Altstädter Wasserturm
Turm in Prag, Tschechien
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Der historische Altstädter Wasserturm (tschechisch Staroměstská vodárenská věž) steht in der Prager Altstadt auf der Novotný-Brücke (Novotného lávka), am rechten Moldauufer, unweit der Karlsbrücke. Daneben befindet sich das Neorenaissance-Gebäude des Bedřich-Smetana-Museums. Turm und Museumsbau gehörten ursprünglich zum Altstädter Wasserwerk, das 1913 stillgelegt wurde. Der ursprünglich spätgotische Altstädter Wasserturm wurde im 16. Jahrhundert in seine heutige Form umgebaut. Im Jahr 1853 erhielt er neugotische Verkleidungen. Mit seinem markanten Dach und der Turmuhr gilt er als ein Wahrzeichen der Stadt am Moldauufer. Seit 1958 ist er als Kulturdenkmal geschützt.[1]

Geschichte
Schon im 15. Jahrhundert befanden sich an dieser Stelle mehrere Wassermühlen. Vermutlich um 1489 wurde hier ein hölzerner Wasserturm errichtet, der die Versorgung öffentlicher und privater Brunnen der Prager Altstadt sicherstellte. Der Holzturm brannte 1576 nieder und wurde ein Jahr später durch einen steinernen Turm ersetzt. Im Laufe der Jahrhunderte erlitt er wiederholt Schäden durch Brände. Brände in Wassertürmen traten vor allem im Winter häufig auf, wenn zugefrorene Leitungen mit offenem Feuer aufgetaut wurden. Neben kleineren Bränden erlebte der Altstädter Wasserturm neun schwere Brände, weshalb er als trauriger Rekordhalter Prags gilt. Jedes Mal wurde er rasch repariert, denn die Wasserversorgung war für das Leben in der Stadt unentbehrlich.[2]
Der Historiker Jiří Soukup schreibt, dass Anfang Januar 1514 in Böhmen strenger Frost einsetzte, Teiche und Flüsse bis auf den Grund zufroren und die Wassermühlen stillgelegt werden mussten. Auch die Wasserleitungen froren ein, sodass mehrere Wochen lang kein Wasser floss. Wassertürme litten zudem unter Hochwasser und Kriegsschäden. Der Altstädter Wasserturm wurde im Krieg zweimal schwer getroffen: 1648 durch den Beschuss der Schweden während der Kämpfe an der Karlsbrücke und erneut am 16. Juni 1848, als während des Prager Pfingstaufstandes die Mühlen und das Wasserwerk durch Brandgranaten der Windisch-Graetz-Truppen in Brand gesetzt und schwer beschädigt wurden.[2][3]
Der 53 Meter hohe Turm hat einen quadratischen Grundriss und fünf Stockwerke. Sein Kern stammt aus dem Jahr 1577 und besteht aus behauenen Sandsteinquadern. 1835 wurde der Turm von František Josef Gerstner, dem Direktor der Prager Technischen Universität, und dem Konstrukteur Josef Božek technisch modernisiert. Nach der Beschädigung im Jahr 1848 wurde er vom Architekten Heřman Bergmann restauriert.[4][3]
Mit Pumpen, die von Mühlrädern angetrieben wurden, wurde Wasser in ein 31 Meter hoch gelegenes Reservoir im oberen Teil des Turms gefördert. Von dort floss es durch die Schwerkraft über hölzerne Leitungen ins Erdgeschoss und wurde über ein verzweigtes Rohrsystem weiterverteilt. Nach dem letzten großen Brand im Jahr 1878 erfolgte ein neugotischer Umbau durch den Architekten Antonín Wiehl. Der Turm wurde um ein Stockwerk erhöht, erhielt eine große Uhr mit vier Zifferblättern und die ursprüngliche barocke Dachkuppel wurde durch die heutige neugotische ersetzt. Das Stahldach hat eine Pyramidenform und wird durch vier kleine Türmchen mit verkleinerten Pyramidenhauben ergänzt. Über dem Portal erinnert eine steinerne Gedenktafel an den Bau des Turms im Jahr 1577.[1][5]
Der Wasserturm wurde im Jahr 1880 außer Betrieb genommen und das angrenzende Wasserwerk 1913 endgültig stillgelegt. Er gehört heute dem Stadtbezirk Prag 1, wird als Büro- und Vereinsräume genutzt und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.[5]
Bedřich-Smetana-Museum

Neben dem Wasserturm steht das ehemalige Gebäude des Altstädter Wasserwerks. Darin befand sich eine Pumpanlage, die das Wasser der Moldau in den Wassertank des Turms pumpte. Das Neorenaissance-Gebäude wurde 1883 nach einem Entwurf des Architekten Antonín Wiehl errichtet und ist mit Sgraffito-Verzierungen von Mikoláš Aleš, František Ženíšek und Jan Koula geschmückt, die den Kampf gegen die Schweden auf der Karlsbrücke im Jahr 1648 zeigen.
Dank der Initiative der Bedřich-Smetana-Gesellschaft wurde das Gebäude zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufwendig renoviert und beherbergt seit dem 12. Mai 1936 das Bedřich-Smetana-Museum. Neben den Ausstellungsräumen gibt es hier einen Vortragssaal, ein Archiv und einen Lesesaal. Seit 1976 ist das Museum Teil des Tschechischen Musikmuseums, das wiederum zum Nationalmuseum in Prag gehört.[4]