Amara Moira

brasilianische Schriftstellerin, Literaturprofessorin und Aktivistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Amara Moira Rodovalho (geboren am 26. Februar 1985 in Campinas, Brasilien) ist eine brasilianische Schriftstellerin, Literaturprofessorin und Aktivistin. Moira promovierte in Literaturtheorie an der Universidade Estadual de Campinas (Unicamp) und war damit die erste trans Frau, die eine Promotion an dieser Universität unter ihrem selbstgewählten Namen (nome social) erlangte.[1]

Amara Moira (2016)

Leben

Jugend

Amara Moira wurde 1985 in Campinas geboren. Sie wuchs in einer bürgerlichen Familie auf. Ihre Mutter, Maria do Carmo, stammt aus Belo Horizonte (Minas Gerais), ihr Vater aus dem Inland des Bundesstaat São Paulo, wuchs aber in Mato Grosso do Sul auf. Beide Eltern studierten Rechtswissenschaften an der PUC in Campinas, wo Moira auch aufwuchs. Sie hat zwei jüngere Geschwister (geboren 1987 und 1988).[2]

In der Jugend setzte sie sich intensiv mit Literatur, Sexualität und Identitätsfragen auseinander. Sie bezeichnete sich zunächst als bisexuell, bevor sie ihre Geschlechtsidentität später neu definierte.[2]

Ausbildung

Moira begann zunächst ein Studium der Internationalen Beziehungen an der Universidade Estadual Paulista (UNESP) in Franca, brach dieses jedoch ab. Anschließend studierte sie ab 2011 Letras (Philologie/Literaturwissenschaft) an der Universidade Estadual de Campinas (Unicamp). Ihre Masterarbeit (Titel „„Dubliners”/“Dublinenses”: retraduzir James Joyce“) schloss sie 2013 ab.[2][3] Ihre Dissertation (2018[4]) trägt den Titel „A Indeterminação de sentidos no Ulysses de James Joyce“, zu Deutsch „Die Unbestimmtheit der Bedeutungen in James Joyces Ulysses“. Sie war damit die erste trans Frau, die einen Doktortitel an der Unicamp unter ihrem selbstgewählten Namen (nome social) erlangte.[1]

Transition, Engagement und Aktivismus

Moira outete sich zunächst mit 18/19 Jahren als bisexuell gegenüber ihrer Familie. Während ihrer Promotion zum literarischen Schaffen von James Joyce hatte sie ihr Coming-out als Transperson, ihre Transition begann sie 2014 im Alter von 29 Jahren. Am 5. Mai 2014 nutzte sie erstmals öffentlich ihren selbstgewählten Vornamen Amara. Sie war zu der Zeit die erste sich öffentlich als trans identifizierende Person an der Unicamp.[2] Genau genommen bezeichnet sich Moira als „travesti“,[5] was in Brasilien nicht synonym für „Transvestit“ im deutschen Sinne steht, sondern eine selbstgewählte Identitätsbezeichnung mit spezifischer sozialer Geschichte darstellt.

Nach Beginn ihrer Transition arbeitete Moira zeitweise als Sexarbeiterin in Campinas. Sie selbst beschreibt die Zeit der Sexarbeit neben der reinen Erwerbsarbeit als einen Raum der Transgemeinschaft und als einen Ort der Selbstermächtigung und Sichtbarkeit. Zugleich sei dieser geprägt von Vulnerabilität und Gewalt.[2]

Heute arbeitet sie nicht mehr als Sexarbeiterin, setzt sich aber für die Regulierung der Sexarbeit in Brasilien ein.[6] 2016 kandidierte sie erfolglos bei den Kommunalwahlen für die linke Partei PSOL, sie errang lediglich einen Nachrückerinnen-Platz.[6]

Werk

Amara Moira wurde zunächst mit autobiografisch geprägten Texten über ihre Erfahrungen als Travesti und Sexarbeiterin bekannt. In E se eu fosse puta (2016) beschreibt sie ihren Einstieg in die Sexarbeit sowie Fragen von Begehren, Gewalt, Selbstwahrnehmung und sozialer Marginalisierung.[7]

Mit dem Roman Neca veröffentlichte Moira ihr Prosadebüt.[8] Der Text ist als Monolog angelegt und wird aus der Perspektive der Figur Simona erzählt, einer Travesti, die ihre Lebensgeschichte und Erfahrungen in der Sexarbeit schildert. In der Rezeption wurde Neca insbesondere wegen seiner sprachlichen Gestaltung hervorgehoben: Der Roman arbeitet konsequent mit Bajubá (auch Pajubá genannt), einem in Brasilien in Travesti- und Trans-Communitys verbreiteten Soziolekt, sowie mit Neologismen, Abkürzungen und mehrsprachigen Einsprengseln. In Literaturkritik und Sprachdiskussionen wird Neca unter anderem als Beitrag zur literarischen Sichtbarkeit marginalisierter Sprachformen und zur Auseinandersetzung mit Geschlecht, Körper und Sexualität gelesen.[7]

Moira veröffentlichte zudem Texte in Sammelbänden, darunter Beiträge in Vidas Trans.[7]

Werke

  • E se eu fosse puta. Hoo Editora, 2016, ISBN 978-85-69931-14-0, S. 216.
    • Übersetzung ins Spanische: Y si yo fuera puta. Mandacu Editorial, 2022, ISBN 978-987-47-6715-8, S. 140 (Originaltitel: E se eu fosse puta. Übersetzt von Lucía Tennina, Penélope Serafina Chaves Bruera und Amara Moira).
    • Übersetzung ins Englische: (So What) If I’m a Puta?: Travesti Diaries. mit Vorwort von Charlotte Shane. The Feminist Press at CUNY, New York City 2025, ISBN 978-1-55861-348-5, S. 168 (Originaltitel: E se eu fosse puta. Übersetzt von Amanda De Lisio und Bruna Dantas Lobato).
  • Amara Moira, João W. Nery, Márcia Rocha und T. Brant: Vidas trans: a coragem de existir. Astral Cultural, São Paulo 2017, ISBN 978-85-8246-558-5, S. 176.
  • Neca + 20 poemetos travessos. Editora O Sexo da Palavra, Uberlândia 2021, ISBN 978-6-58801017-4, S. 59.
  • Neca: romance em bajubá. Companhia das Letras, São Paulo 2024, ISBN 978-85-359-3852-4, S. 120.
Commons: Amara Moira – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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