Praxis in Küssnacht weiter, ein Umstand, der sich in seiner kurzen Amtszeit als unhaltbar erweisen sollte.

Man bürdete Stutzer das Polizeiwesen ohne vorherige Absprache zusätzlich auf und drängte ihn gegen seinen Willen in das Amt des Tagsatzungsgesandten.

Von März bis Oktober 1848 tagte der Regierungsrat insgesamt 79-mal. Alois Stutzer nahm an nur 36 Sitzungen teil und fehlte bei 43. Seine Abwesenheiten waren oft durch Praxisarbeit in Küssnacht begründet, und mehrfach musste er zwischen Schwyz und Küssnacht hin- und herreisen.[18]

Im Gegensatz zu wohlhabenderen Kollegen wie Nazar von Reding und Alois Castell, die über ausreichende Vermögen verfügten, und Josef Carl Benziger, der von einem florierenden Geschäft profitierte, war Stutzer auf seine ärztliche Praxis angewiesen, um seine Familie zu ernähren. Hinzu kam ein lokales Problem: In Küssnacht machten ihm der Pfarrer Johann Heinrich Feierabend – Sohn des einstigen Engelberger Klosterarztes Nikolaus Feierabend[19] – sowie weitere unlizenzierte Laienheiler die Patienten streitig. Stutzer musste daher persönlich vor Ort sein, um seine Praxis zu behaupten.

Bereits am 28. April 1848 reichte Stutzer sein erstes Entlassungsgesuch als Regierungsrat und insbesondere als Tagsatzungsgesandter ein, doch der Kantonsrat lehnte ab. In einer Regierungsratssitzung erklärte Stutzer, dass er die Stelle eines Tagsatzungsgesandten «unmöglich länger bekleiden» könne, da seine Berufspflichten als Arzt und anstehende besondere Familienpflichten Vorrang hätten. Die häufigen Abwesenheiten führten darauf zu Spannungen. Der Regierungsrat beschäftigte sich etwa zehnmal damit. In einer Sitzung wurde dem Protokoll zufolge «das Befremden» des Regierungsrats über Stutzers unerlaubtes Verlassen von Schwyz ausgedrückt.

Die ersten Monate des neuen Kantons Schwyz waren von grossen Herausforderungen geprägt: fehlende Finanzmittel, der Wiederaufbau der Infrastruktur und die schwebende Sonderbundesschuld belasteten den Kanton schwer. Der Regierungsrat hoffte auf ein neues Steuergesetz, das der Kantonsrat genehmigt hatte. Bei den Kreisgemeinden vom 27. August 1848 wurde dieses Gesetz jedoch klar abgelehnt. Der Regierungsrat reichte daraufhin seinen Rücktritt ein – doch der Kantonsrat wies diesen ab.

Bei der Debatte über die Konsequenzen der Steuergesetzabweisung vertrat Stutzer eine abweichende Meinung. Während die Mehrheit der Regierungsräte den sofortigen Rücktritt befürwortete, argumentierte Stutzer, dass die Ablehnung vielen Missverständnissen geschuldet sein könnte und dass hastiges Abtreten der Kantonskonsolidierung schaden könnte. Jedoch erklärte Stutzer gleichzeitig seinen persönlichen Rücktritt, weil die Stelle mit seinen Berufsgeschäften als Arzt unvereinbar sei – ein Entlassungsgesuch, das er bereits bei der Kreisgemeinde Küssnacht eingereicht hatte. Am Ende stimmte Stutzer dem Gesamtrücktritt des Regierungsrats bei.

Der Kantonsrat lehnte den Gesamtrücktritt ab; auch Stutzers persönliches Entlassungsgesuch wurde zunächst nicht behandelt. Man setzte eine Kommission ein, die nach Wegen suchen sollte, die Regierung zum Weitermachen zu bewegen. Die Gespräche machten aber deutlich, wie stark der Kanton von inneren Zerrissenheiten geprägt war. Nach langem Zögern akzeptierte der Kantonsrat im Oktober 1848 das Rücktrittsgesuch von Stutzer. Mit deutlicher Mehrheit, 54 gegen 6 Stimmen, stimmte der Rat dem Gesuch zu und verabschiedete ihn kurz darauf aus dem Amt. Stutzer wurde durch den Alt-Landammann Johann Josef Litschi (1811–1860)[20][21] von Pfäffikon ersetzt.

Der rasche Rücktritt nach knapp sieben Monaten Amtszeit, Stutzers erstes Gesuch war bereits nach etwa anderthalb Monaten eingereicht worden, hatte mehrere Ursachen: Der erste Regierungsrat des Kantons stand vor beinahe unlösbaren Aufgaben. Stutzer war nicht der einzige, der bald zurücktreten wollte; auch Josef Carl Benziger zögerte anfangs, seine Position anzutreten, blieb dann aber bis 1852. Zwei Regierungsräte starben im Amt: Josef Johann Baptist Mettler († 1850)[22] und Franz Anton Oethiker († 1852)[23], ein Beleg für die physische und psychische Belastung.

Die letzten 20 Jahre (1851–1871)

Nach seinem Rücktritt aus dem Regierungsrat zog sich Alois Stutzer nicht aus der Politik zurück, obwohl die Regierungsratstätigkeit den Höhepunkt seiner kantonalen Karriere markierte. Seine politischen Aktivitäten konzentrierten sich nun zunächst noch auf die kantonale Ebene, verlagerten sich aber zunehmend auf den Bezirk Küssnacht, wo sein Einfluss am stärksten und seine Akzeptanz am weitesten verbreitet war.

Auf kantonaler Ebene war Stutzer als Kantonsrat von 1848 bis 1854 und von 1862 bis 1866 tätig. Besonderen Einfluss gewann er durch seine Position als Präsident des Sanitätsrats (1848–1856) und später als Präsident der Prüfungskommission des Sanitätsrates (1853–1856).

Seine politischen Aktivitäten verlagerten sich auf den Bezirk Küssnacht, wo Stutzer eine dominierende Rolle beibehielt. Er bekleidete dort verschiedene führende Positionen, so war er von 1848 bis 1856 Präsident des 11. Kreises, von 1850 bis 1866 Präsident des Schulrates, von 1857 bis 1871 Bezirksarzt und von 1867 bis 1868 Mitglied der Bezirks-Rechnungskommission.

Nach seiner Regierungsratstätigkeit konzentrierte Stutzer sich auf die Hebung des Schulwesens und die Verbesserung der Armenfürsorge. Als langjähriger Präsident des Schulrates wirkte er aktiv an der Entwicklung der Volksschule mit, die er als «gewichtigen Hebel zum materiellen und geistigen Aufschwung des Volkes» verstand. Sein Eifer führte zu einer Verbesserung der Schuleinrichtungen und zur Vermehrung der Schulfonds durch Spenden. Im Armenwesen brachte er eine zeitgemässe Organisation ein. Das Armen- und Waisenhaus in Immensee, dessen Bau und Landankauf er initiierte und förderte, wurde zu einem bleibenden Zeugnis seines gemeinnützigen Wirkens; 1855 zogen dort 130 Personen ein.[24]

Stutzer war auch ein früher Befürworter von Fortschritt und Modernisierung. Über Jahrzehnte regte er Projekte an und förderte sie mit persönlichen Opfern an Zeit und Geld, so unter anderem die Verbesserung des Strassennetzes, die Hebung des Fremdenverkehrs, Dampfschifffahrten und Eisenbahnanbindung.

Literatur

Einzelnachweise

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