Haren (Ems)
Stadt und Gemeinde an der Ems im Westen Niedersachsens
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Haren (Ems) ist eine Stadt an der Ems im Westen Niedersachsens im Landkreis Emsland mit 24.365 Einwohnern auf 208,8 km².
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 52° 47′ N, 7° 15′ O | |
| Bundesland: | Niedersachsen | |
| Landkreis: | Emsland | |
| Höhe: | 9 m ü. NHN | |
| Fläche: | 208,79 km² | |
| Einwohner: | 24.365 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 117 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 49733 | |
| Vorwahl: | 05932 | |
| Kfz-Kennzeichen: | EL | |
| Gemeindeschlüssel: | 03 4 54 018 | |
| Stadtgliederung: | 11 Ortschaften | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Neuer Markt 1 49733 Haren (Ems) | |
| Website: | www.haren.de | |
| Bürgermeister: | Markus Honnigfort (CDU) | |
| Lage der Stadt Haren (Ems) im Landkreis Emsland | ||
Geografie
Lage
Haren (Ems) liegt im zentralen Teil des Emslandes zwischen Meppen und Papenburg an der Ems. Die Gemeinde grenzt mit den Ortschaften Rütenbrock, Schwartenberg, Lindloh und Fehndorf direkt an die Niederlande. Haren liegt wie das restliche Emsland nur wenige Meter über dem Meeresspiegel.
Stadtgliederung
Die Stadt Haren (Ems) besteht aus der Kernstadt sowie den folgenden zehn Ortschaften:[2]
Altenberge, Emen-Raken, Emmeln, Erika, Fehndorf, Landegge, Lindloh-Schwartenberg, Rütenbrock, Tinnen und Wesuwe.
Nachbargemeinden
Haren grenzt im Norden an die Gemeinden Sustrum, Oberlangen und Lathen, im Osten an die Gemeinde Stavern, im Süden an die Stadt Meppen und die Gemeinde Twist sowie im Westen an die niederländischen Gemeinden Emmen und Westerwolde.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Das Stadtgebiet von Haren (Ems) liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems.[3]
Die Ems ist ein rund 370 km langen Fluss, der in Nordrhein-Westfalen entspringt und durch das Emsland zur Nordsee fließt. Sie prägt als Niederungsfluss mit saisonal schwankenden Wasserständen die Landschaft, den Abfluss, den Sedimenttransport und die Überschwemmungsdynamik im Stadtgebiet. Sie ist schiffbar und Teil der internationalen Flussgebietseinheit Ems im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie.[4]
Neben der Ems verlaufen im Stadtgebiet und der näheren Umgebung weitere bedeutende Gewässer, darunter der Haren-Rütenbrock-Kanal (Gewässer I. Ordnung) sowie der Dortmund-Ems-Kanal, der als überregionale Wasserstraße lokale Wasserstände und Nutzungen beeinflusst. Westlich von Haren liegt der Dankernsee, ein rund 40 ha großer Baggersee mit eigenständigen hydrologischen Eigenschaften, der vor allem als Freizeit- und Badegewässer genutzt wird.[5]
Das Stadtgebiet umfasst zudem zahlreiche Feucht- und Moorlebensräume. Dazu zählen Teile des Naturschutzgebietes Wesuweer Moores (NSG WE 267)[6], eines ehemals großflächigen Hochmoores, das durch Torfabbau stark verändert wurde und heute Gegenstand von Renaturierungsmaßnahmen ist. Das Naturschutzgebiet Tausendschrittmoor (NSG WE 190)[7] stellt einen Hochmoorrest mit wiedervernässten Flächen, Moorwald und Relikten des historischen Torfabbaus dar; es wird vom Haren-Rütenbrock-Kanal durchquert. Haren ist außerdem Teil des Internationalen Naturparks Bourtanger Moor – Veenland, einer grenzüberschreitenden Moorlandschaft mit vielfältigen Feuchtlebensräumen.[8]
Entlang der Ems sowie in Bereichen bei Harenerfähr und Raken finden sich weitere Feuchtlebensräume, darunter Reste von Auen- und Feuchtwäldern, Feuchtgrünland sowie periodisch vernässte Niederungen. Diese Gebiete sind durch hohe Grundwasserstände geprägt und besitzen eine hohe ökologische Bedeutung für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.[9]
Die hydrologischen und ökologischen Herausforderungen von Haren stehen in engem Zusammenhang mit der Flusslage und umfassen unter anderem Hochwasserrisiken, klimabedingte hydrologische Veränderungen sowie Belastungen des Flussökosystems, etwa durch Sedimentation, eingeschränkte Gewässerstruktur und den Verlust natürlicher Auen. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen werden auf kommunaler und regionaler Ebene Maßnahmen des Hochwasser-, Klima- und Gewässerschutzes umgesetzt, unter anderem im Rahmen von Klimaschutzkonzepten, Deichmaßnahmen und Programmen zur ökologischen Aufwertung von Gewässern.[10][11][12][13]
Untergrundverhältnisse
Haren liegt in der Norddeutschen Tiefebene, einem sehr flachen Bereich (meist 9–15 m über NN), geprägt durch das breite Ems-Tal und ehemalige Moorlandschaften wie das Bourtanger Moor.[14] Die Geologie von Haren ist typisch für die Norddeutsche Tiefebene: geprägt durch wiederholte Vergletscherungen, fluvioglaziale Ablagerungen, Ems-Flussprozesse und Moorbildung. Die Landschaft besteht aus sandigen, teilweise schluffigen Ablagerungen, organischen Mächten in Mooren und weitgehend flachem Relief – mit Sedimenten aus Eiszeiten und Warmzeiten überlagert.[15] Das Grundwasser befindet sich meist 3–4 m unter Geländeoberfläche und liegt in einem ungespannten, sandigen Aquifer bis etwa 10–20 m Tiefe. Darunter befinden sich tiefere Sand- und Kiesaquifere, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden. Die Grundwasserneubildung ist aufgrund der durchlässigen Sande relativ hoch und erfolgt überwiegend aus Niederschlag.[16]
Klima
In Haren herrscht ein gemäßigtes Seeklima vor, das durch Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusst wird.
Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur an der Station im benachbarten Meppen 8,9 °C und es fallen etwa 740 Millimeter Niederschlag. Die tiefsten Temperaturen werden zwischen Dezember und Februar, die Höchstwerte werden im Juli und August erreicht.
Geschichte
Mittelalter und Frühe Neuzeit
Haren wurde erstmals vor fast 1200 Jahren in einem Corveyer Register urkundlich erwähnt. Die Harener Kirche unterstand der Abtei Corvey.[17]
1304 wurde eine Burg erwähnt, die von ihrem Besitzer dem Bischof von Münster als „offenes Haus“ überlassen werden musste. Bereits um 1000 wurde in Haren ein Corveyer Haupthof erwähnt, der vielleicht mit dieser Burg identisch ist. Ende des 12. Jahrhunderts ging die Besitzung in tecklenburgischen Besitz über.[18] Die Gräfin Jutta von Vechta-Ravensberg verkaufte 1252 ihre Besitzungen an den Bischof Otto II. von Münster, sodass Haren Teil des Niederstifts Münster wurde.
Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde Haren fast vollständig zerstört, konnte sich aber bald erholen und wurde zum Zentrum der Püntenschifffahrt auf der Ems.
19. Jahrhundert
1803 wurde der Ort auf Grund der Beschlüsse des Reichsdeputationshauptschlusses dem Herzog Ludwig Engelbert von Arenberg als Ersatz für den Verlust seiner linksrheinischen Gebiete zugeteilt. Haren gehörte nun zum Herzogtum Arenberg-Meppen. 1810 wurde Haren Teil des französischen Kaiserreichs. Im Wiener Kongress wurde das Herzogtum Arenberg-Meppen dem Königreich Hannover zugeteilt, das 1866 nach dem an der Seite Österreichs verlorenen preußisch-österreichischen Krieg von Preußen annektiert und zur Provinz Hannover wurde.
NS-Diktatur
Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die Synagoge in Haren zerstört. Die jüdische Gemeinde Harens erlosch in der Zeit des Nationalsozialismus aufgrund der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der Harener Juden.[19]
Auf dem Gebiet der heutigen Stadt Haren befand sich in der NS-Zeit das Emslandlager VIII Wesuwe.
Haren 1945–1948: Maczków

Seit Mai 1945 bildete Haren für drei Jahre lang das politische und kulturelle Zentrum des polnisch verwalteten Gebiets im Emsland.[20] Im April 1945 erreichten polnische Truppen der Exilregierung gemeinsam mit kanadischen Einheiten unter der Führung des britischen Generalfeldmarschalls Bernard Montgomery die Region. Am 12. April wurde das Lager Oberlangen durch eine kleine Gruppe der 2. Abteilung der 1. polnischen Panzerdivision, die unter der Leitung des Generals Stanisław Maczek stand, befreit. Ein Bauer hatte die polnischen Soldaten auf das Lager mit den polnischen Frauen hingewiesen.
Die erste Zeit blieben die Frauen im Lager, nur Kranke wurden nach England ausgeflogen. Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai befanden sich zu diesem Zeitpunkt rund 250.000 Polen, ehemalige Kriegsgefangene, Soldaten und Zwangsarbeiter, in der britischen Besatzungszone. Viele suchten die Nähe der polnischen Division, von der sie sich Schutz und Hilfe versprachen. So waren bald rund 30.000 polnische Zivilisten und rund 18.000 polnische Soldaten im Emsland und bildeten eine polnische Enklave.
Da insbesondere durch die Westverschiebung Polens für viele die Situation im Heimatland noch zu unübersichtlich war, blieben sie in der britischen Zone. So musste die britische Militärregierung für Unterkünfte sorgen. In vielen Gemeinden der Region wurde die Räumung von Wohnungen zur Unterbringung der Displaced Persons (DPs) angeordnet. Mitgenommen werden durften lediglich Wertsachen, Kleidung, Lebensmittel und Haustiere. Möbel, Matratzen und Hausstand bis hin zu Tellern und Besteck mussten in den Wohnungen verbleiben und sollten fortan den polnischen Besatzern zur Verfügung gestellt werden.[21]
Am 20. Mai 1945 erhielt auch der Bürgermeister der emsländischen Gemeinde Haren den Räumungsbefehl. Zwischen dem 21. und 28. Mai mussten 514 Häuser geräumt werden. Nur der Bürgermeister mit seiner Familie, der sich um die Aufrechterhaltung der deutschen Verwaltung und die in umliegenden Dörfern untergebrachten Exil-Harener kümmerte, und die Ordensschwestern im St.-Franziskus-Krankenhaus durften in Haren bleiben. Die 1.000 Familien wurden den umliegenden Bauerschaften zugewiesen.
In die Gemeinde Haren zogen rund 4000 polnische Bürger ein. Die Gemeinde bekam einen polnischen Bürgermeister und Gemeinderat, polnische Straßennamen, Schulen, ein Kino sowie zwei Theater und wurde Sitz des polnischen Lehrerverbandes, der von hier aus das Schulwesen in den westlichen Besatzungszonen organisierte. Einen neuen Namen bekam die Gemeinde auch. Kurze Zeit lautete er Lwów. Aber bei einem Truppenbesuch am 24. Juni 1945 gab ihr der polnische Oberbefehlshaber General Graf Tadeusz Bór-Komorowski in einer Feierstunde den Namen Maczków zu Ehren des scheidenden Kommandeurs der 1. Panzerdivision Stanisław Maczek, der in Schottland den Befehl über das 1. Polnische Korps übernahm.
Das Leben in Maczków schien in gewisser Weise normal zu werden. So wurde bald geheiratet. Allein am 12. Juni 1945 verzeichnen die Akten 82 Trauungen. In der Zeit bis Sommer 1948 wurden 479 Kinder in Maczków geboren.[22] Im August 1948 verließen die letzten Polen Haren, hauptsächlich nach Polen oder in die Commonwealth-Staaten. Am 10. September 1948 wurde der Ort mit einer Feierstunde wieder zu Haren.[23]
Die polnische Geschichte des Ortes wird im 2021 eröffneten Stadtmuseum in Haren gezeigt. Bis dahin sammelte das DIZ Emslandlager die historischen Quellen zu Maczków und stellte sie in der Gedenkstätte Esterwegen aus.[24]
Seit 1946

Nach der Auflösung des Landes Preußen gehörte Haren ab 1946 zum neu geschaffenen Land Niedersachsen.
1956 schlossen sich die Gemeinden Haren und Altharen zur Gemeinde Haren (Ems) zusammen. Am 3. Dezember 1965 wurde das Stadtrecht verliehen. Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen schlossen sich in einem Zwischenschritt die Gemeinde Landegge und die Stadt Haren (Ems) für kurze Zeit zu einer Samtgemeinde zusammen. Am 1. März 1974 trat im Altkreis die Gemeindereform in Kraft, durch die zwölf Gemeinden im Nordwesten des Altkreises Meppen (Altenberge (1), Emen (2), Emmeln (3), Fehndorf (4), Haren (Ems) (Mitte), Landegge (5), Lindloh (6), Raken (7), Rütenbrock (8), Schwartenberg (9), Tinnen (10) und Wesuwe (11)) aufgelöst und zur Einheitsgemeinde Stadt Haren (Ems) zusammengeschlossen wurden.[25] Die neugebildete Stadt Haren (Ems) hat rund 16.500 Einwohner und 208,62 km² Fläche.[26]
Im Rahmen der niedersächsischen Kreisreform am 1. August 1977 wurden die ehemaligen Landkreise Lingen, Meppen und Aschendorf-Hümmling zum Landkreis Emsland vereinigt.
Adelsgeschlecht von Haren
Für das 12. Jahrhundert ist ein Ministerialengeschlecht namens „von Haren“ dokumentiert, das die Burg Haren bewohnte.[27] Die Burg soll 1304 dem Bischof von Münster verkauft worden sein.[28] Nachkommen des vormals in Haren ansässigen Geschlechts „von Haren“ (mit drei Spindeln im Familienwappen) saßen von 1591 bis 1793 auf Burg Hopen in Lohne (Oldenburg).
Herkunft und Bedeutung der Namen
- Haren: har ist im Emsland eine trockene, unfruchtbare Anhöhe, bei der mehr auf die ersteren Eigenschaften als auf die Erhöhung Gewicht gelegt wird, also meistens eine Sanddüne. Als Flurname ist es häufig; als Grundwort findet es sich in Bramhar: mit Besenginster bewachsene Anhöhe, als Bestimmungswort in Haren, das zu Anfang des 9. Jahrhunderts Harun genannt wird.
- Landegge: egge findet sich häufiger in gebirgigen und hügeligen Gegenden und bezeichnet einen langgestreckten Höhenzug. Im Emsland bedeutet es auch Ende, Kante. Der Ort hieß 1190 Landecke, um 1283 Landegge.
- Erika: der Name bezieht sich auf die Heideblume. Die Ansiedlung entstand 1886 zunächst als „Altharener Moor“, später als Moorkolonie Erika, durch den Bau des Haren-Rütenbrock-Kanals (1870–1878).
- Altenberge: der Name ergab sich durch den Standort. Im Mittelpunkt der Siedlung befand sich ein Sandhügel unter den Namen „Alte Berge“ bekannt. Die Kolonie Altenberge wurde 1810 von der Muttergemeinde Altharen mit 54 Siedlerstellen angelegt.
Politik
Stadtrat
Der Stadtrat der Stadt Haren (Ems) besteht aus 35 Mitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.001 und 25.000 Einwohnern.[29] Davon werden 34 Ratsmitglieder durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Stimmberechtigt im Stadtrat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Markus Honnigfort (CDU).
- 2021 bis 2026
Die Kommunalwahl am 12. September 2021 führte zu folgendem Ergebnis:[30]
Nach der Kommunalwahl bildeten zunächst die Abgeordneten der SPD und B’90/Grüne eine Gruppe (10 Mitglieder) sowie die LINKE/PARTEI-Gruppe (2 Mitglieder). Die CDU (20 Mitglieder) und die FDP (2 Mitglieder) bildeten jeweils eigenständige Fraktionen[31]. Im Dezember 2022 schlossen sich die Mitglieder von LINKE/PARTEI und der SPD/GRÜNE-Gruppe zusammen unter der Bezeichnung Sozialökologische Ratsgruppe (12 Mitglieder).[32]
Die Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
- 2016 bis 2021
Die Amtszeit begann am 1. November 2016 und endete am 31. Oktober 2021.
Nach der Kommunalwahl am 11. September 2016 haben sich zwei Fraktionen gebildet:[33]
Bürgermeister / Stadtdirektoren
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst der bereits von 1929 bis 1935 als Bürgermeister amtierende Hotelier Hermann Wiechers von der britischen Militärverwaltung erneut zum Bürgermeister bestellt.[34] Nach den Kommunalwahlen von 1950 wurde Bernhard Hermes zum Bürgermeister gewählt. 1957 trat Otto Nerkamp sein Amt als hauptamtlicher Gemeindedirektor an. Nach der Verleihung der Stadtrechte zum 1. Dezember 1965 trug er bis zum Ende seiner Amtszeit die Amtsbezeichnung Stadtdirektor. Im Jahr 1965 wurde Bankdirektor August Laing zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Von 1969 bis 1991 bekleidete Ewald Kley das Amt des Stadtdirektors. Von 1972 bis 1991 war der Bauunternehmer Walter Pinkernell ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Haren (Ems). Vom 1. Mai 1991 bis 30. April 2003 war Dieter Schultejanns Stadtdirektor. Auf den letzten ehrenamtlichen Bürgermeister Bernd-Carsten Hiebing (1991–2003) folgte, nach Abschaffung der kommunalen Doppelspitze, als erster hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Markus Honnigfort (CDU). Er wurde bei den Bürgermeisterwahlen 2011 und 2019 gewählt.[35]
Wappen
Das Wappen der Stadt Haren (Ems) zeigt im blauen Schild in Form eines Sechspasses angeordnet drei silberne Segel mit silbernen Wimpeln an goldenem Mast und drei goldene Windmühlenflügel.[36]
Flagge
Die Stadtflagge ist in den Farben Blau-Gold längsgestreift und in der Mitte mit dem Stadtwappen belegt.[36]
Städtepartnerschaften
- Vlagtwedde (Niederlande), seit 1972
- Andrésy (Frankreich), seit 1988
- Międzyrzecz (Polen), seit 1991
Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten
Bekanntestes Wahrzeichen der Stadt ist die katholische St.-Martinus-Kirche, im Volksmund Emslanddom. Der neubarocke Dom wurde vom Dombaumeister Wilhelm Sunder-Plaßmann aus Münster entworfen und überragt mit seiner 58 Meter hohen, grünen Kuppel die Stadt. Der von 1908 bis 1911 errichtete Bau integriert den Westturm der alten Kirche von 1853/54.
Im Haren-Rütenbrock-Kanal präsentieren mehrere Museumsschiffe die Schifffahrtsgeschichte der Stadt. So sind die Spitzpünte Helene von 1890, die für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bautypische eiserne Emspünte Haren I und das Wattmotorschiff Thea-Angela zu besichtigen.
Rund um das Schloss Dankern befindet sich ein großes Ferienparkgelände mit einem der größten Spielplätze Deutschlands.
Von der um 1178 erbauten Stiftsburg Landegge blieb nur der Burghügel im Dorf Landegge erhalten. Das Gut Landegge ist ein 1695 für Wilhelm Diedrich von Schade errichteter Herrensitz. Nach 1756 wechselten die Besitzer häufig. Der Gutshof beherbergt heute eine Ferien- und Reitanlage.
Ab 1977 verkehrte das 1949 gebaute Fahrgastschiff Amisia von Haren aus auf der Ems. Im September 2009 wurde es nach Maastricht verkauft und durch ein gleichfalls auf den Namen Amisia getauftes Nachfolgeschiff ersetzt, das bis 2023 im Einsatz war.[37]
An der Landegger Straße (L48) befindet sich eine im Volksmund Mersmühle genannte Kappenwindmühle von 1825, die besichtigt werden kann.
Bildung, Soziales und Sport
In Haren gibt es elf Kindergärten, sieben Grundschulen, zwei Oberschulen, eine Förderschule „Schwerpunkt Lernen“ und ein Gymnasium. Des Weiteren befindet sich eine Außenstelle der Volkshochschule Meppen in der Innenstadt. Sechs katholische Kirchengemeinden und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde unterhalten öffentliche Büchereien. Die KÖB St. Martinus[38], die als Hauptbücherei über mehr als 10.000 Medien verfügt, befindet sich in dem nach Bischof Franziskus Demann benannten Gemeindehaus am Martinusplatz 2–4[39]. In verschiedenen Sportvereinen gibt es vielfältige Sportangebote.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Bekannt ist Haren (Ems) als Schifferstadt und größtes touristisches Reiseziel im Emsland. Heute haben mehr als 20 Reedereien in Haren ihren Geschäftssitz und bereedern zusammen eine Flotte von über 250 See- und Küstenschiffen. Zudem sind in Haren rund 50 Binnenschiffe beheimatet, die sich in der Regel im Besitz einzelner Partikuliere befinden. Damit gehört die Stadt Haren zu den drei größten Schifffahrtsstandorten in Deutschland. Die Stadt hat vier Häfen: Eurohafen Emsland, Alter Hafen, Neuer Hafen sowie den Yachthafen „Emspark“, der an ein neues Wohngebiet angeschlossen ist. Am Neuen Hafen arbeitet die Kötter-Werft.
Einer der wichtigsten Arbeitgeber ist die Emsland Frischgeflügel GmbH.
Ein Teil der Südschleife der Transrapid-Versuchsanlage Emsland befindet sich auf dem Gebiet der Stadt.
Verkehr
Haren kann über die Bundesautobahn 31 sowie über die Bundesstraße 70 und die Bundesstraße 408 erreicht werden. Der Ortsteil Emmeln liegt an der 1855 eröffneten Eisenbahnlinie Münster – Emden (Emslandstrecke), dort halten im Bahnhof Haren (Ems) stündlich die Regional-Express-Züge Richtung Münster (Westf) und Emden (RE 15 Emsland-Express).
| Linie | Verlauf | Takt | Betreiber |
|---|---|---|---|
| RE 15 | Emsland-Express: (Emden Außenhafen –) (nur bei Schiffsverkehr) Emden Hbf – Leer (Ostfriesl) – Papenburg (Ems) – Aschendorf – Dörpen – Lathen – Haren (Ems) – Meppen – Geeste – Lingen (Ems) – Leschede – Salzbergen – Rheine – (Rheine-Mesum –)* Emsdetten – (Reckenfeld –)* Greven (← (Münster Zentrum Nord –)* Münster (Westf) Hbf * nur einzelne Züge Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2023 | 60 min | WestfalenBahn |
Haren liegt an der Ems, die zwischen der Nordsee und Meppen schiffbar ist. Ab Meppen wird sie über den Dortmund-Ems-Kanal mit dem Ruhrgebiet verbunden. Zwischen den Städten Haren und Meppen ist 2007 der Eurohafen Emsland als Stichhafen entstanden.
Der Haren-Rütenbrock-Kanal ist für Sportboote befahrbar und verläuft über 13,5 km von Haren (Ems) über Rütenbrock nach Ter Apel.
Den Radtouristen stehen neben der Dortmund-Ems-Kanal-Route, ein rund 350 km langer und nahezu steigungsfreier Radfernweg der das Ruhrgebiet mit der Nordseeküste verbindet, weitere lokale Rundtouren zur Verfügung. Die Pünten-Tour (67 km), die 2-Länder-Tour (45 km) und die Dörfer-Tour (43 km).
Das Ultraleichtfluggelände Dankern/Haren liegt etwa 5 km westlich von Haren.
Feuerwehr
Der abwehrende Brandschutz und die allgemeine Hilfe im Stadtgebiet werden durch die Freiwillige Feuerwehren Haren und Rütenbrock gewährleistet.
Die Feuerwehrleute werden über Funkmeldeempfänger und gleichzeitig via SMS, gezielt nach Alarmstichworten, aus der zentralen Feuerwehreinsatzleitstelle des Landkreises Emsland rechnergestützt alarmiert. Diese beiden Feuerwehren rücken jährlich etwa 200 Mal zu Hilfeleistungen und Bränden aus. Sie leisten auch überörtliche Einsätze, nicht nur im Rahmen der nachbarschaftlichen Löschhilfe, sondern unterstützen mit ihren Taucher- oder Gefahrstoffgruppen andere Feuerwehren bzw. Städte und Gemeinden im Kreisgebiet. Die Rütenbrocker Feuerwehr rückt zudem auch in die benachbarte Niederlande aus. Für ihre Aufgaben stehen den beiden Feuerwehren ein Fahrzeugpark mit 12 Einsatzfahrzeugen, zwei Rettungsbooten und diversen Anhängern zur Verfügung.
Rettungsdienst und Katastrophenschutz
In Haren befindet sich eine 2016 neu gebaute Rettungswache mit zwei fest stationierten Rettungswagen des DRK-Kreisverbands Emsland e. V.[40] Beide sind rund um die Uhr besetzt und sind für das gesamte Harener Stadtgebiet und Teilen der Samtgemeinde Lathen und der Stadt Meppen zuständig. Zudem gibt es in Haren einen DRK-Ortsverein, dessen Sanitätsbereitschaft[41] die sanitätsdienstliche Versorgung von Großveranstaltungen sicherstellt und im Katastrophenschutz des Landkreises Emsland aktiv ist. Auch ein aktives Jugendrotkreuz[41] ist dem Ortsverein angegliedert.
Söhne und Töchter der Stadt
- Matthias Deymann (1799–1871), Jurist und Politiker
- Stefan Esders (1852–1920), Textilunternehmer
- Hermann Gröninger (1852–1933), Schriftsteller
- Gerhard Meyering (1913–2005), Kapitän zur See der Bundesmarine und Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse
- Manfred von Landsberg-Velen (1923–2010), Gründer des Ferienzentrums Schloss Dankern
- Hans Grauert (1930–2011), Mathematiker
- Hermann Borghorst (* 1947), ehemaliger SPD-Abgeordneter von Berlin (MdA)
- Bernd-Carsten Hiebing (* 1951), Ehrenbürger und ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter (MdL)
- Maria Anna Hiebing (* 1953), ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete (MdB)
- Helga Maria Runde (* 1955)[42] Künstlerin seit 1988 in der Schweiz tätig[43]
- Franz Bölsker (* 1957), Historiker
- Andrea Astrid Voßhoff (* 1958), ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete (MdB)
- Josef Hoch (* 1960), Richter am Bundesgerichtshof
- Sylvia Speller (* 1967), Physikerin
- Ludger Santen (* 1969), Präsident der Universität des Saarlandes und Professor für Theoretische Physik
- Beatrix Busse (* 1973), Sprachwissenschaftlerin
- Gerd Buurmann (* 1976), Künstler
- Till Seiler (* 1981), Lehrer und ehemaliger Grünen-Bundestagsabgeordneter (MdB)
- Mirco Born (* 1994), Fußballspieler
Literatur
- Hermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes, in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1929.
- Margareta Bloom-Schinnerl: Als Haren Maczków hieß. Eine polnische Besatzungszone im Emsland, Deutschlandfunk, 3. Mai 2016 (PDF-Datei).
- David Duong: Republik Polen im Emsland: Haren/Maczków – Ist die Heimat der Wohnort oder ein Zustand, den man auslebt?, in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Emsländische Geschichte 31 (2024), S. 412–468.
- Ernst Förstemann/Hermann Jellinghaus (Hrsg.): Altdeutsches Namenbuch, Band II, 1 und 2: Ortsnamen. Bonn 1913/1916 (Nachdruck: Band II, 2, Hildesheim 1967/1983, ISBN 3-487-01733-4).
- Bernhard Gievert: Die Harener Schiffahrt im Wandel der Jahrhunderte, in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Emsländische Geschichte Bd. 1, Papenburg/Meppen 1991, S. 57–67.
- Juergen Hobrecht: Als Haren Maczków hieß, in Die Zeit, 21/1995.
- Werner Kaemling: Atlas zur Geschichte Niedersachsens. Gerd J. Holtzmeyer Verlag, Braunschweig 1987, ISBN 3-923722-44-3.
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Online-Ausstellung „Maczków. Polnische Enklave in Norddeutschland“, Porta Polonica, LWL-Museen für Industriekultur, Westfälisches Landesmuseum, Online.
- Helmut Lensing/Eberhard von Wolff: Die NS-Zeit in der emsländischen Schifferstadt Haren im Spiegel der Schulchronik, in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Emsländische Geschichte Bd. 23, Haselünne 2016, S. 243–320.
- Helmut Lensing, Die Wahlen zum Reichstag und zum Preußischen Abgeordnetenhaus im Emsland und in der Grafschaft Bentheim 1867 bis 1918 – Parteiensystem und politische Auseinandersetzung im Wahlkreis Ludwig Windthorsts während des Kaiserreichs (Emsland/Bentheim. Beiträge zur Geschichte, Bd. 15), Sögel 1999.
- Martin Löning: Die Durchsetzung nationalsozialistischer Herrschaft im Emsland (1933–1935), in: Emsland/Bentheim. Beiträge zur Geschichte Bd. 12. Hrsg. von der Emsländischen Landschaft für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim, Sögel 1996, S. 7–353.
- Tadeusz Nowakowski: Maczków – polnische Stadt an der Ems, in: MERIAN Emsland (Heft 7 XXIV. Jahrgang 1971), S. 27–30.
- Jan Rydel: Die polnische Besatzung im Emsland 1945–1948, Osnabrück: fibre Verlag 2003, ISBN 3-929759-68-3.
- Norbert Tandecki: Jüdische Familien in Haren ab 1766, in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Emsländische Geschichte Bd. 1, Papenburg/Meppen 1991, S. 71–73.
- Reinhard Wessels, Gerd Schepers: Zur Geschichte der Harener Binnen-, Küsten- und Seeschifffahrt – damals und heute. Haren (Ems) 2004, ISBN 3-927099-87-2.
- Stadt Haren: Stadtgeschichte(n) – Bilder, Geschichten und Dönkes aus 50 Jahren Stadtgeschichte – 2019.
Weblinks
- Website der Stadt Haren (Ems)
- Armin Fuhrer in Focus online: Haren zu „Maczków“ war polnische Enklave: Das war Deutschlands 5. Besatzungszone, 18. Juni 2020
- Kriegsende im Emsland: Drei Jahre lang ist Haren das polnische Maczków bei ndr.de vom 11. September 2023
- Paradies auf Zeit – Wie aus Haren Maczków wurde auf YouTube
- Maczków. Polnische Enklave in Norddeutschland
