Amandine Gay

französische Regisseurin, Schauspielerin und Afrofeministin From Wikipedia, the free encyclopedia

Amandine Gay (* 16. Oktober 1984 in Frankreich) ist eine französische Filmemacherin, Autorin und afrofeministische Aktivistin. Mit ihren filmischen und publizistischen Arbeiten widmet sie sich insbesondere Fragen der Repräsentation Schwarzer Frauen, der intersektionalen Diskriminierung und transnationalen Adoption.[1]

Amandine Gay, HEAD Cinema Festival 2025
Straßenschild der Rue Charlot in Paris mit einem neuen Straßenschildvorschlag mit dem Namen Amandine Gay als Aktion im öffentlichen Raum

Leben und Ausbildung

Gay wurde in Frankreich geboren und wuchs als Adoptivkind in einer weißen Familie in der Nähe von Lyon auf.[2] Nach ihrem Studium an Sciences Po Lyon und einem Abschluss in Kommunikation befasste sie sich wissenschaftlich mit kolonialen Kontinuitäten in der französischen Gesellschaft.[3] Erfahrungen mit Rassismus und welche Rolle Schwarze Frauen im französischen Film einnehmen, führten zu ihrem Entschluss, selbst künstlerisch tätig zu werden – zunächst als Schauspielerin, ab 2014 dann als Regisseurin.[4]

Werk

Gay gehört zu den wichtigen Stimmen des Afrofeminismus in Frankreich. Ihr vielbeachteter Dokumentarfilm „Ouvrir la voix“ (2017) („Speak Up / Lauter werden“) porträtiert 24 Schwarze Frauen aus Frankreich und Belgien und stellt deren Alltag, Strategien und Erfahrungen mit Rassismus und Sexismus in den Mittelpunkt.[5][6] Sie produzierte, drehte und vertrieb den Film unabhängig und finanzierte ihn durch Crowdfunding. „Ouvrir la voix“ erhielt internationale Aufmerksamkeit in ganz Deutschland mit der Femme Totale Filmtour[7] und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Out d’Or für künstlerisches Schaffen 2018.[8] Mit „Une histoire à soi“ (2021) (Eine eigene Geschichte) setzte Gay ihre dokumentarische Arbeit fort, diesmal mit Fokus auf transnationale Adoption und Identitätsfindung.[9]

Neben ihrer Tätigkeit als Regisseurin tritt Amandine Gay regelmäßig als Rednerin zu feministischen und afrofranzösischen Themen auf und veröffentlichte 2021 das autobiografische Buch „Une poupée en chocolat“.[10]

Die wichtigsten Themen in den Dokumentarfilmen von Amandine Gay sind die Erfahrungen Schwarzer Frauen im europäischen Kontext, Intersektionalität, Identitätsfragen und die Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen. In „Ouvrir la voix“ stehen insbesondere der Alltag, die Selbstermächtigung und die gesellschaftlichen Herausforderungen Schwarzer Frauen in Frankreich und Belgien im Mittelpunkt. Der Film beleuchtet Themen wie Rassismus, Sexismus, kulturelle Selbstbestimmung, Körper und Schönheit, Arbeitswelt und familiäre Strukturen sowie die Notwendigkeit, die eigene Geschichte und Position innerhalb der Gesellschaft selbst zu erzählen.[4]

In „Une histoire à soi“ thematisiert Gay die Perspektiven von international Adoptierten, insbesondere deren Suche nach Identität und Herkunft. Der Film hinterfragt koloniale und paternalistische Bilder rund um die Adoption, beleuchtet die persönliche und politische Dimension von Herkunft, Zugehörigkeit, das Schweigen um Biografien und die Bedeutung von Selbstnarration.[11]

Allen ihren Arbeiten entspricht es, marginalisierte Stimmen und Perspektiven in den Fokus zu rücken, Diskriminierungsmechanismen sichtbar zu machen und die Öffentlichkeit zur reflektierten Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen einzuladen.[12]

Mein Ansatz als unabhängiger Produzent und Regisseur lässt sich wie folgt zusammenfassen: Ich erzähle, dokumentiere und bewahre die Geschichten und die aktuelle Realität derjenigen, die in der Geschichte normalerweise nicht vorkommen – Schwarze Frauen, Adoptivkinder oder Angehörige anderer Minderheiten und unsichtbarer Gruppen. Ich glaube, dass ungeschriebene Formate genauso wirkungsvoll sind wie geschriebene, insbesondere wenn wir sie ästhetisch gewagt und politisch herausfordernd gestalten.[2]

Filmografie

  • 2017: Speak Up / Ouvrir la voix
  • 2021: Une histoire à soi[13]
  • 2025: Ballroom, danser pour exister, Fernsehserie

Darstellerin

  • 2010: Hors de l'abri, Céline Guénot[14]
  • 2022: Yannick & Pauline, Reuben Bocobza[15]
  • 2022: La défense devant les survivants, Clara Chabalier[16]

Publikationen

  • 2015: Lâche le micro! 150 ans de luttes des femmes noires pour le droit à l'auto-détermination. Vorwort für die französische Übersetzung des ersten Buches von Bell Hooks, Ain't I a Woman: Schwarze Frauen und Feminismus, Unrast Verlag, ISBN 9783897713482
  • 2015: Deny and Punish: A French History of Concealed Violence. The Charlie Hebdo Attacks and Their Aftermath, Artikel in der Zeitschrift Occasion
  • 2015: L'expérience des racisées en milieu universitaire: entre résistance, agency et lutte pour la légitimité, Artikel zum 7. Internationaler Kongress für feministische Forschung in der Frankophonie (CIRFF)
  • 2018: Kollektiv, Éloges des mauvaise herbes: ce que nous devons à la ZAD. La crise d'une utopie blanche?, initiiert von Jade Lindgaard, Paris, L'Arche, p. 157–165
  • 2018: Kollektiv, Décolonisons les arts , unter der Direktion von Leïla Cukierman, Gerty Dambury et Françoise Vergès
  • 2019: Kollektiv, Reach everyone on the Planet… What's a word?, koordiniert von Kimberlé Crenshaw
  • 2021: Vorwort des Kollektivs, Lettres du Bangwe, Paris, Editions Bora, 348 S., S. 11–15
  • 2021: Une poupée en chocolat, Verlag La Découverte

Auszeichnungen

Gay wurde für ihren Beitrag zur Sichtbarmachung afrofeministischer Perspektiven mehrfach ausgezeichnet, darunter der Out d’Or für künstlerische Arbeiten.[17]

Commons: Amandine Gay – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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