Amateurfilm

Film von Privatpersonen From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Amateurfilm bezeichnet man Filme, die von Privatpersonen gedreht wurden und in der Regel nicht zur kommerziellen Weiterverbreitung vorgesehen sind.

JVC-Camcorder
Sony-Digitalkamera

Definition

Amateurfilme bewegen sich in einem weiten Spektrum. So werden Homevideos und Hochzeitsfilme genauso als Amateurfilm bezeichnet, wie die private Umsetzung selbst geschriebener Drehbücher im Spielfilm-Format des Low-Budget-Bereichs. Daher können die Urheber sogar durchaus technisch versiert sein, denn als Amateurfilm gilt im allgemeinen Verständnis jeder Film, der nicht von einer professionellen Produktionsfirma getragen wird und daher auch ein geringeres Kapital aufweist. Zu beachten ist, dass in der Öffentlichkeit der Amateurfilm fast ausschließlich als amateurhaft produzierter Film, der keine Professionalität aufweist, verstanden wird. Das ist so nicht richtig, da zwar solche Filme durchaus unter diese Kategorie fallen können, es aber auch viele Beispiele für Filme gibt, die diesem Raster nicht entsprechen. Das sind unter anderem Filme, die von Studenten der Filmhochschulen angefertigt werden und einem hohen technischen Niveau entsprechen können, aber trotzdem als Amateurfilm gelten.[1]

Dimensionen und Anwendungsgebiete

In den letzten Jahren fand die Gemeinde der Amateurfilmer mit Hilfe des Internets immer enger zusammen und so gibt es im Netz mittlerweile unzählige Seiten von Amateurfilm-Gruppen und Filmbegeisterten. Auch etliche Foren und Communitys rund um das Thema sind mehr als beliebt, um Tipps und Tricks auszutauschen, aber auch, um die eigenen Werke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei spielt die Internet-Video-Plattform YouTube eine große Rolle, über der täglich tausende Amateurvideos hochgeladen und angeschaut werden. Die Qualität der Filme hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, was auf die rasante Entwicklung von privaten Schnitt- und Bearbeitungswerkzeugen zurückzuführen ist.

Amateurfilme werden noch heute teilweise auf 8- oder 16-mm-Filmen aufgenommen, durch die zunehmende Digitalisierung des Videomarktes ist dies aber durch den Kostenaufwand selten geworden. Der Großteil der Produktionen wird daher auf DV- bzw. Mini-DV-Kameras aufgezeichnet, hauptsächlich wegen der einfachen Bearbeitbarkeit des Materials. Bei digitalen Videos kann je nach gewünschter Qualität, Klasse der Kamera und Speicherart gewählt werden, siehe Video-Containerformat.

Mit der wachsenden Verbreitung von Kamera-Handys steigt auch die Verbreitung von mit diesen aufgenommenen Videos, deren Wert meist in der Exklusivität der Aufnahme liegt, welche dann die relativ schlechte technische Qualität der Aufnahme wettmacht. Diese Entwicklung hat für Nachrichtenagenturen den Vorteil gebracht, näher am weltpolitischen Geschehen zu sein, da sie die selbst gedrehten Clips zum Beispiel im Fernsehen und Internet schnell weiterverbreiten können. So sind beispielsweise von Privatpersonen per Handy gefilmte Aufnahmen von Protesten in Syrien der einzige mediale Zugang zu der Region, die ausländische Presse weitläufig aus dem Land fernhält. Ein Beispiel ist die von dem amerikanischen Nachrichtensender CNN einberufene Plattform iReport, bei der jeder Nutzer über eine App sofort Videos zu den aktuellen Nachrichten hochladen und so der Weltbevölkerung zugänglich machen kann.[2] In der Kritik stehen Handy-Videos von Gewalttaten, die vor allem bei Jugendlichen in sozialen Brennpunkten hoch im Kurs stehen.

Dachverbände

Die Union Internationale du Cinéma (UNICA) ist der weltweit tätige Dachverband und Membre du C.I.C.T. auprés de l’UNESCO, der jährlich die Weltbegegnung der Filmautoren veranstaltet.[3]

Nationale Dachverbände sind zum Beispiel:

  • Österreich: VÖFA – Verband Österreichischer Film-Autoren
  • Deutschland: BDFA – Bundesverband deutscher Film-Autoren
  • Großbritannien: IACThe Film & Video Institute
  • USA: AMPS – American Motion Picture Society
  • (international) EAK – Europäischer Autorenkreis für Film und Video e. V. – www.eurofilmer.eu
  • Schweiz: Swiss movie – Bund Schweizer Film- und Videoautorenclubs

Geschichte des Amateurfilms

Literatur über die Geschichte des Amateurfilms ist rar. Das mag daran liegen, dass der Amateurfilm für die Geschichtsschreibung lange als kaum relevant erachtet wurde. Die Namen der professionellen Pioniere sind in die Geschichtsschreibung eingegangen, die der Amateure sind weitgehend anonym geblieben. Zudem befassen sich die wenigen Ansätze eher mit der Geschichte der Amateur-Filmtechnik.[4.1] Für Deutschland gibt es glücklicherweise die Familienchronik von Michael Kuball. Der Autor hat mehrere Zehntausend Meter Amateur- und Privatfilme aus den Jahren 1900 bis 1960 zusammengetragen und daraus die siebenteilige Fernsehserie Familienkino erstellt, die 1978/79 ausgestrahlt wurde. Darauf basiert seine zweibändige Geschichte des Amateurfilms in Deutschland.[5]

Der Amateurfilm entstand aus der Entwicklung der Berufskinematografie. Die Verkleinerung und Verbilligung des Materials und die Vereinfachung des Aufnahme- und Abspielvorgangs waren die Kriterien, die zur Popularisierung beitrugen und es für Amateure erschwinglich wurde, Apparate und Zubehör zu kaufen, eigene Filme zu drehen und vorzuführen.[4.2]

Technische Entwicklung des Amateurfilms

Dickson's 35 mm movie film standard and 35 mm patent design
Filmstreifen aus dem ersten Film der Brüder Max und Emil Skladanowsky

1922 präsentierten die Gebrüder Pathé in Paris das Pathé Baby-System in 9,5 mm. Dies war das erste Amateurformat, das sich weltweit durchsetzte. Dazu kamen später das 16-mm- und das 8-mm-Format.[6.1] Davor gab es bereits verschiedene Experimente: Bekannt ist der Fotograf Eadweard Muybridge, der 1873 und 1877 ein Pferd im Galopp fotografierte und dabei in schneller Folge Einzelbilder der Bewegung des Pferdes fotografisch festhielt. Er benutzte dazu zwei Dutzend Kameras. Damit stellt er eine interessante Vorstufe des Films dar, aber nicht den ersten Film. Der französische Astronom P. Janssen hielt 1874 den Durchgang der Venus vor der Sonne in einer Bildsequenz fest. Auch das waren in regelmäßigen Abständen festgehaltene Einzelbilder, Daguerrotypien, also Unikate auf Silberplatten, also noch kein Film. Auch die für das von Thomas Alva Edison geschaffenen Kinetoskop produzierten Streifen, die bis zu 15 m lang waren, wurden professionell hergestellt, eine Kamera für den Amateur gab es noch nicht. Georges Demeny erfand das Phonoscope, mit dem man lebende Bilder der Mundbewegung in sehr begrenztem Umfang betrachten konnte. Seine Aufnahmekampera wurde 1893 als Chronophotograph vorgestellt. In seinem Modell von 1896 verwendete er einen 60-mm-Film, ein Jahr später wechselte er zum 35-mm-Band. Aber seine Bilder konnten nicht unbegrenzt projiziert werden. Dem Edison-Apparat fehlte die Kamera, der Erfindung von Demeny der Projektor. Deshalb können beide nicht als Anfang des Amateurfilms betrachtet werden.[6.2]

Für den Amateurfilm von Bedeutung ist Edisons Erfindung des 35-mm-Films. Dieses Filmformat hat sich als optimal für die Bildauflösung, den Filmtransport in Kamera und Projektor und die Ausleuchtung erwiesen. Ab 1894 interessierten sich die Gebrüder Lumière in Frankreich dafür, Bänder für Edisons Kinetoskop zu fertigen. Dazu entwickelten sie die Aufnahmekamera, die sie Cinématographe nannten. 1894 filme Louis Lumière mit dem im gleichen Jahr von Eastman-Kodak erfundenen transparenten Film mit seinem zweiten Modell des Kinematographen Arbeiter, welche die Fabrik verließen. Die erste Vorführung fand am 28. Dezember 1895 in Paris statt. Seine Kamera diente zur Aufnahme und Wiedergabe des Films.

Pathé Baby, Filmprojektor von 1924

Bereits rund zwei Monate früher zeigte Max Skladanowsky seine Kurzfilme in Berlin. Er hatte schon 1892 mit einem selbstgebauten Kurbelkasten seinen Bruder gefilmt. Aber die undurchsichtigen Bilder konnten nicht projiziert werden. Er bastelte drei Jahre lang an einem Projektor, der Diapositive in schneller Folge hintereinander projizierte und so den Eindruck der Bewegung erzeugte. Sein Projektor, Bioscop genannt, funktionierte mit einem 54-mm-Film. Auf einem Blankfilm waren abwechselnd Positive vom Negativ montiert, die Perforation war mit einer Nietzange von Hand angebracht worden. So konnte er am 1. November 1895 in Berlin, rund zwei Monate vor Lumière in Paris, seine erste öffentliche Filmvorführung durchführen.[6.3] Das war die erste öffentliche Filmvorführung in Europa.[4.3] 1898 gründete er die Berliner Camera-Werke. Diese stellte unter anderem auch Geräte für Filmamateure her. Der Mangel an Kapital und die überlegene Qualität der Apparate von Lumière und jener von Oskar Messter verunmöglichten bald, seine Produktion aufrechtzuerhalten. Dennoch gehört Skladanowsky mit seinen Entwicklungen zu den entscheidenden Pionieren der Filmamateure.

Messters feinmechanische Werkstatt stellte u. a. auch optische Geräte her. In seinem Katalog von 1897 stand auch «Messters Amateur-Kinematograph für Aufnahmen und Projektion lebender Photographien» für 200 Mark, dem Monatslohn eines Arbeiters, im Angebot. Messters Firma ging später mit anderen in der UFA-Filmgesellschaft auf. Ab 1895 wurden in fast allen bedeutenden Industrieländern Filmapparate entwickelt und Patente angemeldet.[6.3]

Einer breiten Verbreitung des Normalfilms standen damals auch die Kosten im Weg. Das Filmmaterial für anderthalb Minuten Normalfilm kostete so viel, wie ein Arbeiter monatlich für seine 3-Zimmer-Wohnung bezahlte. Deshalb gab es Bemühungen, den Normalfilm zu halbieren. Birth Acres ließ am 9. Juni 1898 eine Filmkamera patentieren, die einen Streifen von 17,5 mm Breite mit Längsperforation verwendete. Das stellte sich als wegweisende Entwicklung für den Amateurfilm heraus. Erwähnenswert ist der Apparat der Ernemann-Werke, die Ende 1902 ebenfalls einen Apparata für 17,5 mm herausbrachten. Die Perforation legte Ernemann aber zwischen die Bilder in die Bandmitte, so dass er ein größeres Filmbild erhielt als Acres. Er verwendete 1903 erstmals das Wort Kino, das zunächst eine frühe Schmalfilmkamera der Ernemann-Werke bezeichnete, dann sich aus der Fachsprache löste und in der deutschen Umgangssprache die Bedeutung des Ortes annahm, wo Filmvorführungen stattfinden. Im gleichen Jahr führte Messter den ersten Tonfilm vor. Er spielte eine Grammophonplatte zusammen mit dem Film ab. Das damalige Filmmaterial war gefährlich, weil es explosionsartig abbrennen konnte. Obwohl der unbrennbare Sicherheitsfilm 1912 auf den Mark kam, setzte er sich nur langsam und oft erst nach gesetzlichen Vorschriften durch.

Pathé-Baby Filmkamera
9,5 mm Rohfilm von Kodak in Original­verpackung

In Frankreich arbeiteten die Brüder Pathé daran, im Interesse der Amateure einen preisgünstigen Projektor zu entwickeln, mit dem man Kauf- oder Mietfilme zu Hause vorführen konnte. Im Jahr 1911 brachten sie den Projektor Pathé KOK auf den Markt. Er war für das Format 28 mm ausgelegt. Doch die Kostenreduktion dank schmalerem Filmband erwies sich als zu gering. Pathé KOK konnte sich nicht durchsetzen. Pathé verfolgte weiterhin das Ziel, preisgünstiger zu werden. Sie entwickelten die Pathé-Baby, die für 9,5 mm ausgelegt war. Pathé Baby war erfolgreich. Das Filmbild misst 6,2 × 8,2 mm. 1926 kam ein ansetzbarer Motor dazu, der die Handkurbel ersetzte. Für Amateure blieb die Filmerei trotzdem aufwändig. Es fehlte ein Umkehrfilm, der das Kopieren des Negativfilms überflüssig machte. Eine Anzeige in der Photorevue vom 1. April 1923 pries eine Kamera und einen orthochromatischen Film in Kassette sowie eine Entwicklervorrichtung an. Da die Entwicklung eines Umkehrfilms für den Amateur nicht eben einfach war, vertrauten viele die Entwicklung ihrer Filme zunehmend der Firma Pathé an. Mit dem 9,5-mm-Format war Pathé der Durchbruch gelungen. Nun wurden überall 9,5-mm-Kameras und -Projektoren hergestellt: von Nizo in Deutschland, von Eumig in Österreich, von Bolex in der Schweiz. Damit war das erste Amateurformat geschaffen, das weltweit bekannt wurde.[6.4]

Der amerikanische Kodak-Konzern hatte lange Edisons 35-mm-Film produziert. Ab 1923 brachte er ein neues Schmalfilm-Format, den 16-mm-Film, auf den heimischen Markt. Wie Pathé wich auch Kodak dem 17,5-mm-Format aus, um zu verhindern, dass feuergefährliche 35-mm-Filme halbiert und in lichtstarken Heimkino-Projektoren zu Unfällen führen könnten. Der neue Schmalfilm war mit Randverstärkungen ausgestattet und doppelseitig perforiert. Eastman-Kodak stellte dieses Format ausschließlich als Umkehrfilm her. Dank der hohen Qualität der Emulsionen erreichte man trotz der relativ kleinen Bildfläche eine höhere Bildqualität als beim mittenperforierten 17,5-mm-Film. Kodak verkaufte seinen 16-mm-Umkehrfilm ausschließlich inklusive Entwicklungs- und Umkehrkosten. Zur Verarbeitung dieses Umkehrfilms wurden weltweit Kodak-Niederlassungen aufgebaut. Den deutschen Markt erreichte der Kodak-Normalfilm um 1925, als gleichzeitig der Kleinfilm von Pathé auf den deutschen Markt kam.[4.4]

Für den Amateurfilm wurden im Lauf der Zeit verschiedene Formate des Chemie-Films angeboten. Das Format wird nach der Breite des Films benannt.

  • 9,5 mm: 1922 von Pathé, Paris eingeführt
  • 16 mm: 1923 von Kodak in den USA eingeführt
  • 8 mm (Normalacht, Doppelacht): 1932 von Kodak eingeführt, Super 8 (S-8) 1965 von Kodak eingeführt

Das 9,5-mm-Format war aus zwei Gründen erfolgreich und nachhaltig. Die Kameras und Projektoren für dieses Format waren relativ preisgünstig. Zudem war der Film nicht brennbar (Sicherheitsfilm). Die ersten Filme wurden in metallenen, rundum geschlossenen Dosen (französisch galette genannt) mit 10 m, später auch 20 m Film angeboten. Diese Dosen saßen unbeweglich auf dem Projektor. Beim 9,5-mm-Film sorgte von Anfang an eine Metallkassette für den raschen Filmwechsel und mit eingebauter Andruckplatte aus Metall für beste Planlage des Films und Bildschärfe bei der Projektion. Dieses Format verbreitete sich von Frankreich aus schnell in Europa und in die französischen Kolonien in Übersee bis nach Kanada und Australien. Und in vielen Ländern wurden passende Apparate dazu gebaut.

Eine Minute Filmen ergibt bei allen Kino-Aufnahmeapparaten 960 Bilder, aber hierfür wird verbraucht:

Weitere Informationen Format, Filmlänge 960 Bilder = 1 min. Film ...
Kosten für 1 Minute Film im Jahr 1929[4.5]
FormatFilmlänge
960 Bilder = 1 min. Film
Kosten
Normalfilm 35 mm19 metwa 20 Mark
Schmalfilm 16 mm7,30 metwa 8 Mark
Schmalfilm 9,5 mm7,20 metwa 4,50 Mark
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In den Krisenzeiten der 1930er Jahre ging die Nachfrage nach dem 16-mm-Film zurück. Um preisgünstiger zu werden, wurde 1932 das 16-mm-Band halbiert. Damit war der 8-mm-Film (Normalacht, Doppelacht) geschaffen.[6.5] Voraussetzung für das kleinere Format war eine mechanische und chemische Verfeinerung des Materials. Die Perforationslöcher wurden gegenüber dem 16-mm-Film verdoppelt. Kodak benutzte für den 8-mm-Film eine neue Emulsion, die mit dem 1928 entwickelten Kodacolor-Verfahren gewonnen wurde. Dieses schwarzweisse, panchromatische Umkehrmaterial erlaubte verhältnismäßig große Projektionen bis 1 m Bildbreite, ohne dass sich Körnigkeit und Schärfenverlust allzu sehr bemerkbar machten. Zu dieser Brillanz und Schärfe trug ein Lichthofschutz bei, der verhinderte, dass durch die Schicht dringende Lichtstrahlen an der Oberfläche des Schichtträgers nach allen Seiten reflektiert wurden und Überstrahlungen in der Emulsion erzeugten. 1936 begann Agfa mit der Produktion von Einfach-8-Film. Er ist in seiner endgültigen Breite bereits fertig zugeschnitten und wurde in Lägen von 9 Metern konfektioniert. Das erste Modell einer marktfähigen 8-mm-Kamera von Kodak war die Ciné-Kodak-8. Sie war besonders kompakt konstruiert.[7.1]

Die Apparate konnten kleiner und preiswerter hergestellt werden. Daraus erwuchs dem 9,5-mm-Film immer mehr Konkurrenz. Pathé versuchte es auch mit der Halbierung des 9,5-mm-Films. So wurde 1955 das Duplex-Format auf den Markt gebracht. Das Filmbildchen wurde der Höhe nach halbiert. Die Kamera musste deshalb um 90 Grad gedreht und quer gehalten werden. Wie beim Doppelacht wurde zuerst die eine Hälfte des Films belichtet, dann die Filmspule in der Kamera gewechselt, bevor die zweite Hälfte des Films belichtet werden konnte. Nach der Entwicklung wurde der Film längs gesplittet und zur doppelten Länge zusammengeklebt. Das Duplex-Format konnte sich nicht durchsetzen.[6.6]

Im Jahr 1924 brachte Jacques Bogopolsky (Boolsky genannt) eine 35-mm-Kamera auf den Markt. Doch gegen die Konkurrenz der 9,5 mm (1922) und 16 mm (1925) konnte sie sich nicht behaupten. Doch ab 1927 brachte Bogopolsky unter dem Markennamen Bolex eine 16-mm-Kamera und einen dazu passenden Projektor auf den Markt. Diese verkauften sich gut. Dennoch sah sich Bogopolsky gezwungen, 1930 seine Firma an Paillard & Cie in Sainte-Croix abzugeben. Er selber erhielt bei Paillard & Cie eine Stelle als technischer Ingenieur. Paillard brachte unter dem Namen Bolex weitere Kameras und Projektoren im 16-mm-Format auf den Markt. Später in 8 mm. Sie waren dank ihrer hohen Präzision gefragt. Eine Spezialität von Bolex waren Bifilm- und Trifilm-Projektoren. Damit konnte man nach Auswechseln der Transportzahnräder und der Filmführung die wesentlichen Formate des Amateurfilms (8 mm, 9,5 mm und 16 mm) abspielen. Später kam noch der «Tonfilm zu Hause» dazu: Ein Filmprojektor wurde mit einem Plattenspieler gekoppelt.[6.5] Als erste deutsche Doppel-8-Kamera kam 1933 die Nizo 8 E auf den Markt.[7.2]

Den Umkehrfilm, eine entscheidende Bedeutung für den Amateurfilm, hatte 1919 John G. Capstaff bei Kodak erfunden. Damit war das mühsame Kopieren des belichteten Negativfilms auf einen Positivfilm nicht mehr nötig. Neben dieser Vereinfachung war auch das Bild des Umkehrfilms schärfer.[6.7] Bis in die späten 1950er Jahre entwickelte sich der 8-mm-Film zu beliebtesten Amateurformat.

1965 kam mit dem von Kodak produzierten Super-8-Format auch eine neue Generation von Kameras auf den Markt. Sie waren ausgelegt für Filme in Kassetten, hatten anders als früher Batterieantrieb, Belichtungsautomatik, Distanzeinstellung auf Mattscheibe oder Autofokus, Tonfilmkameras mit einer Tonspur auf dem Film. Der 9,5-mm-Film verlor an Bedeutung.[6.8]

Die Amateurfilmer organisieren sich

In den Anfängen der Filmgeschichte sind die einzelnen Tüftler und Erfinder, die für die technische Entwicklung des Films entscheidend waren, oft kaum zu unterscheiden vom professionellen Filmer und Amateurfilmer. Zu erwähnen sind hier:

In Deutschland begannen sich die Amateure im Jahr 1926 in Frankfurt im «Frankfurter Film-Amateur-Club» zu organisieren.[8] Aber auch die Filmindustrie war an Amateuren interessiert. Deshalb gründete Joachim Grassmann, geschäftsführender Vorsitzender der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft, im Juni 1927 in Berlin den «Bund der Filmamateure» (heute: Landesverband Deutscher Film-Autoren e.V.). Das erklärte Ziel des Bundes war das «Schaffen eines möglichst weitverbreiteten Filmsports und seiner kulturell wertvollen Entwicklung». Mitglieder waren zunächst nur Berliner. Nach und nach schlossen sich aber auch Filmclubs anderer Städte als Ortsgruppen an.[4.6]

Bürgerliche und proletarische Amateurfilmer

Filmte der Amateur bisher vor allem seine Familie im eigenen Heim oder der günstigeren Lichtverhältnisse wegen im eigenen Garten, ging er später dank Federmotor und 16- und 9,5-mm-Schmalfilm auf die Straße, zu Baustellen und sammelte Ereignisse, die er für seine Stadt und seine Zeit für denkwürdig hielt und deshalb aufheben wollte. Doch dieser bürgerliche Filmamateur bekam Konkurrenz aus der proletarischen Arbeiterschaft. Der Film wurde bald als Agitations- und Propagandamittel verstanden. Willi Münzenberger hatte diese Erkenntnis bereits 1925 in seinem programmatischen Aufruf in «Film und revolutionäre Arbeiterbewegung in Deutschland 1918-1932», Band 1, formuliert. In der Zeitschrift «Der Arbeiterfotograf» rief Karl Tölle 1928 zur Bildung von Filmgruppen auf. Es sei nicht nötig, dass jeder seinen eigenen Apparat habe und sein eigenes Material kaufe. Wenn sich mehrere zusammenschlössen, würden die Kosten beim Filmen nicht höher sein als beim Fotografieren. 1928 präsentierte der Volksfilmverband seine erste Eigenproduktion: «Das Dokument von Shanghai» stellt die Arbeiteraufstände in China dar. In den folgenden Jahren beschränkte sich der Volksfilmverband auf die Verleihtätigkeit. Die Internationale Arbeiterhilfe (IAH) vereinigte alle Aktionen einschließlich der Agitprop-Gruppen. Willi Münzenberg, der damalige Generalsekretär der IAH, setzte sich stark für die Entwicklung einer proletarischen Filmpolitik ein. Er baute die Verleiharbeit aus, die sowjetische Filme massenhaft einsetzte, und förderte die Produktion eigener Streifen.[4.7] Doch im Ausland, besonders in den USA, konnte sich der proletarische Amateur- und Dokumentarfilm besser entfalten. Die Tageszeitung «Daily Worker» war laut Michael Kuball die erste Arbeiterzeitung, die eigene Filme produzierte und deren Verleih organisierte.[4.8] Der proletarische Film hatte es in Deutschland auch mit Zensur zu tun. Filme über Massendemonstrationen, die in Halle und Leipzig anlässlich der 11. Wiederkehr des Ersten Weltkrieges stattgefunden hatten, wurden von der 1. Kammer der Filmprüfstelle in Berlin verboten. Filme wie «Rote Pfingsten in Berlin» (1926) oder «1. Mai 1929», der den Aufmarsch von rund 200.000 Arbeitern, die anrückende Polizei, deren Prügel und Schüsse in die Menge dokumentieren, wurden zensuriert. Es gab praktisch keinen proletarischen Amateurfilm, der die Schwelle der Zensurbehörde passieren konnte. Zudem fehlte solchen Filmen das Gütesiegel «Prädikat künstlerisch wertvoll», das von Prüfungsausschüssen vergeben wurde. Damit konnten solche Filme nicht von Steuerbegünstigungen profitieren und die Kinobesitzer scheuten das Risiko, solche Filme zu zeigen. Das Material der unbekannten Amateure montierte der Regisseur Phil Jutzi zu einem Film, der die kollektive Erfahrung dokumentiert. Er wurde in angemieteten Kinos, Arbeiterclubs, Gewerkschaftsversammlungen und Vereinssälen vorgeführt.[4.9]

Es gibt auch unter den bürgerlichen Amateurfilmern solche, die wie ihre Arbeiterkollegen mit ihren Filmen gesellschaftlich aktiv wurden. Dazu gehört unter anderen die Grafikerin Ella Bergmann-Michel. Sie drehte 1923 in Frankfurt «Erwerbslose kochen für Erwerbslose» und «Wo wohnen die Leute», dies ein Film, der ein Altersheim ins Bild setzt und als Beiprogramm der öffentlichen Kinos erfolgreich lief.[4.10] Bertolt Brecht und Slatan Dudow zeigen mit ihrem 1932 entstandenen Film «Kuhle Wampe», dass auch subjektive Momente in einem fortschrittlichen und propagandistischen Film Platz hatten.[4.11]

Der Bund der Filmamateure (BdFA), der viele bürgerliche Amateurfilmer versammelte, wurde 1935 von den Nationalsozialisten unter der Bezeichnung Bund der Deutschen Filmamateure (BDFA) unter nationalsozialistische Obhut genommen. Zahlreichen Amateuren war dieser Pakt suspekt, viele traten aus, andere emigrierten. Die meisten Filmamateure wollten sich nicht missbrauchen lassen. Sie zogen sich mit ihrer Filmleidenschaft auf die eigene Familie zurück. Mit der Kamera aktiven Widerstand zu leisten, war die Ausnahme: heimlich wurden Szenene festgehalten wie die von der Kristallnacht, einer Judenexekution im Baltikum oder in Peter Fischers Filmtagebuch die Bombenangriffe auf Köln. Szenen wie diese dokumentieren die Gewalttätigkeit der Nazi-Diktatur und deren Auswirkungen. Im Gegensatz dazu standen die Filme, welche in Preis- und Prädikatslisten des BDFA portiert und durch den «Deutschen Kulturfilm-Vertrieb» zu erschwinglichen Preisen als Massenprodukte vertrieben wurden. Neben familiären Ausflügen durch Länder und Gaue im großdeutschen Stil, wurde auch der Heim- und Herdfilm mit dem 1. Preis prämiert. Die proletarische Amateurfilmbewegung sei, wie Kuball 1980 bilanzierte, in der Folge der nationalsozialistischen Machtergreifung praktisch zum Erliegen gekommen. Eine Weiterentwicklung ihrer Erfahrungen sei ausgeblieben.[4.12]

Der oft totgesagte 9,5-mm-Film lebt weiter. In Frankreich sind zahlreiche Liebhaber des 9,5er im Ciné Club 9,5 France organisiert. Es gab wiederholt 9,5 Filmfestivals in Frankreich, Spanien, Luxemburg, Dänemark, England, Niederlanden, Deutschland, Österreich und Kanada. Im französischen Albi findet jährlich ein 9,5-mm-Filmfestival statt.

Um 1975 besaß in der Bundesrepublik Deutschland jede fünfte Familie eine Filmausrüstung. Ab den 1980er Jahren wurde das Super-8-Format zunehmend von der Videotechnologie abgelöst. In den Neunzigerjahren kamen als neue Entwicklung die Webcams und die Veröffentlichung privater Filme im Internet hinzu.[9]

Siehe auch

Literatur

  • Siegfried Mattl, Carina Lesky, Vrääth Öhner, Ingo Zechner (Hrsg.): Abenteuer Alltag. Zur Archäologie des Amateurfilms, FilmmuseumSynemaPublikationen Band 25, Wien 2015, ISBN 978-3-901644-63-4.
  • Michael Kuball: Familienkino. Geschichte des Amateurfilms in Deutschland. Bd 1: 1900 - 1930 (= rororo Sachbuch. Nr. 7186). Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1980, ISBN 3-499-17186-4.
  • Michael Kuball: Familienkino. Geschichte des Amateurfilms in Deutschland. Bd 2: 1931-1960 (= rororo Sachbuch. Nr. 7187). Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1980, ISBN 3-499-17187-2.

Film

Der Mann mit der kleinen Kamera. Wie ein Amateurfilmer Frieden im Krieg inszenierte, Dokumentarfilm, 2 × 50 min, ORF/3sat/Hengster Filmproduktion 2025, Buch und Regie: Andreas Kurz.

Wiktionary: Amateurfilm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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