Altes Theater (Düsseldorf)

ehemaliges Theater am Marktplatz in Düsseldorf From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Alte Theater (auch Grupellotheater) war ein Schauspielhaus am Marktplatz in Düsseldorf. Der Name Grupellotheater erinnert daran, dass das Gebäude das frühere Gießhaus des Barockbildhauers Gabriel Grupello gewesen war. Dieser hatte hier auch das Jan-Wellem-Reiterstandbild gegossen. Das Schauspielhaus am Marktplatz wurde durch ein 1875 an der heutigen Heinrich-Heine-Allee neugebautes Stadttheater abgelöst.

Zum Theater umgebautes Gießhaus in Düsseldorf, Hauptfassade und Portikus mit vier ionischen Säulen
Darstellung der Theaterfassade am Marktplatz nach einem Stich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts

Geschichte

Das alte Gießhaus wurde bereits im Jahre 1747 als Theater genutzt, als Kurfürst Karl Theodor und der kurpfälzische Hof in Düsseldorf weilten.[1] Um 1750 war es als Komödienhaus in Betrieb. Ab 1751 wurden in dem Haus dann regelmäßig Theatervorstellungen gegeben. Im Jahre 1781 forderten kunstsinnige Bürger Karl Theodor auf, das Gießhaus zu verbessern. Ein fürstlicher Kommissarius besserte das Gebäude aus, neue Dekorationen im Stil des Rokoko wurden auf Kosten des Kurfürsten geschaffen. 1805 wurde das Theater in eine „Bergische Nationalbühne“ bzw. in das „Bergische Deutsche Theater“ umgewandelt. Nachdem Düsseldorf preußisch geworden war, schenkte König Friedrich Wilhelm III. das bisher im Staatseigentum befindliche Gebäude am 11. April 1818 der Stadt Düsseldorf, die es fortan für Theaterzwecke verpachtete. Erster Pächter war der österreichische Schauspieler und Theaterleiter Joseph Derossi, der vorwiegend unterhaltsame Aufführungen inszenierte, etwa das Singspiel Das Donauweibchen, worin die nur siebenjährige Constanze Le Gaye ihr Debüt feierte. Auch der junge Albert Lortzing sowie Rosina Regina Ahles gehörten zu Derossis Ensemble. Ab 1829 gab der Dramatiker Karl Immermann dem Theater reformerische Impulse.[2] In den 1830er Jahren entwickelte er das künstlerische Konzept der Immermann’schen Musterbühne, das Theatergeschichte schrieb. 1834 wirkten in Immermanns Ensemble Felix Mendelssohn Bartholdy und Julius Rietz als Dirigenten, ein Rendant, ein Theaterarzt, zehn Mann als technisches Personal, 20 Schauspieler und 11 Schauspielerinnen, neun Sänger und drei Sängerinnen, zehn männliche und sieben weibliche Choristen.[3]

Schon 1812 hatte der Architekt Adolph von Vagedes in einem Entwurf ein großes klassizistisches Theatergebäude am damaligen Boulevard Napoleon, der heutigen Heinrich-Heine-Allee, vorgesehen. Der Plan, der dem Entwurf Johann Peter Cremers für das Theater Aachen geähnelt haben dürfte und dem „Embellissement“ Düsseldorfs als Hauptstadt des Großherzogtums Berg diente, wurde unter der neuen preußischen Regierung nicht weiter verfolgt. Vor allem unter ökonomischen Gesichtspunkten beschloss man nun, das alte Kommödienhaus am Marktplatz neu auszubauen. 1817 legte Vagedes im Auftrag des Regierungspräsidenten Philipp von Pestel hierzu vier Entwurfszeichnungen vor. Das Konzept sah einen klassizistischen Portikus mit sechs korinthischen Säulen in der Sichtachse der auf den Marktplatz einmündenden Bolkerstraße vor. Auf Intervention des Düsseldorfer Regierungsrats Friedrich Adolf Klüber beim Düsseldorfer Oberbürgermeister Engelbert Liborius Schramm wurde 1820 ein Gutachten des Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner eingeholt, der den Plan von Vagedes verwarf und eine weitgehende Überbauung des Marktplatzes mit dem neuen Theater vorschlug. Dies löste einen Streit aus, der die Angelegenheit des Theaterbaus erneut zum Stocken brachte.[4] Erst 1831 kamen die Arbeiten für ein erneuertes Theater im alten Kommödienhaus mit einem Budget von 20.000 Talern erneut ins Laufen. 1832 wurde schließlich nach einem Entwurf des Vagedes-Schülers Anton Schnitzler ein klassizistischer Portikus mit Tympanon auf vier ionischen Säulen vor die Hauptfassade gesetzt. Heute befindet sich der Eingang zum Ratsaal der Stadt Düsseldorf in diesem Bereich.

Literatur

  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf (Hrsg.): Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 68 und 282
  • Boris Becker: Düsseldorf in frühen Photographien 1855–1914. Schirmer/Mosel, München 1990. Tafel 27
  • Theo Lücker: Steine sprechen. Kleiner Wegweiser durch die Düsseldorfer Altstadt. Verlag T. Ewers, Düsseldorf 1977, S. 86–87 [Nr. 42 Das erste Düsseldorfer Schauspielhaus].

Einzelnachweise

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